„Filament – The Circus Club“ begeistert das Publikum im Kulturhaus

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Was tut man nicht alles, um dazuzugehören? „Mauerblümchen“ Leslie probiert’s mit abenteuerlichen Verrenkungen.
Was tut man nicht alles, um dazuzugehören? „Mauerblümchen“ Leslie probiert’s mit abenteuerlichen Verrenkungen. (Foto: Elisabeth Koprivc)
Elisabeth Koprivc

Ausgerechnet die für die Presse reservierten Plätze sind belegt. Der Grund: Ein junger Mann hat sich in der Reihe geirrt. Dadurch kommt man ins Gespräch. Jorge Reyes, der junge Mann, spricht nur Englisch und ist extra aus New York angereist, um die letzte Vorstellung von „Filament – The Circus Club“ am vergangenen Samstag in Laupheim zu sehen.

Die nächste Frage liegt auf der Hand. Warum verschlägt es ihn aus den USA nach Laupheim? Seine Freundin ist eine der Artistinnen, die in diesem Stück auf der Bühne stehen. Sie spielt die Rolle des Mauerblümchens Leslie. „Meine Freundin und ich möchten nach der Show Urlaub machen. Wir möchten Amsterdam, Berlin und München besichtigen.“ Nach Laupheim natürlich.

Filament ist englisch und heißt übersetzt Glühfaden. Das ist das, das bei einer Glühbirne von früher geleuchtet hat. Und genauso gestrahlt haben die acht Artisten am Samstag im Kulturhaus. Das Stück handelt von acht Jugendlichen im Highschool-Alter, die in Kombination mit Artistik von Freundschaft, Liebe, Selbstfindung und Verrat erzählen. Es wird allerdings nicht gesprochen. Stattdessen sorgen die Darsteller mit schauspielerischem Geschick und der individuellen Akrobatik für den Handlungsablauf, wobei manche Details und auch die Namen nur aus dem Programmheft zu entnehmen sind. Zu jeder Szene gibt es die passende Musik, zum Großteil pulsierend und mitreißend.

Der Filament-Schöpfer und Regisseur Joseph Pinzon aus den USA hat sich bei seiner ersten Show von fünf Filmen aus den 80er-Jahren, wie „The Breakfast Club“, inspirieren lassen. Mit seiner von ihm gegründeten Zirkus-Company „Short Round Productions“ möchte er moderne Akrobatik-Vorführungen mit fesselnder Handlung und internationalen Talenten verbinden. „Filament – The Circus Club“ feierte im Juni 2016 Weltpremiere und bekam 2017 beim „Adelaide Fringe Festival“ eine Auszeichnung.

Auf der Bühne im Kulturhaus stehen sieben befreundete Jugendliche zusammen, als ein Neuer dazu kommt. Wie in vielen Teenie-Filmen gibt es verschiedene Charaktere: die Coole, den schüchternen Nerd, das Mädchen von nebenan, den Frauenschwarm, das Highschool-Traummädchen, den Traumtypen, das Mauerblümchen und eben den Neuen.

Die Rollen im Freundeskreis werden neu verteilt, jeder versucht seinen Platz zu finden. Jeder hat in dieser Show seine eigene Art und sein Talent, dies darzustellen. Es wird mit Bällen jongliert und auf dem Trapez sowie auf Reifen geschaukelt. Faszinierend ist auch die Akrobatik mit roten Tüchern in verschiedenen Höhen. Es kommen kleinere und größere Reifen, auch in der Luft, zum Einsatz. Die Jungs lassen ihre Muskeln spielen – auch mal oben ohne. Völlig faszinierend zeigt sich das Mauerblümchen Leslie, das sich als Schlangenmensch entpuppt und sich verbiegt, als hätte sie keine Wirbelsäule.

„Filament – The Circus Club“ ist moderne Zirkus-Artistik mit Geschichte, die mit den Lichteffekten und der pulsierenden Musik beeindruckt. Über ein volles Haus hätten sich die Künstler wahrscheinlich noch mehr gefreut, aber diejenigen, die im Kulturhaus waren, zeigten Begeisterung. „Amazing“, sagt auch Jorge Reyes beeindruckt.

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