Familie Striebel kauft das „Hermes“

Lesedauer: 5 Min
Architektonischer Glanz in der Kapellenstraße: die reich gegliederte Fassade des „Café Hermes“ im Stil der Neorenaissance.
(Foto: Martina Dach)
Roland Ray

Seit einem Jahr ist das „Café Hermes“ in der Kapellenstraße verwaist, doch bald soll neues Leben einziehen. Die Familie Striebel („Putz und Farbe“) hat das denkmalgeschützte Haus gekauft und sucht einen Pächter.

„Das ,Hermes’ ist eines der schönsten historischen Gebäude in Laupheim“, sagt Christian Striebel. Wie sein Vater Claus hat er Freude daran, ältere Liegenschaften zu erhalten, die das Stadtbild prägen, und, so sie es noch nicht sind, einen Blickfang daraus zu machen. Das „Milch & Zucker“ in der Mittelstraße ist ein schönes Beispiel, die alte Post beim Stadtbahnhof, das ehemalige Eisenbahner-Wohnhaus gleich nebenan.

Zum „Hermes“ gibt es eine besondere Beziehung. Als der Rechtsanwalt Hermann Schick 1988 das vom Abriss bedrohte Haus erwarb, es sanieren und mit Herzblut auf den heutigen Stand bringen ließ, hat der Fachbetrieb Striebel die Räume mit Stuck verziert und die Fassade renoviert.

„Uns haben gerade in jüngster Zeit immer wieder Leute angesprochen und gemeint: Übernehmt doch das ,Hermes’“, sagt Claus Striebel. Das ist nun geschehen. Der Kauf ist abgewickelt, diese Woche hat die Vorbesitzerin die Schlüssel übergeben. Im Erdgeschoss soll wie früher ein Café eröffnen, oder ein Restaurant. Das Immobilienbüro Scheffold sucht im Auftrag der Familie Striebel einen Pächter. „Wir haben vorab schon annähernd 30 Gastronomen in der Region angeschrieben“, sagt Christian Striebel. Er möchte eine sorgfältige Wahl treffen: „Das muss passen. Sonst warten wir lieber noch ein bisschen zu.“

Die Wunschvorstellung ist, das „Hermes“ im Frühjahr, spätestens im Sommer 2015 wieder zu öffnen. Bis dahin wollen die neuen Eigentümer innen und außen streichen, manches ausbessern, die Teppichböden austauschen und, in Abstimmung mit einem Restaurator, Feinheiten hervorheben, etwa an Geländern, Verzierungen oder Teilen aus Metall. „Wir können vieles mit den eigenen Mitarbeitern tun“, freut sich Christian Striebel. Es gehe nicht um große Veränderungen, sondern um Nuancen, „die bestimmt auch im Sinne der früheren Besitzer sind“. Die beiden Wohnungen in den oberen Stockwerken werden aller Voraussicht nach vermietet.

Hintergrund

Die Kapellenstraße 44 ist die Geburtsstätte des jüdischen Jugendstilkünstlers Friedrich Adler (1878 - 1942), von den Nationalsozialisten in Auschwitz ermordet. Sein Vater Isidor Adler hat das Haus 1876 erbaut. Der gelernte Konditor betrieb darin einen Lebensmittel- und Kolonialwaren-Großhandel. Er war offensichtlich ein Verehrer der Antike. Die Fassade schmückt unter anderem ein Stuckrelief mit dem Kopf des Götterboten Hermes.

In den 1980er-Jahren war das Haus in desolatem Zustand. 1988 kaufte es der Laupheimer Rechtsanwalt Hermann Schick. Der promovierte Jurist renovierte das Gebäude mit der gleichen Liebe zur griechischen und römischen Antike, die Isidor Adler bei der Gestaltung der Fassade hatte walten lassen, und ergänzte die Innenausstattung. Die Holzvertäfelung stammt aus einer Villa in Portugal. Sie trägt zur Idee, ein Wiener Kaffeehaus einzurichten, wesentlich bei. Das „Café Hermes“ eröffnete im Dezember 1989.

Der Ulmer Künstler Hermann Geyer hat die Friese mit Motiven aus der griechischen Mythologie bemalt. Dargestellt sind die zwölf olympischen Götter, die Erschaffung des Menschen und Szenen aus dem Leben des Hermes und des trojanischen Helden Aeneas, dessen Nachkommen einer Legende zufolge Rom gründeten.

Das Nebenzimmer des „Hermes“ ist Friedrich Adler gewidmet.

Ihr Kommentar wird nach einer kurzen Prüfung durch unsere Redaktion veröffentlicht.
Kommentare werden geladen
Mehr Themen