GWO will 80 Millionen Euro in den Bau kostengünstiger Mietwohnungen investieren

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„Bis 2025 plant die GWO den Bau von mehr als 400 bezahlbaren Mietwohnungen in der Region“, sagt der Vorstandsvorsitzende Jörg Sc
„Bis 2025 plant die GWO den Bau von mehr als 400 bezahlbaren Mietwohnungen in der Region“, sagt der Vorstandsvorsitzende Jörg Schenkluhn. (Foto: Roland Ray)
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Die Genossenschaft für Wohnungsbau Oberland (GWO) plant eine Offensive beim Bau von bezahlbaren Mietwohnungen. Im Gespräch mit Roland Ray nennt der Vorstandsvorsitzende Jörg Schenkluhn Einzelheiten.

SZ: Herr Schenkluhn, die GWO hat vor wenigen Tagen bekannt gegeben, dass sie bis 2025 mehr als 400 bezahlbare Mietwohnungen in der Region bauen will. Das hört sich nach ziemlich viel an.

Schenkluhn: Das ist eine echte Hausnummer für die GWO. Wir sprechen über eine Gesamtinvestition von etwa 80 Millionen Euro. Doch wir können das stemmen, unsere Genossenschaft steht finanziell grundsolide da.

SZ: Wie definieren Sie „bezahlbaren Wohnraum“?

Schenkluhn: Für diesen Begriff gibt es keine offizielle Definition. Eine Faustregel besagt: Eine Mietwohnung ist bezahlbar, wenn die zum Haushalt gehörenden Personen weniger als 30 Prozent des Nettoeinkommens für die Kaltmiete ausgeben müssen. Für die GWO gilt zudem, dass wir die ortsüblichen Mieten nicht ausschöpfen. Im Jahr 2017 betrug unsere durchschnittliche Grundmiete je Quadratmeter Wohnfläche 6,07 Euro – das war deutlich darunter.

SZ: Was motiviert die GWO, sich unter solchen Prämissen im Mietwohnungsbau zu engagieren?

Schenkluhn: Zum einen fühlen wir uns unverändert unserer Satzung aus dem Gründungsjahr 1949 verpflichtet. Darin ist das Gebot verankert, bezahlbaren Wohnraum für möglichst viele Bevölkerungsschichten zu schaffen. Zum anderen nimmt der Bedarf an günstigen Mietwohnungen spürbar zu. Menschen aller Altersgruppen müssen vermehrt aufs Geld schauen: Geringverdiener, Erwerbslose, junge Familien, Alleinerziehende, Senioren mit schmaler Rente. Diese Personengruppen tun sich zunehmend schwerer auf dem Wohnungsmarkt. Wir wollen mit unserem Neubauprogramm einen Beitrag zur Entspannung dieses Marktes in der Region leisten und dabei auch neue Wohnformen und Bedürfnisse wie etwa Barrierefreiheit berücksichtigen.

SZ: Wie konkret ist dieses Programm?Schenkluhn: Sehr konkret. Auf einer Klausurtagung haben Vorstand und Aufsichtsrat der GWO mittelfristige Ziele festgelegt. Unsere Strategie fußt auf zwei zentralen Pfeilern. Wie öffentlich kommuniziert, möchten wir in den nächsten Jahren bedarfsgerecht mehr als 400 bezahlbare Mietwohnungen bauen. Außerdem wollen wir auch künftig hohe Beträge in die Bestandspflege investieren und bis 2025 rund 35 Millionen Euro aufwenden, um damit knapp 600 Wohnungen zu modernisieren, mit dem Schwerpunkt energetische Sanierung, und um das Wohnumfeld neu zu gestalten.

SZ: Wo sollen die neuen Mietwohnungen entstehen?

Schenkluhn: Einen Großteil wollen wir in Laupheim, Ulm, Ehingen und Biberach bauen. Etwa ein Viertel des Neubauprogramms ist für Laupheim vorgesehen.

SZ: Wie bewerkstelligen Sie den dafür erforderlichen Grunderwerb?

Schenkluhn: Das eine oder andere noch unbebaute Grundstück konnten wir in der Vergangenheit kaufen. An einigen Standorten streben wir eine Nachverdichtung an; konzeptionelle Überlegungen und städtebauliche Untersuchungen dazu sind bereits angestoßen, auch in Laupheim. Darüber hinaus bewerben wir uns, wenn Kommunen in der Region im Rahmen von Konzeptverfahren Grundstücke zum Verkauf ausschreiben. In steigendem Maß sind an solche Vergaben Kriterien geknüpft, die den sozialen Wohnungsbau fördern sollen.

SZ: Genau das hat die Stadt Laupheim mit zwei Grundstücken im Fichtenweg und in der Ulmer Straße im Sinn. Bemüht sich die GWO darum?

Schenkluhn: Wir sind interessiert und werden uns bewerben. Wir warten nur noch auf die Ausschreibung.

SZ: Zählen aktuelle Bauvorhaben in Ulm, Biberach und Ehingen bereits zum „Programm 2025“?

Schenkluhn: Ja. Im Innenhof des „Postdörfle“ in Ulm hat die GWO im Zuge der Nachverdichtung mit dem Bau von 51 Mietwohnungen begonnen. Weitere 51 Wohnungen plant dort die Landesbaugenossenschaft. Im Neubaugebiet „Hauderboschen“ in Biberach möchte die GWO in einem sechsgeschossigen Neubau 23 Wohnungen zu sozial verträglichen Mieten anbieten. In der Otto-Hahn-Straße in Ehingen sind 30 Mietwohnungen im Werden. Davon sind 16 mit Landesmitteln öffentlich gefördert, was bedeutet, dass sie der Mietpreisbindung unterliegen und nur an Haushalte mit Wohnberechtigungsschein vermietet werden dürfen. Der Mietzins für diese Wohnungen wird etwa 30 Prozent günstiger sein als die ortsübliche Vergleichsmiete, bei einem guten Standard in Bau und Ausstattung. In einem zweiten Bauabschnitt planen wir dort 48 Wohnungen, zum Teil ebenfalls öffentlich gefördert.

SZ: Eine öffentliche Förderung streben Sie demnach nur für einen Teil des Neubauprogramms an?

Schenkluhn: Das ist richtig. Insgesamt stellen wir uns einen Anteil von 25 bis 30 Prozent vor. Davon versprechen wir uns einen guten Mix bei der Belegung der Gebäude.

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