Eine Rückkehr zu den Wurzeln

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Schwäbische Zeitung
Redaktionsleiter

Die US-amerikanische Seifenmanufaktur Dr. Bronner’s hat in Laupheim das Anwesen Judenberg 2 gekauft. Dort wurde das Unternehmen 1858 gegründet.

Emanuel Heilbronner eröffnete damals in dem Gebäude eine Seifensiederei. In den 1890er-Jahren expandierte das jüdische Familienunternehmen und nahm eine größere Produktionsstätte in Heilbronn in Betrieb. Die ersten Flüssigseifen wur- den hergestellt und an öffentliche Waschräume in ganz Deutschland geliefert.

Der Enkel des Firmengründers, der ebenfalls Emanuel hieß, wanderte 1929 in die USA aus. Seine beiden Schwestern konnten sich rechtzeitig vor den Nationalsozialisten in Sicherheit bringen, die Eltern starben in Auschwitz und Theresienstadt.

Aus Protest gegen Hitlers Machtergreifung strich Emanuel Heilbronner das „Heil-“ aus seinem Namen. In Amerika begann er für eine Welt ohne Krieg und Hass einzutreten und hielt Vorträge zum Thema Weltfrieden. 1948 gründete er in Kalifornien den Vorläufer der heutigen Firma „Dr. Bronner’s Magic Soaps“, die sich mit biozertifizierten und fair gehandelten Naturseifen und Kosmetikprodukten einen Namen gemacht hat. Der Durchbruch am Markt kam in den 60er-Jahren. Heute ist Dr. Bronner’s die meistverkaufte Naturseifenmarke in den Vereinigten Staaten; sie wird auch in Europa vertrieben.

Das Unternehmen beschäftigt mehr als 200 Mitarbeiter. Getreu den Leitsätzen seines Gründers fühlt es sich den Menschen und einem schonenden Umgang mit der Natur verpflichtet und investiert nach eigenen Angaben ein Drittel des Gewinns in wohltätige Zwecke und soziale Aktivitäten. Dieses Jahr hat Dr. Bronner’s zum Beispiel der Meeresschutzorganisation „Sea Shepherd“ ein Schiff für Einsätze in der Nord- und Ostsee gespendet. Das Ziel ist, speziell die dort heimischen Schweinswale zu schützen, von denen viele qualvoll in Stellnetzen verenden.

Im April hat der Firmenpräsident Michael Bronner erstmals Laupheim besucht. „Es fühlt sich an, als käme ich nach Hause“, sagte er der „Schwäbischen Zeitung“. Michael Schick von der Gesellschaft für Geschichte und Gedenken vermittelte einen Besuch im Haus Judenberg 2, Keimzelle des Unternehmens. Als die Eigentümerin Bereitschaft signalisierte, das Anwesen zu verkaufen, habe sein Chef nicht lange gefackelt, berichtet Axel Rungweber, Geschäftsführer der in Neuss ansässigen Dr. Bronner’s Europe GmbH: „Er sagte, auf diese Weise das Familienerbe zu bewahren, das wäre fantastisch.“

Pläne für ein Firmenmuseum

Inzwischen hat Bronner die Immo-bilie erworben. Weil sie im Sanierungsgebiet „Judenberg/Innenstadt II“ liegt, hätte die Stadt Laupheim ein gesetzliches Vorkaufsrecht ausüben können. Wie von der Verwaltung vorgeschlagen, hat der zuständige Ausschuss des Gemeinderats darauf verzichtet. Das fiel dem Gremium leicht, als es von den Plänen des neuen Eigentümers hörte. Er möchte das Gebäude laut Auskunft der Stadt möglichst sanieren und die oberen Geschosse als Wohnungen vermieten. Recht konkret sei die Absicht, im Untergeschoss ein kleines Museum zur Firmengeschichte einzurichten, sagt Axel Rungweber. Dafür habe man bereits eine Maschine aus der ehemaligen Heilbronner Seifenproduktion und andere Objekte vorgesehen.

Die Stadt hat mit Bronner vereinbart, dass er bis Ende 2018 einen mit der Verwaltung abgestimmten Bauantrag zur Sanierung des Anwesens oder für einen Neubau einreicht und das Vorhaben spätestens Ende 2019 in Angriff nimmt. Das Denkmalamt wird mitreden, denn das Gebäude befindet sich in einem denkmalgeschützten Ensemblebereich.

„Das ist ein Glücksfall für Laup-heim“, sagte Erwin Graf (Freie Wähler). „Da verzichten wir gern aufs Vorkaufsrecht.“ Brigitte Schmidt (SPD) wies auf die geschichtliche Dimen-sion hin: „Nachfahren ehemaliger jüdischer Mitbürger kehren zurück.“

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