Der Helm schützt das Beste: „Euer Gehirn“

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Extra-cool nur mit Schutzhelm: der Trial-Bike-Profi Daniel Rall.
Extra-cool nur mit Schutzhelm: der Trial-Bike-Profi Daniel Rall. (Foto: Volker Strohmaier)
Diana Hofmann

In der Rottumhalle ist was los. Kein regulärer Sportunterricht erwartet die Fünft- bis Siebtklässler der Friedrich-Adler-Realschule an diesem Donnerstag, sondern ein Zirkeltraining der besonderen Art: Die landesweite Fahrradhelm-Aktion „Schütze dein Bestes“ macht Station in Laupheim.

Ziel der seit 2012 laufenden Kampagne ist es, die Schülerinnen und Schüler für das Tragen eines Fahrradhelms zu begeistern. Initiiert wurde sie vom Ministerium für Inneres, Digitalisierung und Migration zusammen mit dem Gewinnsparverein der Volksbanken und Raiffeisenbanken in Baden-Württemberg, der Volksbank Raiffeisenbank Laupheim-Illertal sowie weiteren Partnern der landesweiten Verkehrssicherheitsaktion „Gib acht im Verkehr“.

An verschiedenen Stationen können die Schülerinnen und Schüler in Gruppen erfahren, warum es so wichtig ist, sein Bestes, also das Gehirn zu schützen, indem man einen Fahrradhelm trägt. Am Simulator zum Beispiel tritt man in echte Pedale und radelt durch eine virtuelle Stadt. Plötzlich auftretende Gefahren müssen erkannt und es muss schnell reagiert werden. Der Computer rechnet Reaktionszeit, Reaktionsweg und Anhalteweg aus. Das hat zum Beispiel dem zwölfjährigen Lorenz gut gefallen. Ebenso das Glücksrad: Darauf sind Fotos verschiedener Menschen mit Helm zu sehen – alles Profis: Radrennfahrer, Bergarbeiter, Taucher, Forstarbeiter und viele mehr. Beeindruckend ist auch der Stand, an dem mit einem Hammer auf eine Holzkugel geschlagen werden darf – einmal ohne Helm, einmal mit Helm. Ein Computer zeigt an, wie der Helm die Kraft des Aufpralls reduziert. Das Rote Kreuz erklärt Erste-Hilfe-Maßnahmen, ein Helmhersteller hat eine Auswahl schicker Helme für jeden Kopf dabei.

Einer, der die Jugendlichen mit seinem jugendlichen Charme und sportlichem Können einfängt, ist der Trial-Bike-Profi Daniel Rall. Er demonstriert, natürlich mit Helm auf dem Kopf, dass Helmtragen alles andere als uncool ist. Mit seinem Bike hüpft er vom Bock über den Kasten auf eine schräggestellte Bank, fährt über einen Schwebebalken und bremst abrupt: „Was, wenn jetzt meine Bremsen nicht in Ordnung wären, wenn meine Kette reißen würde?“ Besser ist es, einen Helm zu tragen, denn man weiß eben nie.

Dass das bisschen Styropor keineswegs nur Deko ist, zeigt er anhand eines rohen Eis, das er in einen Mini-Helm legt und fallen lässt. Die Schale bleibt heil, doch bei der Wiederholung ohne Helm nur in der Klarsicht-Tüte gibt es Spiegelei. „Das ist euer Hirn!“

Solche außerschulischen Aktionen seien wichtig, findet Anita Beck, die als Klassenlehrerin mit ihrer 6. Klasse hier ist. „Als Lehrer können wir – genauso wie als Eltern – viel sagen. Aber wenn so ein cooler Typ wie Daniel Rall das tut, hat das eine größere Wirkung.“ Ob er allerdings an den Einfluss der Peer-Group heranreicht, ist fraglich. „Der ist sehr groß“, sagt die Schulleiterin Petra Schänzle. Bis zur siebten Klasse würden die Kinder noch vermehrt Helm tragen, „ab der 7. Klasse wird‘s schwierig“.

„Setzt ihn auf!“

„Ihr habt Glück gehabt“, sagt Schänzle, als sie die nächste Klassenstufe begrüßt, „denn diese Veranstaltung findet nur drei bis vier Mal pro Jahr statt.“ Sie freue sich sehr, dass ihre Schule für diese Aktion ausgewählt wurde. „Das Beste, was ihr habt, ist nicht euer Handy, sondern euer Gehirn, denn das, was bei euch im Gehirn ist, macht euch als Person aus.“ Ähnlich argumentiert Manfred Burger, Leiter der Verkehrspolizeidirektion des Polizeipräsidiums Ulm. 2018 gab es 171 Fahrradunfälle in seinem Bereich, davon 116 mit leichten, 29 mit schweren Verletzungen und zwei mit tödlichem Ausgang. „Jeder Siebte hatte keinen Helm auf“, berichtet Burger. Und unter den Schwerverletzten seien etliche, die ihr Leben nie wieder so leben könnten, wie sie es sich erträumt hatten. „Ist es das nicht wert, eure Träume zu erhalten, indem ihr euren Helm aufsetzt? Also: Setzt ihn auf!“ lautet Burgers Schlussappell.

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