Erneuter Kostensprung beim Hallenbad

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Gefliest ist das 2002 in Betrieb genommene Becken im Hallenbad, und so soll es auch bleiben. Ein Edelstahlbecken war den meisten
Gefliest ist das 2002 in Betrieb genommene Becken im Hallenbad, und so soll es auch bleiben. Ein Edelstahlbecken war den meisten Stadträten dann doch zu teuer. (Foto: Archiv: Roland Ray)
Redaktionsleiter

Die Sanierung und Erweiterung des Hallenbads verteuert sich weiter. In der Ratssitzung am Montag bezifferte die Verwaltung die voraussichtlichen Gesamtkosten mit 9,3 Millionen Euro. Vor einem Jahr war man noch von 8,15 Millionen ausgegangen. Hohe Angebotspreise bei mehreren Gewerken und zwischenzeitlich erkannte Baumängel treiben die Kosten, das neue Sportbecken musste aufwendiger als gedacht gegründet werden. Mit der Wiedereröffnung des Hallenbads ist frühestens Ende Juni 2019 zu rechnen, zwei Monate später als zuletzt gehofft.

Wie berichtet, waren im Frühjahr bei den Sanierungsarbeiten verschiedene bis dahin nicht bekannte Schäden entdeckt worden. Der komplette Vorbau der Caféteria muss erneuert werden – geschätzte Kosten: 151 000 Euro. Reparaturen am Fassadenanschluss an das Dach schlagen mit dem gleichen Betrag zu Buche. 50 000 Euro kostet es, Probleme mit der Lüftung in den Umkleiden zu beheben. 70 000 Euro sind fällig, um Bodenfliesen im Schwimmerbecken, die angehoben wurden, auszutauschen und den Estrich nachzubehandeln.

Ein kapitaler Preissprung

Apropos: Im Juni hatte der Gemeinderat die Verwaltung beauftragt, nochmals zu prüfen, wie viel teurer es wäre, auch in das bestehende Hallenbad ein Edelstahlbecken einzubauen, statt das geflieste Becken zu sanieren. 456 570 Euro Gesamtkosten für die Edelstahl-Variante werden in der aktuellen Sitzungsvorlage genannt, doch war dieser erst vor wenigen Wochen recherchierte Preis am Montag bereits Makulatur. 567 000 Euro müsste die Stadt jetzt für dieselbe Leistung berappen, hieß es unter Verweis auf galoppierende Stahlpreise. Dem stehen 153 000 Euro Kosten für die Sanierung des gefliesten Beckens, inklusive Wartung, gegenüber.

Natürlich sei Edelstahl werthaltiger als Fliesen und deutlich günstiger im Unterhalt, sagte Oberbürgermeister Gerold Rechle. Doch würde der Einbau eines solchen Beckens – abgesehen von den mehr als 400 000 Euro Preisunterschied – zu weiteren Verzögerungen und Mehrkosten bei der Badsanierung führen. Für ein Edelstahlbecken im alten Teil des Hallenbads müsste eigens ein Vergabeverfahren gestartet werden. „Das bräuchte Zeit, die wir eigentlich nicht haben“, sagte die Rathaus-Mitarbeiterin Andrea Behmüller. Der Wieder-eröffnungstermin im Juni 2019 wäre dann nicht zu halten.

In der Gesamtabwägung gelangte der OB zu dem Beschlussvorschlag, das Fliesenbecken zu sanieren. Dem mochten einige Stadträte nur widerstrebend folgen. Man habe schlechte Erfahrungen mit dem „preisgünstigen“ Bad gemacht, sagte Werner Lehmann (Freie Wähler). „Wir sind gebrannte Kinder. Deshalb waren wir eigentlich bereit, in Edelstahl zu investieren.“ Doch angesichts des ungeheuerlichen Preissprungs von mehr als 100 000 Euro: „nein“.

Martina Miller (SPD) mahnte, nicht noch einmal den gleichen Fehler zu machen wie beim Bau des Bads 2001 und zu viel sparen zu wollen, gerade mit Blick auf die Folgekosten. „Ich bin nach wie vor für ein Edelstahlbecken“, erklärte sie. „Langfristig ist das sinnvoll, auch wenn die Kostensteigerung immens irritiert.“ Eine bessere Projektsteuerung hätte eine derartige Teuerung abfangen können, mutmaßte sie.

Raphael Mangold (OL) sprach sich – mit Blick auf die ohnehin erhebliche Kostenmehrung und den Termindruck – für Rechles Vorschlag aus. Professionell verklebt, würden die Fliesen hoffentlich länger halten als 17 Jahre. Ein klares „Nein“ zum Edelstahlbecken kam von Clemens Graf Leutrum (CDU). „Das ist nicht unser Geld“, mahnte er. Bei zwei Gegenstimmen – Martina Miller und Rudolf Pretzel (FW) – entschied der Rat, das geflieste Becken zu sanieren.

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