Dieb nutzt Unfall beim Heimatfest und bestiehlt Frau im Rollstuhl

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Schrecksekunde beim Festzug: Scheuende Pferde rennen aufs Publikum zu.
Schrecksekunde beim Festzug: Scheuende Pferde rennen aufs Publikum zu. (Foto: Roland Ray)
Redaktion Laupheimer Anzeiger

Das Heimatfest in Laupheim ist zwar schon wieder ein paar Wochen her, doch Florian B. aus der Nähe von Frankfurt am Main wird die Veranstaltung noch ein ganzes Weilchen in Erinnerung behalten – im positiven wie im negativen Sinn.

Das Positive zuerst: B. wollte seiner 90-jährigen Großmutter eine Freude machen und mit ihr den Großen Festzug am Sonntag besuchen – ein Herzenswunsch der Seniorin aus Nördlingen, die eine Reportage über das Fest gesehen hatte. Gesagt, getan. Mit der Oma, die im Rollstuhl sitzt, positionierte sich der 27-Jährige direkt am Marktplatz gegenüber der Tribüne und genoss das bunte Treiben auf der Straße.

„Dann erlebten wir leider hautnah mit, was geschah“, erzählt Florian B. in Hinblick auf den Unfall mit einem Pferdegespann, der sich direkt vor seinen Augen ereignete. „Ich bin Notfallsanitäter und wollte nach dem Aufruf des Moderators selbstverständlich auch helfen“, sagt er. Er habe sich sofort bei der Feuerwehr gemeldet und seine Hilfe angeboten. Bis klar war, dass nur eine Person verletzt war, vergingen einige Minuten – Zeit, in der seine Großmutter allein im Rollstuhl am Straßenrand auf die Rückkehr ihres Enkels wartete.

Kurze Zeit später rollte der Umzug bekanntlich weiter, und der 27-Jährige kehrte zu seiner Oma zurück. Es hätte noch ein rundum schöner Festtag werden können, doch: „Irgendein Unbekannter hat während des Tumults nichts Besseres zu tun gehabt, als aus dem hinter dem Rollstuhl meiner Oma hängenden Netz Wertgegenstände zu stehlen“, empört sich der Heimatfest-Besucher. Es fehlten zwei Pullis, Kamerazubehör und zwei Getränke. „Darüber habe ich mich wirklich sehr geärgert. Erst die Schrecksekunde, als der Moderator schrie: ,Weg, weg, weg!’ Danach war ich beschäftigt, den Rollstuhl zur Seite zu schieben und dann meine Hilfe anzubieten. Dass eine alte Frau, die sich nicht wehren kann, so ausgenutzt und bestohlen wird, ist sehr schade.“

Anzeige hat Florian B. nicht erstattet. „Ich wollte, dass meine Oma das Fest trotz dieses unliebsamen Zwischenfalls genießen kann.“ Das habe dann auch geklappt. „Das ganze Fest, das Programm und auch der Umzug waren wirklich wunderschön“, versichert der junge Mann. Für die Zukunft wünscht er sich jedoch, dass die Menschen in einer solchen Situation noch mehr zusammenhalten, sich gegenseitig helfen und nicht andere bestehlen.

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