Die Laupheimer Heimatstunde bezieht Flüchtlinge mit ein

Lesedauer: 6 Min

Dass der Begriff „Heimat“ kein angestaubtes Wort ist, sondern ein sehr aktuelle bis existenzielle Seite hat, das verdeutlichte die Heimatstunde auf dem Laupheimer Kinder- und Heimatfest. Als einer der Höhepunkte im Veranstaltungsreigen richtete die heimatliche Stunde im Kulturhaus ihr Hauptaugenmerk naturgemäß auf das Stadtgeschehen und die Einwohner – aber Regine Roggenstein weitete als Gestalterin den Begriff Heimat im Carl Leammle-Jahr über die Stadtgrenzen aus. „Schwarz/Weiß“ lautete der Titel, unter dem sich das Programm um Kontraste wie Heimat und Entwurzelung drehte. Denn Carl Laemmle, so erläuterte der Moderator Fidelis Braig den rund 500 Besucher im vollen Saal, sei auch ein Entwurzelter gewesen, ein Laupheimer, der in den USA neue Wurzeln schlagen konnte, aber seine Geburtsstadt nie vergessen hat. Die vom Spielmannszug der Feuerwehr und von der Stadtkapelle musikalisch umrahmte Veranstaltung schlug einen Bogen von Laupheim in die Welt.

Getreu dem Titel „Schwarz/Weiß“ machte aber eine berührende Beamer-Schau mit historischen Fotos aus dem Archiv von Theo Miller zunächst das Laupheim vergangener Jahrzehnte lebendig. „Alt/Jung“, „Höhen/Tiefen“ oder „Arm/Reich“ zeigten die Ansichten „Freud und Leid“ der Menschen auf - in Straßenszenen, die es heute lange nicht mehr gibt. Er habe diese Bilder früher in Alben betrachtet, erzählte der Moderator Fidelis Braig, der die gesundheitlich verhinderte Regine Roggenstein vertrat, und er fragte sich, ob wohl Menschen kommender Generationen solche Bilder in Digital noch genau so betrachten würden.

Historie und Heimat zu bewahren, ist auch ein Anliegen der Heimatdichterin Hedi Wörz. Das wurde in ihrer Schilderung deutlich, wie ein Haus in der Rabenstraße zu einem Raben kam. Dort, so erklärte sie im Gespräch mit dem Moderator, war doch einmal das Gasthaus zum Raben gewesen – eine honoriges Lokal, das zeitweise zum Mittelpunkt der Laupheimer Gesellschaft geworden war. Der Rabe soll daran erinnern, „sonst weiß das bald keiner mehr.“ Sie schreibe ihre Gedichte heute ja am Computer, erklärte die „fast 90-jährige“ Hedi Wörz, nachdem sie die Geschichte ihres ersten Gedichts über ein Nudelrezept erzählt hatte. „Der Computer frisst alles, und man kann es wieder löschen.“

Einen Bogen vom Laupheimer Heimatfest in weniger glückliche Regionen schlug Oberbürgermeister Rainer Kapellen in seiner traditionellen Ansprache, als er an das Leid erinnerte, dass Menschen in aktuellen Kriegen erleiden müssen. Er nannte als Beispiel einen jungen Syrer aus Aleppo, der auf der Flucht vor dem Krieg vergangenes Jahr in Laupheim gelandet war und demnächst eine Ausbildungsstelle in der Stadtverwaltung beginnen werde. „Krieg und Vertreibung bekämen heute eine neue Bedeutung „für uns im verhältnismäßig sicheren Deutschland“, erklärte das Stadtoberhaupt. Und beim Heimatfest bedeute diese Erkenntnis, dass man „das Fest der Freude teilen“ sollte, sagte Kapellen. „Heimat“, das sei für ihn der Moment, „wenn ich in strahlende Gesichter sehe“, egal ob es die Gesichter von Kindern oder von alten Menschen sind, denen er einen Moment Freude bereiten konnte, sagte Kapellen. Bevor er allen Mitwirkenden und Beteiligten dankte, schloss er mit dem Gedanken: „Lassen Sie uns feiern – und die Heimat dabei nicht vergessen!“

Heimat, so leitete Moderator Braig zu einer besonderen musikalischen Einlage weiter, sollte auch Sicherheit bedeuten. Er stellte mit dem Sänger Seedy Njie einen 20-Jährigen aus Gambia vor, der „ein Entwurzelter wie Carl Leammle“ sei. Dieses Gefühl formulierte Seedy Njie zusammen mit Regine Roggenstein in einen Rap-Song: „Sicher sein“. Es wurde eine besondere Aufführung, denn Regine Roggenstein begleitete den Sänger via Video-Playback auf der Leinwand – und beide ernteten großen Beifall.

Lang anhaltenden Beifall bekamen auch die Mittel- und Oberstufen-Schüler des Carl-Laemmle-Gymnasiums für ihre Präsentation der Geschichte des großen Laupheimers. Mit wechselnden Sprechrollen zeigten sie Stationen seines Lebens und erinnerten daran, dass der Mitbegründer Hollywoods seinen großen Namen und sein Vermögen aufwandte, um Hunderte Juden vor den Nazis zu retten. Eine „Kleine Hommage an unseren Namensgeber“ nannten sie die Aufführung.

Bevor die Heimatstunde traditionell mit dem Heimatfestlied beschlossen wurde, erinnerte Moderator Fidelis Braig an ein Jubiläum, das in diesem Jahr ansteht: Der Spielmannszug der Frewilligen Feuerwehr Laupheim feiert 50-jähriges Bestehen, erklärten die Stabführerin Franziska Schwarz und das Mitglied Wilfried Förster. Letzterer kann zu dem Anlass auch ein eigenes Spielmanszug-Jubiläum feiern: Er spielt darin seit 50 Jahren die Lyra.

Ihr Kommentar wird nach einer kurzen Prüfung durch unsere Redaktion veröffentlicht.
Kommentare werden geladen
Mehr Themen