Für diese Menschen ist Sport buchstäblich eine Herzensangelegenheit

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Ausdauertraining, Übungen für das Gleichgewicht: Die Trainingsstunden der Herzsportgruppe in der Rottumhalle sind gut besucht.
Ausdauertraining, Übungen für das Gleichgewicht: Die Trainingsstunden der Herzsportgruppe in der Rottumhalle sind gut besucht. (Foto: Angelika Gretzinger)
Angelika Gretzinger

Ihr 40-jähriges Bestehen feiert die Herzsportgruppe des TSV Laupheim. Was mit einer kleinen Übungsgruppe in Baustetten begann, hat sich inzwischen zu einer großen Abteilung mit aktuell 120 gemeldeten Teilnehmern entwickelt. Trainiert wird immer dienstags in der Rottumhalle in Laupheim. Seit 1999 ist Erwin Rechsteiner Abteilungsleiter.

„Alle Herzsportler haben einen guten Draht zu ihren Übungsleitern“, beschreibt Rechsteiner, der selbst seit 32 Jahren Herzsport betreibt, das gute und legere Klima in den Trainingsstunden. Insgesamt sechs Übungsleiterinnen und -leiter trainieren die inzwischen auf sechs Gruppen angewachsene Schar von Sportlern.

Lucia Miller ist die dienstälteste Trainerin. Seit stolzen 29 Jahren leitet sie ihre Gruppe. „Alle lieben sie“, sagt Rechsteiner mit einem Schmunzeln im Gesicht.

Ein Arzt beim Training ist Pflicht

Neben dem wöchentlichen Herzsport seien gerade auch die Gemeinschaft und der Austausch mit Menschen, die ähnliche gesundheitliche Probleme haben wie man selbst, wichtige Aspekte für das Wohlbefinden. „So ein Herzinfarkt, das nimmt einen schon mit, die Psyche spielt danach eine große Rolle“, sagt Rechsteiner. Angst vor zu großer Belastung brauche jedoch niemand haben. Je nach Schwere der Erkrankung werde ein neuer Teilnehmer in eine der sechs Gruppen eingeteilt. Diese trainieren jeweils in unterschiedlichen Belastungsbereichen. Alle Übungsleiter besitzen eine spezielle Ausbildung für den Bereich Herzsport und nehmen regelmäßig an Fort- und Weiterbildungen teil. Pflicht ist die Anwesenheit eines Arztes. Aufgrund der großen Teilnehmerzahl ist zusätzlich eine Krankenschwester anwesend.

Ulrich Teubert ist einer der Ärzte, die diesen Dienst übernehmen. Seit 27 Jahren betreut er im Wechsel mit mehreren Kollegen die Herzsportler. „Ziel des Herzsports ist es, dass die Teilnehmer sich selbst und ihre Belastungsgrenzen kennenlernen“, erklärt der Internist. Des Weiteren sei die sportliche Betätigung mit Ausdauertraining und Übungen für das Gleichgewicht und die Balance ein wichtiger Gesundheitsaspekt. Bewegungen zum Kraftsparen könnten gut in den Alltag übertragen werden.

„Die unterschwellige Angst trainiert bei vielen mit“, gibt jedoch auch Teubert zu bedenken. Hier hilft eine genaue Dokumentation, die von jedem einzelnen Teilnehmer angelegt wird. Vor Beginn der Übungsstunde wird erst einmal der Ruhepuls notiert und die momentane Befindlichkeit erfragt. Während des Ausdauertrainings werden Belastungs- und Erholungspuls gemessen und ebenfalls dokumentiert. Zusätzlich misst der jeweils anwesende Arzt den Blutdruck der Teilnehmer.

So gut wie ausgebucht

Wenn ein Patient von seinem Arzt die Empfehlung zur Teilnahme bekommen hat, übernehmen die meisten Krankenkassen die Kosten für 90 Übungseinheiten. Arztbericht, Medikamentenliste und ein aktuelles EKG sind notwendig, um in einer der sechs Gruppen zu beginnen. „Auch wenn es nicht so aussieht, als Neuling gehen sie hier raus und haben Muskelkater“, erzählt Rechsteiner. Manchmal müsse man auch den Ehrgeiz der Teilnehmer ein wenig bremsen. Die Nachfrage nach Herzsport sei ungebrochen groß. Mehr als 20 Teilnehmer dürften jedoch pro Gruppe nicht aufgenommen werden. Zur Zeit seien die Kapazitäten wieder einmal an der oberen Grenze, berichtet der Abteilungsleiter.

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