Eddi-Stunden sind begehrt

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(Foto: Roland Ray)
Roland Ray

Hoppla, wer saust denn da durchs Schulhaus? Braun-weißes Fell, Klappohren, Schwänzchen in die Höh’: Das ist Eddi, ein Jack-Russell-Terrier, neun Monate alt, im Einsatz an der Wieland-Förderschule.

„Es war immer schon mein Traum, einen Hund zu haben“, sagt die Schulleiterin Angelika Kuppetz. Vor einem halben Jahr hat sie sich diesen Traum erfüllt und Eddi von einem Züchter in Bühl gekauft. Kollegium und Stadtverwaltung waren einverstanden, dass der Vierbeiner am Unterricht teilnehmen darf, im Zuge einer Allergieabfrage gaben auch die Eltern grünes Licht. Seit den Sommerferien gehört Eddi nun dazu, als Schulbegleithund, so der offizielle Titel.

Pünktlich zur ersten Stunde tritt der aufgeweckte Rüde seinen Dienst an. Vor allem im Werkunterricht von Marco Ruess ist er gern gesehener Gast. Der Lehrer hat viel Erfahrung mit Hunden. Außerdem kann Eddi richtig mitmachen. Während die Fünft- und Sechstklässler Schmuckkästchen aus Holz zimmern, bearbeitet er mit den Zähnen einen Ast.

„Eddi tut unseren Schülern gut“, beobachtet Angelika Kuppetz. Sie fühlen sich verantwortlich für den kleinen Terrier, nehmen Rücksicht auf ihn, lärmen weniger als früher. Der Hund wiederum schafft es spielend, den Schulalltag aufzulockern. Während des Unterrichts tippelt er schon mal von Tisch zu Tisch und holt sich Streicheleinheiten. Im Psychomotorikraum robbt er unerschrocken durch den Stofftunnel und lässt sich auf einem Rollbrett ziehen. Wenn die Kinder im Snoezelenraum entspannen, legt er sich daneben. Manche Räume und Einrichtungen im Schulhaus kann er schon nach Namen unterscheiden: das Lehrerzimmer, den Werkraum, das Aquarium.

Auch ein Seelentröster ist Eddi, wenn jemand Kummer hat. Und „Motivation pur“, wie Angelika Kuppetz erzählt. Sie lobt „Eddi-Stunden“ aus, und die sind begehrt. Klassen, die sich tadellos verhalten, dürfen beim Gassigehen dabei sein, den Vierbeiner an der Leine führen und mit ihm üben, was er letztens in der Hundeschule gelernt hat. „Auf diese Weise können die Kinder auch mal Lehrer sein“, sagt Kuppetz. Das Thema Assistenzhunde ist ihr nicht fremd: Während des Studiums hat sie sich mit Blindenpädagogik beschäftigt.<

Zusätzlich zur Hundeschule absolviert Eddi bei einer Biberacher Trainerin die von Amts wegen vorgeschriebene Spezialausbildung für Schulbegleithunde. „Dabei wird die Konditionierung des Tieres verfeinert“, erklärt Kuppetz. „Der Hund lernt, sein Verhalten zu kontrollieren und noch besser auf Kinder einzugehen.“ Er hört dann zum Beispiel aufmerksam zu, wenn sie vorlesen.

Ein Schultag ist anstrengend. Zwischendurch gönnt Eddi sich ein Nickerchen auf seiner Decke im Rektorat. Dass ein Hund Auszeiten braucht, war für viele Schüler eine neue Erfahrung. Ebenso ein Besuch beim Tierarzt. „Die Fünft- und Sechstklässler hatten das Thema im Unterricht, da bot es sich an“, sagt Angelika Kuppetz. In der Praxis von Roswitha Rief-Brenner durften die Jungen und Mädchen Eddis Herztöne abhören und den Terrier beruhigen. Er sei sehr tapfer gewesen, berichten sie.

Vesperbrote sind tabu für Eddi. Wenn die Schüler aber in der Pause Bälle werfen und der Hund brav apportiert, dürfen sie ihm ein Leckerli geben.

„Abends ist er ganz schön fertig“, sagt sein Frauchen. Ertönt jedoch am nächsten Morgen das Kommando „heute Schule“, steht er ausgeruht und unternehmungslustig an der Haustür. Ein neues Abenteuer lockt.

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