Ein Exemplar ist für Gretel Bergmann

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Michael Schick (von links) und Janet Weiß von der Gesellschaft für Geschichte und Gedenken sowie Museumsleiter Michael Niemetz f (Foto: Agathe Markiewicz)
Agathe Markiewicz

Druckfrisch liegen die neuen Museumskataloge im Schaukasten am Eingang des Museums zur Geschichte von Christen und Juden. Das Besondere: sie sind auf Englisch.

Die große Nachfrage hätte eine englische Fassung des deutschen Katalogs, der im Jahr 2007 veröffentlicht wurde, nötig gemacht, sagt Museumsleiter Dr. Michael Niemetz. „Regelmäßig kommen Verwandte und Nachfahren der Laupheimer Juden aus Israel und Amerika hierher. Sie hatten immer wieder nach einer englischsprachigen Ausgabe des Katalogs gefragt.“ Es kommen aber auch neue Interessenten dazu. Vorwiegend seien es ältere Menschen, die in Pension gehen und Zeit haben, sich mit der Geschichte zu beschäftigen. „Aber auch junge Nachkommen, die ihre Wurzeln suchen und dann feststellen, dass diese in Laupheim liegen“, ergänzt Michael Schick von der Gesellschaft für Geschichte und Gedenken (GGG). „Sie freuen sich, wenn sie den Katalog zu Hause haben, nachdem sie im Museum waren.“ Seit dem vergangenen Jahr gibt es bereits einen Audio-Guide auf Englisch.

Interesse an Literatur

Generell ist Michael Niemetz ein großes Interesse der Besucher an Literatur aufgefallen. „Ich höre immer wieder die gleiche Frage: Was gibt es für Literatur?“, erzählt er. „Dann ist es schön sagen zu können, dass es einen Katalog gibt, jetzt sogar auf Englisch.“ Leider sind das Gedenkbuch und die Friedhofsdokumentation vergriffen, fügt Michael Schick hinzu.

Möglich gemacht und finanziert hat die Übersetzung und den Druck die GGG. Janet Weiß, die zum Ausschuss der Gesellschaft gehört, hat den Katalog eins-zu-eins übersetzt. „Ich habe in den Weihnachtsferien etwa ein bis zwei Wochen gebraucht“, verrät die gebürtige Engländerin. „Und mein Mann hat mir geholfen.“ Es sei nicht immer eine leichte Aufgabe gewesen. „Manchmal bleibt man bei den einfachsten Worten stecken“, sagt Janet Weiß, die bei der GGG zuständig für englische Texte ist. Sie bietet auch Führungen auf Englisch an.

Der englischsprachige Katalog kostet ebenso viel wie der deutsche: fünf Euro. „Das ist allerdings nur ein symbolischer Preis“, sagt der Museumsleiter. „Der Katalog ist viel mehr wert.“ Das Original ist ein Sonderformat. Der Grafiker hat das Produkt also neu setzen müssen. Der englische Katalog ist im DIN-A5-Format erhältlich.

Ende August wird Michael Schick nach New York reisen und einige der 200 Exemplare mitnehmen. „Ich treffe dort auf Menschen mit Bezug zu Laupheim“, sagt Schick. „Unter anderem werde ich einen Katalog Gretel Bergmann überreichen.“

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