Der General rollt die Fahne ein

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Ein Akt von hoher symbolischer Bedeutung: Brigadegeneral Ernst Otto Berk rollt die Regimentsfahne ein, damit ist das mittlere Tr (Foto: Roland Ray)
Schwäbische Zeitung
Redaktionsleiter

Zackig hebt der Staffelkapitän die Hand zum militärischen Gruß und meldet seinem Vorgesetzten: mittleres Transporthubschrauberregiment 25 angetreten zum „Aufstellungsappell“. Kaum ist das Wort heraus, korrigiert er sich: „Außerdienststellungsappell“ muss es heißen, herrje! Etliche Kameraden scheint in diesem Moment ein dicker Kloß im Hals zu drücken. „Er hat gesagt, was man sich eigentlich wünschen würde“, flüstert einer. Ein Versprecher, der Seelenlagen spiegelt.

„Nun ist es so weit“, richtet Oberstleutnant Paul Altenhöfer, letzter Regimentsführer, das Wort an die Soldatinnen und Soldaten. Dem Verband, vor bald 42 Jahren gegründet, schlägt offiziell die letzte Stunde. Die Eingliederung in das Hubschraubergeschwader 64 der Luftwaffe, die den Laupheimer Flugplatz und den Transporthubschrauber CH-53 im Zuge der Bundeswehrreform übernommen hat, ist in vollem Gang. Noch halten sich die grauen Uniformen des Heeres und die blauen der Luftwaffe in der Kiesinger-Kaserne in etwa die Waage. Bis 30. Juni soll der Transfer abgeschlossen sein.

„Sie haben allen Grund, stolz zu sein auf das Geleistete“, versichert Altenhöfer seinen Leuten. Das Regiment habe sich im In- und Ausland hohes Ansehen erworben und – ob beim Löscheinsatz in Griechenland, bei der Erdbebenhilfe in Pakistan oder den Friedensmissionen im Irak, auf dem Balkan und in Afghanistan – Ehre für Deutschland eingelegt. Dabei habe der Verband jederzeit auf den Rückhalt der Bevölkerung im Landkreis Biberach bauen können.

„Lassen Sie uns das Verbindende, nicht das Trennende in den Vordergrund stellen“, appelliert Altenhöfer an die Angehörigen von Heer und Luftwaffe. 450 Köpfe zählt das aufzulösende Regiment derzeit noch. Viele wissen inzwischen, wie es für sie in Laupheim oder an einem anderen Standort weitergeht, andere sind Zeitsoldaten und scheiden aus. Einige Personalien indes gilt es vor dem Hintergrund der kleiner werdenden Bundeswehr nach wie vor zu klären. Diese Situation könne man nicht schönreden, räumt Altenhöfer ein, aber: „Wir kümmern uns.“

Die betroffenen Soldaten und ihre Familien sollen schnell Klarheit bekommen, verspricht auch Brigadegeneral Ernst Otto Berk von der Division Luftbewegliche Operationen. Er gesteht den Regimentsangehörigen Wehmut und einen Stich ins Herz zu: „Emotionen gehören zu unserem Beruf, genauso wie sachorientierte Nüchternheit. Zu beidem müssen wir fähig sein.“ Doch die Soldaten dürften auch stolz sein, auf ihren Verband sei in mehr als vier Jahrzehnten immer Verlass gewesen: „Sie waren zusammen mit dem Schwesterregiment in Rheine das Rückgrat der Transportflieger des deutschen Heeres.“ Nun könnten sie die bestmögliche Meldung machen: „Auftrag ausgeführt“.

Der Standort Laupheim bleibe erhalten, betont Berk. Den Afghanistaneinsatz führe seit 1. Januar das Hubschraubergeschwader 64 fort. Mit der erneut modernisierten CH-53 erhalte dieser Verband ein nicht mehr ganz junges, aber unverändert leistungsfähiges Waffensystem.

Die Abordnung mit der Regimentsfahne tritt vor. Der General rollt die schwarz-rot-goldene Fahne mit dem Band des Regiments zusammen und schiebt eine schwarze Schutzhülle darüber. Die Ulmer Heeresmusiker spielen die Nationalhymne. Eine Ära in Laupheim ist beendet.

Die Geschichte des Heeresfliegerregiments 25 behält einen Platz in der Kiesinger-Kaserne, im neu gestalteten Traditionsraum, der am Dienstag erstmals nach dem Umbau wieder öffnete. Das Kinderferienprogramm in Zusammenarbeit mit ortsansässigen Unternehmen soll es auch künftig geben. Und vielleicht, hoffen altgediente Laupheimer Soldaten, hat ja auch der Wegweiser Bestand, der seit dem vergangenen Jahr der Hauptverbindungsachse in der Kaserne einen Namen gibt: „Straße der Heeresflieger“.

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