Groll über „GroKo“ auch in Laupheim

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Die SPD wählt: Ralf Sauter sammelt Stimmzettel ein, während Vorsitzender Kreklau den nächsten Wahlgang einleitet.
Die SPD wählt: Ralf Sauter sammelt Stimmzettel ein, während Vorsitzender Kreklau den nächsten Wahlgang einleitet. (Foto: Axel Pries)

Die Entscheidung für die Große Koalition beschäftigt die SPD auch in Laupheim noch immer – und spaltet die Gemüter auch noch an der Basis. Das ging aus der Jahreshauptversammlung am Freitagabend im „Gartenheim“ hervor, bei der der Vorsitzende Robert Kreklau auf ein bewegtes Jahr 2017 zurückblickte. Er und weitere Vorstandsmitglieder wurden in ihren Ämtern bestätigt.

Gleich zwei Wahlkämpfe hielten die Laupheimer Sozialdemokraten im vergangenen Jahr auf Trab, erinnerte der Vorsitzende: die Bundestags- und die OB-Wahl. Zugleich sei schon im Frühjahr eine experimentelle „Flipchart-Aktion“ auf dem Marktplatz sehr positiv verlaufen. Nach Ideen für die Gestaltung der Stadt befragt, hätten Passanten die Flipcharts vollgeschrieben.

Im Bundestagswahlkampf habe man eine interessante Erfahrung gemacht, erklärte der Vorsitzende. In Straßen und Vierteln, in denen man die Anwohner nach einem „Mobilisierungsplaner“ ansprach, sei beim Wahlergebnis eine deutliche Steigerung über den Durchschnitt heraus gekommen. Dem von der SPD unterstützten OB-Kandidaten Ingo Bergmann bescheinigte Robert Kreklau, sich im Herbst sehr gut geschlagen zu haben: „Er hatte einen sehr schweren Stand gegen Herrn Rechle.“ Da sei das relativ knappe Ergebnis doch bemerkenswert. Bergmann habe später eingeräumt, die Bedeutung der Briefwahl unterschätzt zu haben, denn erst diese Wähler hätten den Ausschlag gegeben. Sie zu gewinnen, hätte er doch früher in den Wahlkampf einsteigen müssen. Auch der SPD-Bundestagsabgeordnete Martin Gerster betonte: „Der Ingo kann auf das Ergebnis sehr stolz sein.“

Er betonte in einem Grußwort, dass die SPD als bisheriger Koalitionspartner entgegen aller Unkenrufe sehr wohl eigene Positionen habe durchsetzen können. Und auch in Laupheim sei das spürbar, denn die Parkbad-Sanierung geschehe mit deutlicher Förderung vom Bund. „Das ist die SPD gewesen!“

„Regelrecht gelitten“, so meinte aber der Vorsitzende Kreklau, habe er nach der Bundestagswahl bei der Diskussion um eine Regierungsbeteligung der SPD, „als Aussagen ins Gegenteil gekippt wurden“, als Absprachen gebrochen worden seien. Das sei für sein Verständnis unerträglich gewesen, stellte der Vorsitzende fest, nachdem sein Stellvertreter Oliver Thiem sein Unbehagen über die Entwicklung in Berlin und die Beteiligung der SPD an der Großen Koalition geäußert hatte. In der folgenden Debatte bekräftigte Thiem seine große Unzufriedenheit über das Ergebnis und den Umgang mit den Spitzenleuten der SPD. „Martin Schultz ist ein Wrack“, sagte er – und Sigmar Gabriel, „den haben wir auch verschlissen.“ Er warb dafür, bei der SPD wieder echte linke Positionen vertritt. „Ich will diesen konservativen Kurs nicht.“

Vorsitzender Kreklau setzte noch einen drauf, als er seine Erleichterung darüber äußerte, dass aktuell keine Wahlen anstehen, denn für diese politische Konstellation in Berlin würde er nicht werben wollen. Mit der Meinung waren die beiden Vorstandsspitzen nicht alleine, aber hörten Widerworte auch aus prominentem Mund. Der frühere Vorsitzende Rolf Emmerich warb für einen differenzierten Blick: „So einfach ist es nicht“. Viele Entscheidungen seien aus dem Moment heraus getroffen werden müssen.

Auswirkungen auf die Mitgliederzahl von 38 hatte das Ganze allerdings nicht, erklärte Kreklau: „Im Zuge der Irrungen und Wirrungen“ habe es acht Neuzugänge gegeben – und acht Abgänge. Nur in zwei Fällen gingen der Beitritt offenbar auf die „GroKo“-Debatte zurück, und nur einer der beiden Neuen sei nach der Entscheidung pro „GroKo“ prompt wieder ausgetreten.

Bei Wahlen bestätigt

Bei Wahlen wurden Robert Kreklau und Oliver Thiem als Vorstandspitzen einstimmig in ihren Ämtern bestätigt. Einstimmig gingen auch die Wieder- und Neuwahlen aus für den Kassierer Karl Braig, die Schriftführerin Pauline Reich, die Beisitzer Irene Schwendt, Jonas Prüssing, Kurt Walter Matthes und Edith Lorenz-Henselmans sowie die Revisoren Ralf Sauter und Annegret Lahr.

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