Die Geschwister Laupheimer bleiben unvergessen

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Gudrun Karstedt von der Ludwigsburger Stolperstein-Initiative und der Laupheimer Lokalhistoriker Christoph Schmid haben über die (Foto: privat)
Roland Ray

Mehr als 30 000 „Stolpersteine“ hat Gunter Demnig in Deutschland und im europäischen Ausland verlegt. Er erinnert an Menschen, die von den Nationalsozialisten ermordet wurden, indem er vor der letzten selbstgewählten Wohnadresse Gedenktafeln aus Messing ins Trottoir einlässt. „Ein Mensch ist erst vergessen, wenn sein Name vergessen ist“, sagt der in Köln lebende Künstler.

Vor wenigen Tagen hat Demnig zwölf neue Stolpersteine in Ludwigsburg verlegt. Vier von ihnen sind jüdischen Frauen gewidmet, die in Laupheim aufwuchsen: den Schwestern Regina, Frieda, Emma und Lina, Töchter des Metzgers Michael Laupheimer und seiner Frau Bertha aus der Kapellenstraße. Vor dem Ersten Weltkrieg versuchten sie, wie viele Einwohner aus jüdischen Landgemeinden, Arbeit in der Großstadt zu finden, und zogen nach Stuttgart.

1919 wird Emma Laupheimer (geboren 1874) Inhaberin eines Geschäfts für Aussteuerartikel, Damenstoffe und Kurzwaren am Ludwigsburger Holzmarkt. Regina (1868) arbeitet als Kontoristin und Verkäuferin mit. In der Wohnung über dem Laden lebt auch Frieda (1872), alle drei sind unverheiratet.

Im November 1938 müssen die Schwestern schließen; die Nazis drängen alle jüdischen Geschäftsleute aus ihren Betrieben. Ihrer Existenzgrundlage beraubt, kehren die Frauen nach Laupheim zurück. Regina Laupheimer wird ins jüdische Altersheim im ehemaligen Rabbinatsgebäude eingewiesen, Frieda und Emma ins Barackenlager in der Wendelinsgrube gepfercht, wo es weder Strom noch fließendes Wasser gibt.

Dort führt sie das Schicksal wieder mit ihrer Schwester Lina (geboren 1875) zusammen. Sie hat 1913 den Cannstatter Kaufmann Otto Richter geheiratet und ist ihm nach Hannover gefolgt. Verwitwet kommt sie 1938 nach Ludwigsburg und wohnt in der Leonberger Straße. Sie will nach Amerika auswandern, ein Container mit ihrer Habe steht im Oktober 1939 bereits im Hafen von Rotterdam. Doch im letzten Moment wird Lina im Zuge der „jüdischen Landumsiedlung“ aus Ludwigsburg ausgewiesen und der Stadt Laupheim zugeteilt.

Im August 1942 werden die vier Schwestern vom Westbahnhof aus ins Ghetto Theresienstadt deportiert. Dort kommt Lina Richter am 21. November 1943 um. Regina, Frieda und Emma Laupheimer werden am 26. September 1942 in Treblinka ermordet. Ihre Namen stehen auf der Gedenktafel am Eingang zum jüdischen Friedhof in Laupheim.

Gudrun Karstedt von der Ludwigsburger Stolperstein-Initiative hat die Biografien der Schwestern recherchiert und dabei auch bei Carolin Lüdke im hiesigen Stadtarchiv angeklopft. Lüdke knüpfte den Kontakt zu Christoph Schmid. Der Lehrer, Mitglied der Gesellschaft für Geschichte und Gedenken, hat am Gedenkbuch „Die jüdische Gemeinde Laupheim und ihre Zerstörung“ mitgearbeitet und auch einen Beitrag über die Laupheimer-Geschwister verfasst; er wohnt in ihrem Geburtshaus in der Kapellenstraße.

Karstedt und Schmid haben ihre Kenntnisse wechselseitig ergänzt. „Für mich war neu, dass drei der Laupheimer-Schwestern erfolgreich ein Geschäft in Ludwigsburg geführt haben“, sagt Schmid. Als Gunter Demnig jetzt die Stolpersteine für die Frauen verlegte, ist er nach Ludwigsburg gefahren. Gudrun Karstedt hat Rosen auf die stummen Zeugen wider das Vergessen gelegt.

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