Die neue Mobilität hinter dem Fahrrad

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 Einmal probesitzen bevor es losgeht: Thea Guggenmoser mit der Pflegerin Sabine Teubel.
Einmal probesitzen bevor es losgeht: Thea Guggenmoser mit der Pflegerin Sabine Teubel. (Foto: Von Elisabeth Koprivc)
Elisabeth Koprivc

Laupheim – Neugierige, teils auch etwas skeptische Blicke der Senioren, fallen auf die neue E-Bike-Rikscha, die das Hospital zum Heiligen Geist durch Spenden anschaffen konnte. Das schwarze Gefährt mit rotem Dach steht im Foyer des Seniorenzentrums und wartet auf die Einweihung.

Die Sonne kommt an diesem Donnerstag nicht hinter den Wolken hervor. Aber Stefanie Müller, Leiterin des Hospitals zum Heiligen Geist, strahlt an ihrer statt umso mehr. Sie begrüßt die Bewohner und alle Sponsoren, die es ermöglicht haben, den Senioren mehr Mobilität zu ermöglichen.Diakon Ulli Körner wünscht den Fahrenden und Strampelnden gute Begegnungen mit Menschen und bittet, dass alle jederzeit wieder gut nach Hause kommen mögen. Der Schutzpatron der Reisenden, der Hl. Christophorus, wird künftig auf jeder Fahrt mit dabei sein. Der Diakon segnet die Rikscha und bringt eine Plakette an: „Gott ist bei uns und beschützt uns.“

Kaum ist der offizielle Teil vorbei, testen Thea Guggenmoser mit der Pflegerin Sabine Teubel, wie bequem das Gefährt ist. Die Sitzfläche bleibt nicht lange leer. Schon haben Sonja Braig und die Pflegedienstleiterin Elisabeth Hess Platz genommen. Und Silvia Brehm möchte wissen, wie man so eine Rikscha fährt und chauffiert die beiden zum Ausgang.

Stefanie Müller ist richtig begeistert: „Die Senioren gehen gerne raus und möchten Laupheim erkunden. Mit dem Bus kommt man nicht überall hin.“ Ganz wichtig ist ihr, dass dadurch die Lebensqualität größer wird. Für die 92 Bewohner des Hospitals soll es ein Ort des Lebens sein, an dem sie sich wohl fühlen sollen.

Die Idee, die in Stefanie Müllers Kopf brodelte, wurde vor gut einem Jahr konkret, als die erste Spende über 1000 Euro durch die Adventskalenderaktion eintraf. Diese Aktion ist in Laupheim mittlerweile mit der Weihnachtszeit fest verbunden. Die Werbegemeinschaft „Treffpunkt Laupheim“ sponsert die Preise, die Schwäbische Zeitung sorgt für Öffentlichkeit und der Lions Club kümmert sich darum, dass die Spenden dort ankommen, wo Unterstützung nötig ist. Bei der letzten Aktion gab es nochmals die gleiche Summe dazu.

„Den Wind fühlen“

Die Leiterin des Hospitals kontaktierte Uwe Sproll, Inhaber vom s’Fahrrädle in Birkenhard, der Spezialräder unter anderem für den Reha-Bereich anbietet. Sie stieß bei ihm auf offene Ohren, weil auch bei ihm Rikschas bereits im Kopf „herumgeisterten“. Er machte sich auf die Suche und wurde in Dänemark fündig. Er hat gleich zwei Stück bestellt. Eines bleibt in seinem Laden und kann gemietet werden. Uwe Sproll hat die hohen Transportkosten übernommen. Die Rikschas wurden zusammengebaut geliefert. Dieses spezielle Fahrrad wiegt immerhin gut 60 kg. „Ich finde es wichtig, dass die Senioren den Wind fühlen und die Gerüche wahrnehmen, auch wenn es mal Gülle ist“, sagt Uwe Sproll und lacht. Mit dem vollgeladenen Akku könne man schon 30 bis 45 Kilometer weit kommen.

Und weil man sich in Laupheim kennt, waren in kurzer Zeit weitere Sponsoren gefunden, die sich an diesem Projekt beteiligt haben. Die Kabarett-Gruppe „Die Anstifter“ sind über den Lions Club darauf aufmerksam geworden. Die Volksbank Raiffeisenbank Laupheim Illertal eG hat gerne einen Anteil dazugegeben. Die „Aktion Glückspfennig“ des Flugzeugkabinenausstatters Diehl Aviation hat über den Diakon von der geplanten Anschaffung erfahren. Sie alle möchten die Senioren in ihrer Mobilität unterstützen.

Nach einer Wartezeit von drei Monaten war es am Donnerstag dann soweit und die gemeinsam finanzierte Rikscha wurde vorgeführt und eingeweiht. Die Sponsoren teilen ihre Freude mit Stefanie Müller.

Diakon Körner war schon öfter mit Senioren draußen unterwegs: „Ich habe immer gemerkt, dass es ihnen guttut.“ Er ist zuversichtlich, dass die Rikscha gut angenommen wird. „Ich habe schon gehört, dass jemand nach Burgrieden oder zum Tanzen möchte“, schmunzelt der Diakon. Er hilft Maria Denz auf die Rikscha-Bank und setzt sich auf das Fahrrad. Die beiden drehen eine kleine Runde vor dem Eingang. Nach ihrer Rückkehr ist die Seniorin ganz begeistert: „Das ist grandios!“

Und die erste Ausfahrt steht schon fest: Thea Guggenmoser möchte nach Äpfingen fahren, wo sie herkommt.

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