Drohne soll Rehkitze vor dem Tod bewahren

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Mit Handschuhen und einem Büschel Grün hält Barbara Gruber ein von der Drohne geortetes Rehkitz und bringt es in Sicherheit.
Mit Handschuhen und einem Büschel Grün hält Barbara Gruber ein von der Drohne geortetes Rehkitz und bringt es in Sicherheit. (Foto: Philipp Gruber)
Schwäbische Zeitung
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Mithilfe einer Drohne will die Kreisjägervereinigung Biberach Rehkitze und Feldhasen vor dem Tod durch Mähmaschinen bewahren. Der erste Einsatz des ferngesteuerten Fluggeräts zu diesem Zweck am Sonntagmorgen bei Obersulmetingen war ein Erfolg: Die Wärmebildkamera an Bord spürte zwei Kitze im hohen Gras auf, sie wurden in Sicherheit gebracht.

Von 5.30 bis 7 Uhr ließ Manfred Lochbühler, Revierpächter in Obersulmetingen und Drohnen-Beauftragter der Kreisjägerschaft, die Drohne fliegen. In 60 Metern Höhe suchte sie ein etwa zehn Hektar großes Gebiet ab. Zwei Kitze waren auf den Bildern zu erkennen, die die Wärmebild-kamera auf einen Monitor lieferte. Drohender Gefahr vermögen sich die wenige Tage alten Tiere noch nicht durch Flucht zu entziehen; sie drücken sich fest auf den Boden und rühren sich nicht.

„Die Drohne bleibt über dem Fundort in der Luft stehen, so gelangen wir schnell dorthin“, erklärt der stellvertretende Kreisjägermeister Dieter Mielke. Sonntag früh las Barbara Gruber, Frau des Revierpächters Philipp Gruber, die Bambis auf und setzte sie behutsam am Waldrand ab. „Dort werden sie alsbald von den Ricken wiedergefunden“, sagt Mielke.

Auf keinen Fall dürfen Kitze mit bloßen Händen angefasst werden. Sonst bleibt menschlicher Geruch an ihnen hängen und die Muttertiere nehmen sie nicht mehr an.

5000 Euro Zuschuss

Die Landwirte müssen die Jagdpächter über anstehende Mäheinsätze informieren. „Für gewöhnlich laufen wir die Wiese dann mit Hunden ab“, sagt Mielke. Ab sofort soll die Drohne die Waidgenossen unterstützen. Sie steht allen Mitgliedern der Kreisjägervereinigung zur Verfügung. Den Führerschein für das Fluggerät hat bisher nur Manfred Lochbühler, weitere Piloten sollen ausgebildet werden. Bei Einsätzen im Raum Laupheim gilt es Vorgaben der Luftwaffe zu beachten.

Der eigentliche Grund, die Drohne anzuschaffen, war ein anderer: Die Jäger unterstützen damit die Stadt Laupheim bei der Saatkrähen-Umsiedlung und ermitteln in neu besiedelten Bereichen aktuelle Zahlen, wie viele Nester belegt sind. Darüber hinaus soll die Drohne Hinweise liefern, wie sich teilweiser Jagdverzicht auf die Bestandsentwicklung des Niederwilds auswirkt. Unter diesen Prämissen hat das Landratsamt den Kauf der etwa 9000 Euro teuren Drohne mit 5000 Euro bezuschusst.

Wildschweine sollen aufgespürt werden

Hintergrund: Die hiesigen Revierpächter haben sich bereit erklärt, dieses Jahr überall dort, wo 2017 neue Saatkrähenkolonien entstanden sind, in 300 Metern Umkreis auf jeglichen Schusswaffengebrauch während der Nist- und Aufzuchtphase zu verzichten. Das freilich gibt Rabenkrähen, die zu bestimmten Zeiten gejagt werden dürfen, vermehrt Gelegenheit, die Nester von Bodenbrütern zu plündern und junge Hasen zu schlagen – bedrohte Tierarten, die die Hegegemeinschaft der Jäger schützen will.

Ein zusätzlicher Nutzen der Drohne ist nun, Rehkitze und Junghasen zu retten. Im Herbst wollen die Jäger noch eine dritte Mission starten: Die Drohne soll Schwarzwild in Maisäckern aufspüren, um eine gezielte Bejagung zu erleichtern und so Flurschäden und die Ausbreitung der Afrikanischen Schweinepest einzudämmen.

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