Dem „guten Ort“ nahe

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Umbau und Sanierung des Hauses Judenberg 24 kosten rund 330 000 Euro. (Foto: Roland Ray)
Roland Ray

Zwei Tafeln sind am Eingangsportal zum jüdischen Friedhof angebracht. „Bestelle dein Haus“, mahnen sie auf Deutsch und auf Hebräisch. Um das Gebäude daneben ranken Gerüste: Die Sanierung des ehemaligen Leichenhauses der israelitischen Gemeinde ist in vollem Gang. Im Erdgeschoss sollen Besuchergruppen künftig etwas über jüdische Bestattungsrituale erfahren, bevor die Friedhofsführung beginnt.

Einfach sei es nicht, das 1907 erbaute Haus auf Vordermann zu bringen, sagt Thomas Mayer vom städtischen Baudezernat – „das Denkmalamt macht viele Auflagen“. Und auch Unvorhergesehenes will gemeistert sein. So mussten mehrere morsche Balken ausgetauscht werden.

Inzwischen ist das Dach neu gedeckt, mit Biberschwanzziegeln, die in Form und Farbe den alten gleichen. Kupferne Dachrinnen sind angeschlossen, die mehrfach unterteilten Fensterrahmen gesetzt. Bald kommt der Außenputz drauf, dann der Anstrich. Bis zu den Schalomtagen im November soll die Gebäudehülle fertig sein.

Drinnen dauert es noch. Feinheiten werden sorgsam herausgearbeitet. Der Terrazzo-Boden ist frisch abgeschliffen und versiegelt; schmückende Mosaike wurden zum Teil restauriert. Der Abdruck eines Waschbeckens bleibt erhalten. Ins Haus gelangt man künftig wie früher durch ein breites zweiflügeliges Tor aus Holz. Nach dem Krieg war es zugemauert worden. „Das Tor ist uns wichtig, weil es die Funktion des Gebäudes sichtbar macht“, sagt der Museumsleiter Michael Niemetz. Die Särge mussten hinein und hinaus, dazu benötigten die Träger Platz.

Parterre waren die Leichenhalle, ein Zimmer für die rituelle Leichenwaschung und ein Aufenthaltsraum für die Wächter. Dieser Raum bekommt wieder einen Dielenboden. Das Erdgeschoss wird jetzt offen gestaltet, ohne Zwischenwände, mit einem Stahlträger und einer Säule in der Mitte, ein Zugeständnis an die Statik.

Nach der Eröffnung des Hauses, die für nächstes Jahr vorgesehen ist, können die Besucher eine Dokumentation anschauen, über das Bestattungswesen im Judentum und die Laupheimer Chewra Kadischa, eine Begräbnisbruderschaft, die sich um Leichenwaschung, Beerdigung und Hinterbliebene kümmerte. Das Haus der Geschichte Baden-Württemberg und das Museum zur Geschichte von Christen und Juden wollen den zehn- bis 15-minütigen Film gemeinsam produzieren.

Im Keller des Hauses Judenberg 24 baut die Stadt Toiletten ein. Die weitere Verwendung des oberen Stockwerks, in dem der Friedhofswärter wohnte, sei zur Stunde offen, sagt Thomas Mayer. Ebenso die Gestaltung des Platzes, der vor dem Gebäude entstehen und nach Ernst Schäll benannt werden soll. Der 2010 gestorbene Laupheimer Ehrenbürger hat mehr als 120 Grabsteine auf dem jüdischen Friedhof restauriert und maßgeblich dazu beigetragen, die jüdische Geschichte der Stadt vor dem Vergessen zu bewahren.

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