Gemeinsam auf Weihnachten einstimmen

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Eine weihnachtliche Geschichte gehört zu den abendlichen Adventsfenstertreffen dazu. Punsch und Glühwein halten inwendig warm.
Eine weihnachtliche Geschichte gehört zu den abendlichen Adventsfenstertreffen dazu. Punsch und Glühwein halten inwendig warm. (Foto: Roland Ray)
Schwäbische Zeitung
Redaktionsleiter

Allabendlich versammeln sich jetzt 30 Menschen und mehr aus den Wohngebieten „Zwischen den Wegen“, „Schlatt“ und „Kleines Kreuzle“ unter freiem Himmel. Vor Adventsfenstern stimmen sie sich gemeinsam auf Weihnachten ein.

Pünktlich um 19.30 Uhr gleitet der Rollladen am Küchenfenster von Familie Wiest nach oben und gibt den Blick frei auf eine aufwendig gestaltete, in warmes Licht getauchte Weihnachtskrippe. Ein vielstimmiges „Ahh!“ und „Ohh!“ ertönt; Groß und Klein treten näher und erfreuen sich an Ochs und Esel, Hirten, Schafen, Königen und dem Jesuskind im Stall zu Bethlehem. Dann klärt Sina, die Tochter des Hauses, mit einer lustigen Geschichte auf, wie die Tradition, einen Engel auf die Christbaumspitze zu setzen, ihren Anfang nahm. Das war, glaubt man der Erzählung, an einem Tag, der den Weihnachtsmann bis dahin zur Weißglut getrieben hatte: vier seiner Elfen krank, drei Rentiere hochschwanger, der Stollen von Mäusen angeknabbert und die Schwiegermutter ante portas – ach, was tat da der kleine Engel gut, der ihm eine Tanne brachte und hoch droben Posten bezog.

Die Zuhörer applaudieren und setzen bei Glühwein, Punsch und Lebkuchen ihren angeregten Gespräche fort. Nach exakt einer Stunde fährt der Rollladen wieder herunter und die Ersten machen sich auf den Heimweg. „Bis morgen dann“, hört man’s in der Dunkelheit rufen.

„Morgen öffnet sich 60 Minuten lang ein neues Adventsfenster an einem anderen Haus“, sagt Andreas Wiest. Er hat die Aktion zusammen mit Erich Arnold und Holger Herzog initiiert. Auf Anhieb fanden sich genügend Leute bereit, ein Fenster, eine Tür oder Garage zu gestalten. Sie dürfen ihrer Kreativität freien Lauf lassen; lediglich ein kleiner Vortrag, besinnlich oder pfiffig, ist Pflicht. Bei einem Mitglied der Stadkapelle ertönte neulich Blasmusik. Konrad Schäfer hat die Gäste vor seinem Fenster mit einem selbstverfassten Gedicht begrüßt. Er schwärmt von dem schönen neuen Brauch, „die Adventszeit mal anders zu erleben – das könnte die Weihnachtsstimmung heben“.

Genau das scheint der Fall zu sein, und es ist beglückend zu beobachten, wie dank dieser liebenswerten Idee Freundschaften gepflegt und neue Kontakte geknüpft werden. Die Fensterdekorateure besuchen sich gegenseitig; der jeweilige Gastgeber lädt Bekannte und Nachbarn ein und bewirtet sie im Freien mit heißen Getränken, Bier, Wasser und Gebäck. In einer WhatsApp-Gruppe halten sie Verbindung und informieren einander, wenn jemand seinen Fenster-Termin kurzfristig tauschen möchte.

20 Fenster gibt es bis zum 22. Dezember zu bewundern, nur am 3. Dezember (Weihnachtsmarktsonntag) und am 10. (OB-Wahl) blieb der Rollladen unten. Gut möglich, dass nächstes Jahr mehr daraus entsteht, sagt Andreas Wiest – „mal schauen“.

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