„Ein Preis für außergewöhnliche Menschen“

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Aus den Händen des Stifters Arthur S. Obermayer (links) nahm Rolf Emmerich die Auszeichnung entgegen. Rechts der Präsident des A (Foto: Michael Schick)
Sabine Lennartz

Er ist ein Pionier. Ein Mann der ersten Stunde, der schon vor 30 Jahren begann, sich mit der jüdischen Geschichte seines Heimatortes zu beschäftigen. Rolf Emmerich hat jetzt in Berlin eine bedeutende Anerkennung seines Lebenswerks erhalten.

Es ist eine große, eine feierliche Stunde im Plenum des Abgeordnetenhauses. Arthur S. Obermayer, US-Unternehmer mit deutsch-jüdischen Wurzeln, überreicht den Preis seiner Stiftung, den German Jewish History Award für herausragende Verdienste um die Bewahrung des jüdischen Gedenkens in Deutschland. Rolf Emmerich aus Laupheim nimmt ihn freudestrahlend und auch etwas gerührt entgegen. Mit ihm fiebern auf den Sitzen im Abgeordnetenhaus seine Frau Hedwig, seine Kinder Joachim, Katja und Bettina, seine Enkelin und die Partner seiner Kinder. Auch der SPD-Bundestagsabgeordnete Martin Gerster ist dabei und stolz auf Rolf Emmerich. Die ganze Familie erlebt die sehr festliche Stunde mit, die vom Jiddisch Swing Orchester begleitet und vom Präsidenten des Abgeordnetenhauses von Berlin, Ralf Wieland, eröffnet wird. Im Mittelpunkt aber stehen die fünf Preisträger, die quer durch Deutschland ihren Beitrag für die deutsch-jüdische Versöhnung leisten und diese jetzt hier vorstellen, untermalt von Dias, Filmen und Musik.

„Es ist ein Preis für außergewöhnliche, herausragende Menschen und nicht für Institutionen“, sagt Arthur Obermayer morgens in der Pressekonferenz.

Er folgte den Spuren

Rolf Emmerich hat an diesem Tag in Berlin sehr viel Gelegenheit, sein Schaffen einer größeren Öffentlichkeit vorzustellen. Erst den Journalisten, dann am Abend in der Feierstunde im Abgeordnetenhaus. Er erzählt, wie er in seiner Heimatstadt die jüdischen Geschichten erforscht hat, das Schicksal derjenigen, die die Stadt verlassen mussten. „Mein Engagement begann in den 70er-Jahren“, berichtet Emmerich. Damals folgte er den Spuren der Nachfahren der jüdischen Laupheimer in die Schweiz, nach Israel und in die USA. In den 80er-Jahren bereits befragte er die Zeitzeugen. Er beschäftigte sich mit den Helfern der Verfolgten, „die jenen Mut zeigten, den wir heute oft brauchen könnten“. Sein Buch „Helfer im Verborgenen“ soll in Bälde erscheinen.

Emmerich berichtet stolz vom Museum in seiner Heimatstadt, das die Geschichte der jüdischen Gemeinde bis zu ihrem furchtbaren Ende dokumentiert. Und er spielt Synagogengesänge von 1922 vor, von jener Doppel-CD, die am morgigen Donnerstag in Laupheim präsentiert wird.

Als Pionier wird Rolf Emmerich in der Festschrift gewürdigt. Denn er habe schon vor 30 Jahren, als es häufig noch nicht besonders gern gesehen wurde, wenn jemand sich intensiv mit der jüdischen Vergangenheit beschäftigte, seine Schüler zum jüdischen Friedhof geführt.

Der heute 73-jährige Ingenieur und Lehrer entdeckte vor 25 Jahren Partituren des 1850 in Laupheim geborenen Kantors Moritz Henle. Auch sie wurden schon als CD veröffentlicht.

„Emmerich gilt als der engagierteste und kompetenteste Ansprechpartner in jüdischen Angelegenheiten in seiner Stadt“, schreibt Yitzhak Heinrich Steiner aus Israel, einer von denen, die Emmerich für diesen Preis empfohlen haben. Emmerich erreicht eine Rekordzahl, denn insgesamt acht Mal ist er vorgeschlagen worden. Trotzdem war es ein ganz großer Moment, als Arthur Obermayer selbst im Herbst bei den Emmerichs anrief.

Die nächsten Projekte reifen heran

Emmerich genießt den Abend in Berlin unter vielen Freunden und Mitstreitern. Erst einmal ausruhen auf seiner Auszeichnung aber wird er sich ganz gewiss nicht. Er will im nächsten Jahr eine Kunstausstellung mit Werken der Enkel der einstigen Laupheimer Juden, die heute in aller Welt verstreut sind, organisieren – ein am Frühstückstisch mit seiner Familie geborenes Projekt. Und die Geschichte der Helfer in Laupheim soll auch in Kürze erscheinen.

„Sie haben eine heilende Funktion in der Welt“, hat Arthur Obermayer über Menschen wie Rolf Emmerich gesagt.

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