Ein Instrument, viele Musikstile

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Sonja Niederer

Die seit langen Jahren bestehende Kooperation zwischen dem Akkordeonorchester Seemüller und dem Akkordeon-Seniorenorchester aus Gögglingen (AKG) hat sich auch in diesem Jahr wieder bewährt. Bei ihrem Gemeinschaftskonzert im Laupheimer Kulturhaus am Samstagabend präsentierten die beiden Ensembles ein anspruchsvolles und abwechslungsreiches Repertoire. Es zeigte sich wieder einmal, dass sich das Tasteninstrument für alle Musikstile eignet. Ob Barock, Schlager, Filmmusik oder Rock’n’Roll, ob leise oder laute Töne, es war alles dabei. Die Zuhörer, viele davon gehören zu einer eingeschworenen Fangemeinde, waren begeistert und zollten den Orchestern mit ihren Dirigenten viel Beifall.

Den Auftakt zum Konzertabend machte das Akkordeonorchester Seemüller unter Leitung von Gerd Seemüller. Mit interessanten Details zu den einzelnen Werken und deren Komponisten führte Günther Grässle in gewohnt unterhaltsamer Manier durch das Programm. Eigentlich habe der Komponist Francis Popy hauptsächlich Militärmusik geschrieben, so Grässle, aber auch einfühlsame Melodien, wie bei der „Suite Orientale“, welche das Akkordeonorchester zum Auftakt präsentierte. Auch bei der „Sinfonia per un addio“ sprang der Funke sogleich auf das Publikum über. Es sei von Gian Piero Reverberi, dem Gründer des „Rondo Venziano“, komponiert worden, sagte Günther Grässle. Den Part der Streichinstrumente übernahm in diesem Fall das Akkordeonorchester, welches sich dabei auch für barocke Musik als ausgezeichnet geeignet zeigte.

Über die „Romance del Diablo“, einen romantischen Tango, mitreißend und einfühlsam zugleich, ging es zu dem Werk „Palladio“ von Karl Jenkins. Jenkins sei es bei dieser Komposition gelungen, Barock, Romantik und Klassik mit zeitgenössischen Musikstilen zusammenzufügen. Dem Akkordeonorchester Seemüller, geführt von einem temperamentvollen Gerd Seemüller, gelang die Interpretation ausgezeichnet. In Erinnerungen an berühmte Western schwelgen konnten die Gäste bei einem Medley mit Melodien von Ennio Morricone. Nicht fehlen durfte dabei die Titelmelodie des Klassikers „Spiel mir das Lied vom Tod“, welches ganz leise mit der bekannten Mundharmonika-Sequenz, selbstverständlich auch vom Akkordeon intoniert, begann, und die Spannung sich dann langsam aufbaute. Passend dazu hatten sich die Musikerinnen und Musiker rund um Gerd Seemüller mit Westernhüten ausgestattet. Mit prasselndem Beifall wurde noch eine Zugabe erbeten, die sehr gerne mit dem Stück „Rock’n’Roll for ever“ gewährt wurde.

Gelungenes Debüt

Nach der Pause betrat das Akkordeon-Seniorenorchester aus Gögglingen die Bühne. Dessen neuer Dirigent, Ghenadie Rotari, gab an diesem Abend ein gelungenes Debüt. Rotari sei erst seit März dabei, sagte Ingeborg Häfele, die Vorsitzende des Gögglinger Ensembles. In nur fünf gemeinsamen Proben sei das Konzertrepertoire einstudiert worden. Mehr zur Biographie des hochkarätigen Musikers steuerte Günther Grässle bei. 1991 in der Republik Moldau geboren, habe Ghenadie Rotari im Alter von neun Jahre angefangen, Akkordeon zu spielen. Von 2010 bis 2016 studierte er in Italien am Konservatorium „G. Tartini“ in Triest unter Corrado Rojac. Rotari ist Gewinner zahlreicher erster Preise und vieler Auszeichnungen bei verschiedenen internationalen Wettbewerben, seine Konzerttätigkeit hat ihn schon in viele renommierte Konzertsäle geführt.

Bei der „Sinfonia in B“ von Johann Christian Bach kamen die Gäste im Kulturhaus sogleich in den Genuss des harmonischen Zusammenspiels des AKG-Seniorenorchesters. In eine schöne Abendstimmung wurden sie bei „Riflessi“ von Michele Netti versetzt. Eine sehr klangvolle und einschmeichelnde Melodie, die zum Träumen einlud. Die Gäste im Kulturhaus wurden aber umgehend wieder aufgeweckt durch die spannungsgeladene Musik der „James Bond Concert Suite“. Sogleich befand sich das Publikum inmitten eines actionreichen Geschehens rund um den Geheimagenten 007.

Gänsehautfeeling kam auf bei „Gabriellas Song“, bei dem Lisa Laupheimer und Anton Göggel den Gesangspart übernahmen, einfühlsam begleitet vom Seniorenorchester. Und dann hieß es auch schon Abschied nehmen von dem schönen Konzertabend. Es wurde bei „Silva Nigra“ von Markus Götz noch ein kleiner Abstecher in den Schwarzwald gemacht, um eine musikalische Tageswanderung durch die Wälder zu unternehmen, und bei der „Kleinen Ungarischen Rhapsodie“ die Puszta besucht.

Aber so ganz Schluss war dann doch noch nicht. Denn es wartete noch eine weitere Premiere auf die Zuhörer. Zum Seniorenorchester gesellte sich das Akkordeonorchester Seemüller auf die Bühne, und gemeinsam, unter Leitung von Gerd Seemüller, wurde das Stück „A Banda – zwei Apfelsinen im Haar“ als Zugabe zum Besten gegeben. Und das fast im wahrsten Sinne des Wortes, dann das Publikum kam dabei auch noch in den Genuss von Orangen und Bananen, die in den Zuschauerraum geworfen wurden.

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