Geboren in der Aufbruchstimmung der jungen Stadt

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 Feiert in diesem Jahr 140-jähriges Bestehen: der Verschönerungsverein Laupheim.
Feiert in diesem Jahr 140-jähriges Bestehen: der Verschönerungsverein Laupheim. (Foto: Friedrich Boerschel)
Schwäbische Zeitung
Rolf Müller

Am Abend des 1. Mai haben sich Ausschussmitglieder und Helfer des Verkehrs- und Veschönerungsvereins Laupheim vor der Gaststätte „Zum Hasen“ getroffen, wo vor zehn Jahren eine bronzene Erinnerungstafel angebracht worden war. Der Text erinnert an ein denkwürdiges Ereignis: „Im „Hasen“ wurde am 1. Mai 1879 der Verschönerungsverein Laupheim gegründet, seit 1929 Verkehrs- und Verschönerungsverein Laupheim. Diese Woche jährte sich also die Gründung des Vereins zum 140. Mal.

Das war Anlass für einen Rückblick, und der Vorsitzende Rolf Müller erinnerte an die Anfänge:

„Hier, in der damaligen Weinstube ,Zum Hasen’, wurde am 1. Mai 1879 unser Verein gegründet Die neun Gründungsmitglieder waren Färbermeister Albert Magg, Schmid-Barabeisch, Gärtner Münch, Stadtrat und Fotograf Constantin Müller, Anton Biber, Johannes Laupheimer, Privatier L. Gutenkunst, Louis Löwenthal und Constantin Knoll.“

Letzterer, so ist überliefert, war Inhaber und Wirt der Weinstube „Zum Hasen“, weshalb der Hasen auch das Gründungslokal wurde. Zum Vorstand des Vereins wurde Albert Magg gewählt, der angeblich die Gründung auch betrieben hatte.

Im Jahre 1840 verkaufte die Ortsherrschaft der Welden die Rittergüter Groß- und Kleinlaupheim an den württembergischen Staat. Danach wurden 1845 die Behörden von Wiblingen in das Schloss Kleinlaupheim verlegt, und Laupheim wurde somit Oberamtsstadt. 1850 wurde die Eisenbahn von Stuttgart nach Friedrichshafen eröffnet, und im Jahr 1869 wurde sodann Laupheim zur Stadt erhoben.

Aufbruchstimmung

Durch diese Ereignisse herrschte damals in der Stadt große Aufbruchstimmung. Zu jener Zeit hatte Laupheim die größte Judengemeinde im Königreich Württemberg, die größte Wirtshausdichte im ganzen Land sowie aufblühende Gewerbe- und Industriebetriebe, wie den Hopfenhandel und die Holzwerkzeugfirmen.

Idee: eine schönere Stadt

Der Stolz, Stadt zu sein, trug dazu bei, dass man Gassen nun als Straßen bezeichnete und bäuerlich klingende Straßennamen umtaufte – und man wollte die Stadt verschönern. Die Straßen wurden kandeliert, das heißt die unschönen, offenen Abwassergräben entlang der Ortswege beseitigt, und man wollte die Stadt durch Anpflanzungen von Böschungen und Ödflächen verschönern. Deshalb wurde 1873 ein Verschönerungsverein gegründet, dessen Vorsitzender Stadtschultheiß Hepperle wurde. Das vermutlich einzige Werk dieses Vereins war die Schaffung des Marktbrunnens, des heutigen Neptunbrunnens, anstelle eines bisherigen Brunnens bei der Kronen-Apotheke. Der Verein ging bald darauf wieder ein. Die Gründung des Verschönerungsvereins war somit eine Art Wiedergründung.

Albert Magg führte den Verein fast 33 Jahre lang bis zum März 1912. Er übergab das Amt an den Israeliten Max Bergmann, der im Nazi-Regime 1934 sein Amt abgeben musste.

In den vorherigen 55 Jahren waren eine Menge Grünanlagen, Alleen und sonstige Bepflanzungen geschaffen worden, insbesondere auch die Höhenanlage und der Untere sowie der Obere Festplatz, Viele dieser Grünanlagen sind nur dem Namen nach oder gar nicht mehr bekannt, wie die Schillerhöhe mit einer Schillerlinde und einem Schillerdenkmal, der Friedenshain mit der Friedenslinde, die Bronnerberganlage beim Kronenkeller mit der König-Karl-Linde, das Ruhetal oder die Marktplatzanlage mit Ruhebänken und einem Springbrunnen auf dem Gelände der zugeschütteten Roßwette.

1929 wurde der Verein in Verkehrs- und Verschönerungsverein umbenannt; von da an versuchte er, den Verkehr in die Stadt durch Omnibuslinien und Veranstaltungen zu fördern. Nach dem Weggang von Max Bergmann ließen die Aktivitäten erheblich nach und wurden letztlich in der Kriegs- und Nachkriegszeit eingestellt. Die Unterhaltung der Grünanlagen, auch der Höhenanlage, wurde deshalb von der Stadtverwaltung übernommen. Im Winter 1956/57 sollte der Verein aufgelöst werden. Deshalb bildete sich eine Bürgerinitiative, den Verein wieder zu beleben, was mit großem Erfolg geschah.

Weitere Aufgaben

Der Verein hat inzwischen seine Aufgaben wesentlich vermehrt. Jetzt sind neben die Stadtverschönerung auch der Denkmalschutz, der Naturschutz, die Erholungsvorsorge und die Heimatpflege und Heimatgeschichte getreten. Und der VVL ist nicht nur in Laupheim, sondern inzwischen auch in Nachbargemeinden tätig.

Der Verein besitzt heute neben der Höhenanlage eine weitere Grünanlage mit Wanderwegen im Grundgrabental, naturschutzwichtige Flächen im Natur- und Landschaftsschutzgebiet Osterried, mehrere Biotopflächen in der Laupheimer Umgebung, ein Kulturdenkmal – eines der ältesten Judenhäuser auf dem Judenberg -, einen Bücherladen, das Antiquariat an der Kapellenstraße, eine barocke Wegkapelle, den Nepomukbildstock an der Rottum und vier weitere Bildstöcke sowie sechs Feldkreuze. Dazu zählen weiter sieben Gedenktafeln, vier Gedenksteine, drei große Metallskulpturen von dem einheimischen Metallkünstler Karl Schlecht, eine Sammlung für eine geplante Geschichtsbibliothek mit mehreren tausend Druckwerken und etlichen Archivalien, Sammlungsgegenstände und das ehemalige Gasthaus „Zum Rad“ für ein geplantes Heimatmuseum, mehrere Lager- und Garagengebäude, zwei Traktoren, ein Ladewagen, Anhänger, Mähgeräte und mehr. Der Verein betreibt das Ziegengehege am Parkweg, hat Heimatkalender und viele Bücher herausgegeben.

In der Vergangenheit wurde viel geschaffen, stellte Müller fest. „Aber zu unserem großen Bedauern ist das allermeiste im Laufe der Zeit untergegangen – seien es Alleen, Grünanlagen, Gedenkbäume oder Gedenksteine, und zwar ohne dass unser Verein, der dies mit großem Engagement, mit viel Arbeit und Herzblut sowie zahlreichen gesammelten Spenden geschaffen hatte, allerwenigstens dazu kontaktiert worden wäre.“

Oft sei nicht einmal die Erinnerung geblieben. „Wer von den Laupheimern weiß, dass unser Verein den Unteren Festplatz geschaffen und dort die Kastanien gepflanzt hat, und dass er den Kauf des Oberen Festplatzes zu drei Vierteln finanziert und dafür sogar Darlehen aufgenommen hat. Heute steht auf dieser Erwerbsfläche die Bühler Turnhalle, und das Restgelände wird für Flohmärkte, den Kaltblutpferdemarkt und das Heimatfest genutzt.“

Deshalb habe sich die derzeitige Vereinsstrategie bewährt, denn das Eigentum sei der beste Schutz. Müller: „Und deshalb sollte unser Verein nur veräußern, was er auf Dauer nicht benötigen wird. Ja er sollte sogar bestrebt sein, weiteres Vermögen, seien es Grundstücke oder Sammlungsgegenstände, zu erwerben, und nicht darauf aus sein, ein Geldvermögen anzusammeln. Hoffen wir, dass die künftigen Generationen dies beherzigen und das von uns und unseren Vorfahren Geschaffene erhalten und eher vermehren. Auch hoffen wir, dass unser Verein, wie bisher, Wirren der Zeit übersteht und noch lange existiert.“

Bei einer gemütlichen Einkehr wurde auf das 140. Gründungsjubiläum und eine noch lange Zukunft des Vereins angestoßen.

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