Geburtshilfe und nächtliche Aufnahme stehen in Laupheim und Riedlingen vor dem Aus

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Am Tropf: Noch schreiben die Sana-Kliniken im Kreis Biberach tiefrote Zahlen, die Geschäftsführung will Leistungen wie die Gebur (Foto: Shutterstock)
Schwäbische Zeitung
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An den Sana-Kliniken Laupheim und Riedlingen stehen die Geburtshilfe und die nächtliche stationäre Aufnahmebereitschaft nach Informationen der Schwäbischen Zeitung offenbar vor dem baldigen Aus.

„Es sind noch keine Entscheidungen gefallen“, sagte der Kliniken-Geschäftsführer Dr. Uwe Gretscher am Dienstag auf Anfrage der SZ. Nach der Übernahme der Kreiskliniken zum Jahreswechsel sei man dabei, sich ein Bild von den einzelnen Bereichen zu machen und zu prüfen, welche medizinischen Leistungen sinnvollerweise an welchen Standorten vorgehalten werden sollten.

Gretscher bestätigte Gespräche mit Ärzten und Hebammen, wie es künftig laufen könnte. Es sei nur eine Frage der Zeit, bis für Laupheim und Riedlingen in Sachen Geburtshilfe und nächtliche Aufnahmebereitschaft „Entscheidungen getroffen werden müssen“. Aus seiner Sicht gebe es kaum einen anderen Weg, als diese Leistungen am Biberacher Klinikum zu zentralisieren, so Gretscher. Der bis jetzt betriebene Aufwand, alles dreifach vorzuhalten, stehe in keinem angemessenen Verhältnis zu den Fallzahlen, auf Sicht werde man auch nicht das notwendige Fachpersonal bekommen. Ferner sei zu fragen, ob die qualitativen Ansprüche von Patienten an kleinen Standorten insbesondere außerhalb der Routinearbeitszeiten immer hinreichend erfüllt werden können.

Nach Auskunft des Ärztlichen Direktors der Sana-Kliniken, Dr. Ulrich Mohl, steht die Notversorgung außerhalb der Regelzeit an Wochentagen von 16 Uhr bis 8 Uhr bereit. An der Laupheimer Klinik sei der OP in dieser Zeit im Schnitt nur jeweils eine Stunde in Betrieb, jedoch müsse über die kompletten 16 Stunden ein etwa zehnköpfiges Team vorgehalten werden, zum Teil in der Klinik, zum Teil in Rufbereitschaft. „Da muss man sich fragen: wofür?“

Die Geburtshilfe braucht laut Mohl die Strukturen der Notfallversorgung und zusätzlich einen Kreißsaal und einen Anästhesisten, der aus Sicherheitsgründen – binnen zehn Minuten muss alles für einen Kaiserschnitt bereit sein – das Krankenhaus nicht verlassen darf. Deshalb benötige man auch in Laupheim und Riedlingen immer eigens einen Arzt, der mit dem Rettungsdienst ausrückt. In Krankenhäusern ohne Geburtshilfe könne das auch der diensthabende Anästhesist übernehmen und für ihn gegebenenfalls ein Hintergrunddienst einspringen.

Unterm Strich gebe es erhebliches Einsparpotenzial, resümiert Mohl. Werde es ausgeschöpft, helfe das die Kliniken Laupheim und Riedlingen zu erhalten, „ohne Abstriche bei der medizinischen Versorgungsqualität“. Herzinfarkt- und Schlaganfallpatienten würden ohnehin schon seit Jahren in Biberach behandelt, und auch für Komplikationen sei die dortige Klinik besser gerüstet, zum Beispiel wegen des größeren Blutdepots. Die Fahrtzeit nach Biberach entspreche der notwendigen Rüstzeit für den OP, daraus entstünde kein Nachteil für nächtliche Notfallpatienten. Einzig Menschen mit leichten Verletzungen (Schnittwunden, Platzwunden, etc.) würden den weiteren Weg wohl als Manko empfinden.

Dass die Geburtshilfe und die nächtliche Aufnahmebereitschaft in Laupheim und Riedlingen gestrichen werden, könnte angesichts der hochdefizitären Lage der ehemaligen Kreiskliniken also tatsächlich nur eine Frage der Zeit sein. Nach SZ-Informationen sieht der Mehrheitsgesellschafter Sana vor allem in Riedlingen Handlungsbedarf. Zum einen, weil dort weniger Kinder geboren werden als in Laupheim, zum anderen, weil es an medizinischem Personal fehlt. Verschiedentlich ist vor diesem Hintergrund zu hören, dass die Schließung der Geburtshilfe und der nächtlichen Aufnahmebereitschaft am Riedlinger Krankenhaus bereits innerhalb der nächsten drei Monate droht.

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