IHK: nicht rosige, aber positive Zeiten für aktiven Einzelhandel

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 Präsentieren die neue Studie: IHK-Betriebswirt Josef Röll, Vizepräsident Friedrich Kolesch und Hauptgeschäftsführer Otto Sälzl
Präsentieren die neue Studie: IHK-Betriebswirt Josef Röll, Vizepräsident Friedrich Kolesch und Hauptgeschäftsführer Otto Sälzle (von links). (Foto: Axel Pries)

Einzelhandel in einer Innenstadt zu betreiben, bleibt eine Herausforderung, die Anpassung und Engagement verlangt. Aber es gibt Beispiele, wie es auch in modernen Zeiten funktionieren kann. Das sind zwei Thesen, mit denen Vertreter der IHK Ulm am Freitag in Biberach das aktuelle Einzelhandelskompendium vorstellten. Heißt: Nach fünf Jahren schaute man wieder genau hin, was sich in den Innenstädten der Region getan hat. Und siehe: Laupheim kommt als aufstrebende Stadt gut weg, für die Händler und deren Werbegemeinschaft gibt es Lob – mit der Feststellung aber auch, dass noch Kleinstadt-Denkweisen existierten.

Nach fünf Jahren hatte die Industrie- und Handelskammer wieder die Zähler losgeschickt, erläuterten der IHK-Vizepräsident Friedrich Kolesch, Hauptgeschäftsführer Otto Sälzle und IHK-Betriebswirt Josef Röll in einem Pressegespräch. Ziel waren die Innenstädte, jener Teil einer Stadt, der die Vielfalt und Lebendigkeit wiedergibt, somit für Identifikation sorgt – wenn der Einzelhandel funktioniert. Der Hintergrund dabei sei, so erklärte Kolesch, ein bundesweiter Trend zu geringerer „Passantenfrequenz“ auch in besten Lagen mit entsprechender „Erosion“ in den Nebenstraßen: das Ladensterben. Eine Ursache sei der Onlinehandel. „Der Kuchen wird kleiner.“ Da sei es nötig, dass in der Stadtpolitik ein „innenstadtfreundliches“ Klima herrscht – wie es in Biberach, Ehingen und auch Laupheim der Fall sei.

Die für Laupheim ermittelten Werte weisen in positive Richtung: Bei der „durchschnittlichen Passantenfrequenz“ in den Einkaufsstraßen liegt Laupheim knapp über dem Durchschnitt der 16 erforschten Städte: an vierter Stelle hinter Ulm, Biberach und Ehingen. Vor allem aber auch mit steigender Tendenz.

Zuwächse bei der Besucherfrequenz wurden auch woanders registriert, etwa in Biberach, Ehingen, Illertissen, Laichingen, Blaubeuren, Weißenhorn und Senden. Das sei bemerkenswert, heißt es in der Studie. Die Steigerungen könnten „Folge einer möglichen Trendwende sein“, lautet ein Deutungsversuch – aber vielleicht auch nur eine Folge der schwierigen Baustellen-Situation in Ulm.

Möglicherweise ist der Branchenmix in der Laupheimer Innenstadt eine Ursache für die positiven Werte, denn die wichtigsten drei Warensorten sind in Laupheim vergleichsweise mit am stärksten vertreten: Die Frequenzbringer Mode, Schuhe und Sport als „Bummelfaktoren“ machten 24 Prozent des Einzelhandelsangebots unter 116 Ladenlokalen aus. Nur Biberach und Ulm seien in der Hinsicht stärker. Laupheim profitiere aktuell von einer Schwäche Ulms, aber vor allem von Einzelhändlern mit Wurzeln in der Stadt, die sich engagieren – und investieren. „Die Inhaber der Geschäfte haben viel auf die Zukunft gesetzt“, erläutert Otto Sälzle. „Laupheim hat aktive Händler und eine sehr gute Werbegemeinschaft“, lobt Josef Röll. Die 16 Prozent, die Filialen von Einzelhandelsketten am Kuchen ausmachen, liegen an der Untergrenze: Da dürfte es durchaus auch das eine oder andere Geschäft mehr sein.

Lohn der Mühen sei insgesamt eine Steigerung der „Taschenträger“ unter den Passanten der Mittelstraße: Am Donnerstag wurden neun Prozent mehr gezählt, am Samstag dafür sechs Prozent weniger. Die Leerstandsquote steht unverändert bei neun Prozent, mit denen Laup-heim nicht in der Spitze, aber in der positiveren Hälfte der Vergleichs-tabelle angesiedelt ist.

Mit sieben Prozent Leerstand schneidet Biberach im Landkreis am besten ab; dort gibt es auch deutliche Zuwächse bei der Frequenz der „Taschenträger“. In Biberach werde wohl alles richtig gemacht, lautet der Schluss der IHK-Vertreter. Die Einkaufsstraßen sind gut erreichbar, bieten eine guten Branchenmix und erzielen damit eine gute Verweildauer.

Trotz der eher positiven Werte findet sich Laupheim in einer Vergleichstabelle fast ganz unten wieder: bei der Zufriedenheit der Händler mit dem Parkangebot. Davon sei er etwas überrascht, meint Kolesch. Andere Städte, in denen Fußgängerzonen den Besuchern meist längere Wege abverlangen, schneiden besser ab, obwohl Laupheims Geschäfte in den Einkaufsstraßen direkt angefahren werden könnten. „Das ist ein Ausreißer“, meint Kolesch, vielleicht erklärbar dadurch, dass Händler in Biberach oder Friedrichshafen ihre Stadt eher als groß begreifen. Wege, die in größeren Städten üblich sind, gelten in der „subjektiven Wahrnehmung“ Laupheimer Händler als zu weit.

Vielleicht, so wagen die IHK-Vertreter einen Ausblick, sei auch der Peak beim Online-Handel erreicht, und die Menschen besinnen sich wieder der Geschäfte vor Ort. Dafür gebe es Anzeichen. Sicher sei aber, so Kolesch: „Als erstes gilt: nicht jammern, sondern investieren!“

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