Den Verkehr reduzieren und einbremsen

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Stark befahren, unübersichtlich: Die Kapellenstraße ist eine wichtige Verkehrsader.
Stark befahren, unübersichtlich: Die Kapellenstraße ist eine wichtige Verkehrsader. (Foto: Axel Pries)
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Seit April arbeitet das Aalener Fachbüro Brenner Bernard an einem Verkehrskonzept für Laupheim. Über ihre Erkenntnisse haben die Experten am Montag dem Gemeinderat berichtet und Ideen zur künftigen Gestaltung der Kapellenstraße präsentiert.

Laupheims Verkehrsnetz führe zwangsweise dazu, dass Auto über den Marktplatz und durch die Kapellenstraße rollen, sagte Ulrich Noßwitz von Brenner Bernard. Als wichtigen Ansatz, die Blechlawine von 10 000 Fahrzeugen pro Tag zu reduzieren, empfiehlt er ein Parkleitsystem. „Wesentlich sind dabei die Standorte der einzubindenden Parkplätze.“ Entlastung würden auch die – bereits geplante – Nordwesttangente, eine Südosttangente und ein vierter B 30-Anschluss im Bereich der Bahnhofstraße schaffen.

Die Funktion der Kapellenstraße als Kfz-Hauptzufahrt von Norden in die Innenstadt will der Fachplaner abschwächen. Minimale Verschwenkungen, optische Effekte durch unterschiedliche Beläge, „Kleinstplätze“, aufgewertete barrierefreie Bushaltestellen und Tempo 30 sollen die Autofahrer einbremsen. Bäume könnten die Rhythmisierung des Straßenraums unterstützen. Noßwitz rät dazu, neue Bäume zu pflanzen; von den alten seien „viel zu viele in schlechtem Zustand und verwachsen“.

Zwei Vorschläge, wie der Straßenraum in Fahrfläche, Parkstreifen, Gehweg und Schutzstreifen für Radfahrer eingeteilt werden könnte, haben die Planer am Montag präsentiert. Etliche Stadträte tendierten spontan zu der Variante, die sich mit Autostellplätzen linkerhand in Blickrichtung Leonhardskapelle begnügt. „Das schafft mehr Sicherheit für Radfahrer“, findet Karin Meyer-Barthold (FW). „Wir müssen weg von der Bevorzugung des Autos und die Verkehrsteilnehmer gleichrangig behandeln, wenn nicht sogar Passanten und Radlern den Vorrang geben.“

„Aus unserer Sicht ist es ein überzeugendes Konzept, aber nur unter der Voraussetzung, dass Tempo 30 gilt“, sagte Brigitte Schmidt (SPD); das müsse Schritt eins der Maßnahmen sein. Bei der heutigen Planung vermisse man die Fortführung der Radwege ab dem Gregorianum Richtung Marktplatz und retour. „Wo queren wir die Kapellenstraße und wie wird diese Querung gestaltet?“ Die Radweggestaltung Richtung Marktplatz kann sich Schmidt nur durch Freigabe des Gehwegs vorstellen.

Anja Reinalter (OL) bedauerte, „dass wir jetzt nur die Kapellenstraße in den Fokus nehmen“. Die Neugestaltung habe Auswirkungen auf alles andere; ob es da klug sei, mit einem Detail zu beginnen, ohne die Gesamtvision zu kennen? Worauf Ulrich Noßwitz erwiderte, es handele sich um eine vorgezogene Maßnahme „unter der Prämisse, dass wir eine Verkehrsberuhigung in der Innenstadt haben wollen und unnötigen Verkehr außen herum lenken wollen“. Einen Großteil dieses Verkehrs verursachten die Laupheimer selbst. Die Erfahrung lehre, dass radikale Lösungen den Verkehr massiv auf benachbarte Straßen verdrängen – „wir müssen deshalb verkehrslenkend wirken, um sukzessive etwas zu erreichen“. Ein Umgewöhnen sei allemal erforderlich. Dieser Prozess falle leichter, wenn der Straßenraum schön gestaltet sei.

Ein autofreier Bereich sei im Moment nicht angedacht, sagte OB Gerold Rechle. Man werde die Anregungen aufnehmen, die Entwürfe verfeinern und die Öffentlichkeit und den Arbeitskreis Lokale Agenda einbeziehen.

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