Flüchtlinge werden zu Fachkräften

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Omar Zaror von der Firma Uhlmann Pac-Systeme in seinem „Element“.
Omar Zaror von der Firma Uhlmann Pac-Systeme in seinem „Element“. (Foto: Photodesign Armin Buhl)
Schwäbische Zeitung

Ihre Berufsausbildungen haben die frisch gebackenen Fachkräfte bei folgenden Unternehmen absolviert: Aldi in Ulm-Wiblingen, Noerpel in Ulm, Liebherr-Werk in Biberach und Uhlmann Pac-Systeme in Laupheim.

In der IHK-Region Ulm haben die ersten Flüchtlinge ihre Berufsausbildung abgeschlossen. Wie die Industrie- und Handelskammer Ulm mitteilt, legten sechs Menschen aus Afghanistan, Eritrea, Kamerun und Syrien, die im Jahr 2015 nach Deutschland gekommen sind, ihre Abschlussprüfungen erfolgreich ab – darunter auch Omar Zaror aus Laupheim.

Sie gehören damit zu den ersten Flüchtlingen der jüngeren Vergangenheit, die den Weg der dualen Ausbildung beschritten haben und nun ihr Abschlusszeugnis in Händen halten. Sie dürfen sich jetzt offiziell Fachlageristen, Fachinformatiker, Fachkraft für Metalltechnik oder Verkäufer nennen.

„Mit dem erfolgreichen Abschneiden der ersten Prüflinge mit Fluchthintergrund zeigt sich, dass Flüchtlinge einen Beitrag zur Fachkräftesicherung leisten können. Das große Engagement der Wirtschaft in der IHK-Region Ulm wird dadurch belohnt“, kommentiert IHK-Hauptgeschäftsführer Otto Sälzle die positiven Prüfungsergebnisse. IHK-Flüchtlingskoordinator Armin Speidel und das Team der Flüchtlingskümmerer haben mit „jedem Prüfling mitgefiebert und die Daumen gedrückt, dass es klappt“.

Lehrzeit sogar verkürzt

Geklappt hat es auch bei Omar Zaror von der Firma Uhlmann Pac-Systeme in Laupheim. Die Ausbildung zum Fachinformatiker für Systemintegration konnte er, aufgrund seiner Vorerfahrungen aus Syrien, sogar von drei auf zwei Lehrjahre verkürzen. Auf seine Ausbildung zurückblickend, blieb ihm vor allem seine erste Klassenarbeit im Gedächtnis, „da ich aus einem komplett anderen Schulsystem komme, wusste ich nicht, was mich erwarten wird“. Nach der größten Herausforderung in der Ausbildung gefragt, antwortet er: „Die deutsche Sprache, besonders schriftlich.“

Erfreut über das erfolgreiche Abschneiden ist natürlich auch das Ausbildungsunternehmen, die Uhlmann Pac-Systeme in Laupheim. Dort erhalten alle Auszubildenden mit Fluchthintergrund neben den team- und persönlichkeitsbildenden Trainings zusätzlich Deutschunterricht im Unternehmen. Gert Jaudas, Director Human Resources bei Uhlmann, sagt: „Unsere Ausbilder geben darüber hinaus regelmäßig Hilfestellung zum Verstehen der Theorie und zur Prüfungsvorbereitung. Besonders freut uns, dass die Auszubildenden untereinander Lerngruppen bilden und sich gegenseitig unterstützen.“ Aufgrund des hohen Fachkräftebedarfs speziell in gewerblich/technischen Berufen sei man sehr froh, Omar Zaror nach erfolgreichem Ausbildungsabschluss in ein Anstellungsverhältnis in der IT-Abteilung des Unternehmens übernehmen zu können.

IHK kritisiert Bedingungen

So erfreulich das gute Abschneiden der ersten Prüflinge sei, so unerfreulich seien oft die Rahmenbedingungen, mit denen Flüchtlinge in ihrer Ausbildung kämpfen müssen, schreibt die IHK weiter. Die Umsetzung der sogenannten „3+2-Regelung“ werde bundesweit noch sehr unterschiedlich gehandhabt, was zu einer massiven Verunsicherung der Unternehmen und natürlich auch der Auszubildenden führe. Dazu komme der oftmals verwehrte Zugang zu wichtigen Ausbildungsförderinstrumenten der Bundesagentur für Arbeit. Diese für den Ausbildungserfolg so wichtige Unterstützung sollte allen Auszubildenden, unabhängig von Aufenthaltsstatus und Herkunft, zur Verfügung stehen, fordert die IHK.

Ihre Berufsausbildungen haben die frisch gebackenen Fachkräfte bei folgenden Unternehmen absolviert: Aldi in Ulm-Wiblingen, Noerpel in Ulm, Liebherr-Werk in Biberach und Uhlmann Pac-Systeme in Laupheim.

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