Fast vereitelt die Währungsreform den Krippenkauf

Lesedauer: 4 Min
Zeugnis von Jesu Geburt: die Christaller-Krippe in der evangelischen Kirche. (Foto: Diana Hofmann)
Schwäbische Zeitung
Diana Hofmann

Die beiden Hirten neigen respektvoll ihr Haupt, den Hut an die Brust gedrückt. Maria kniet neben der Krippe mit ihrem neugeborenen Sohn, gutmütig beäugt von Ochs und Esel. Aufrecht steht Josef, ein junger Vater, an der Seite seiner kleinen Familie. Die Krippe in der evangelischen Kirche in Laupheim strahlt in ihrer tönernen Schlichtheit eine Natürlichkeit aus, die der Weihnachtsbotschaft – Gott wird Mensch – angemessen ist. Geschaffen wurden sie von der Stuttgarter Künstlerin Frida Christaller (1898 – 1991), deren Werke erst in jüngster Zeit wieder geschätzt werden.

Dass eine Krippe überhaupt in der evangelischen Kirche steht, ist nicht selbstverständlich: Jahrhundertelang waren Weihnachtskrippen eine ausschließlich katholische Angelegenheit, die in der Barockzeit ihren Höhepunkt erfuhr – man denke nur an die opulent ausgestattete Barockkrippe in Gutenzell.

Erst in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts eroberte die bildliche Darstellung des Weihnachtsgeschehens auch evangelische Häuser und Kirchen. In Laupheim hat der evangelische Kirchengemeinderat laut Protokoll im April 1948 beschlossen, die Christaller-Krippe, „10 Figuren aus gebranntem Ton, farbig getönt – zusammen 580 RM“, anzuschaffen. „Dies geschah auf Empfehlung des Dekans in Biberach“, weiß Robert Eß, der sich als Gemeindemitglied und Hobbyhistoriker seit Jahren mit der Geschichte der Gemeinde beschäftigt.

Bis die Krippe tatsächlich am heiligen Abend desselben Jahres dort stand, galt es einige Hindernisse zu überwinden. Aufgrund der Währungsreform im Juni musste die Krippe wieder abbestellt werden. „Emma Rentschler hat dann den Betrag gespendet, so dass die Krippe schließlich doch gekauft werden konnte“, erzählt Eß. Versandt werden konnten die zerbrechlichen Tonfiguren allerdings erst, nachdem die Laupheimer Verpackungsmaterial gesammelt und nach Stuttgart geschickt hatten: „Es gab in der Nachkriegszeit einfach kein Packpapier zu kaufen.“ Den Stall baute Hans Kirsch, der beim Architekturbüro Mann arbeitete.

Wenig geschätzt wurden die Figuren Mitte der 1970er-Jahre: „Damals hielt man das für Kitsch aus Gips“, erinnert sich Robert Eß, „und die ganze Krippe war, auch aus Platzgründen, schon für den Verkauf auf dem Flohmarkt bestimmt.“ Er setzte sich dafür ein, dass sie auf dem Dachboden der Kirche aufbewahrt wurde, auch wenn sie nach Eß’ Schätzung gut zehn Jahre nicht mehr aufgestellt wurde.

Typisch für Christallers Krippen ist neben dem üblichen „Personal“ die Darstellung von Kindern. Die fehlen in Laupheim jedoch: „Vermutlich hat man die Kinder nicht mitbestellt“, meint Eß.

Die drei Weisen aus dem Morgenland sind dieser Tage im Übrigen auch noch nicht zu sehen – Dreikönig ist schließlich erst am 6. Januar.

Ihr Kommentar wird nach einer kurzen Prüfung durch unsere Redaktion veröffentlicht.
Kommentare werden geladen
Mehr Themen