Dem Brunnenfest droht das Aus

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Zum Brunnenfest strömen Tausende von Besuchern in die Laupheimer Innenstadt.
Zum Brunnenfest strömen Tausende von Besuchern in die Laupheimer Innenstadt. (Foto: Archiv: Roland Ray)
Schwäbische Zeitung

„Fest der Vereine“ wird das Laupheimer Brunnenfest genannt, und es macht diesem Namen Ehre: Etwa 40 an der Zahl laden jedes Jahr am letzten Sonntag der Sommerferien mit einem vielfältigen Angebot von Speisen und Getränken zu ein paar vergnüglichen Stunden in die Innenstadt ein. Nun aber scheint die Zukunft des Fests gefährdet: Der Förderverein, der es organisiert und veranstaltet, sucht seit Monaten vergeblich ein neues Führungsduo. „Wenn wir niemanden finden, droht jetzt sehr unmittelbar die Auflösung des Vereins“, warnt der bisherige zweite Vorsitzende Wolf Beurer im SZ-Gespräch.

SZ: Herr Beurer, was ist los beim Brunnenfest-Förderverein?

Beurer: Wir hatten vergangene Woche Mitgliederversammlung und könnten eigentlich hochzufrieden sein: Das Brunnenfest 2017 war gut besucht und verlief reibungslos, der Kassenbericht weist erfreuliche Zahlen aus. Jedoch: Wir haben ein Problem. Unser langjähriger Vorsitzender Thomas Riedl steht für eine Wiederwahl nicht mehr zur Verfügung, weil er von Laupheim weggezogen ist. Das hat er auch in seinem Grußwort im September kundgetan. Ich werde nächstes Jahr 80 und möchte mich aus Altersgründen künftig auf das Amt des Schriftführers beschränken, aber nicht erneut als zweiter Vorsitzender kandidieren. Auch einen Kassierer und Beisitzer hätten wir, der Vorstand wäre insoweit komplett. Was fehlt, sind Frauen und Männer, die bereit sind, für den ersten und zweiten Vorsitz zu kandidieren – ein heutzutage verbreitetes Problem.

SZ: Alle Bemühungen, jemanden für diese ehrenamtlichen Posten zu gewinnen, sind erfolglos geblieben?

Beurer: Bisher ja. Wir haben eine ganze Reihe von Leuten angesprochen. Alle haben abgewunken, aus beruflichen oder familiären Gründen oder weil sie sich schon anderweitig engagieren und kein zusätzliches Amt übernehmen möchten. Auch ein eindringlicher Appell an unsere 38 Mitgliedsvereine, in ihren Reihen nach Kandidaten Ausschau zu halten, hat nicht gefruchtet.

SZ: Was hat das für die Mitgliederversammlung bedeutet?

Beurer: Mangels Kandidaten für die Vorstandsspitze konnten die auf der Tagesordnung stehenden Wahlen nicht stattfinden.

SZ: Wie geht es jetzt weiter?

Beurer: Wir berufen eine außerordentliche Mitgliederversammlung ein, auf den 27. Februar, 20 Uhr, im Restaurant „Rössle“. Wir starten an diesem Abend einen letzten Wahlversuch und hoffen, dass sich doch noch zwei Personen erweichen lassen und in die Bresche springen.

SZ: Was, wenn der Versuch misslingt?

Beurer: Dann müssen die Vertreter der Mitgliedsvereine darüber entscheiden, ob der Brunnenfest-Förderverein aufgelöst wird. Unsere Satzung gibt vor, dass dies nur mit einer Dreiviertelmehrheit der anwesenden stimmberechtigten Mitglieder beschlossen werden kann. Die Satzung schreibt aber keine Mindestteilnehmerzahl vor. Das heißt, die Versammlung ist auch dann beschlussfähig, wenn nur sehr wenige Mitgliedsvereine vertreten sind.

SZ: Würde die Auflösung des Fördervereins auch das Aus für das Brunnenfest bedeuten?

Beurer: Dazu können wir zum jetzigen Zeitpunkt keine Aussage treffen. Wir hoffen sehr, dass die Stadt, mit der eine enge Zusammenarbeit besteht, ein Interesse daran hat, das Brunnenfest zu erhalten, und dass sie nötigenfalls eine andere Lösung sucht, wie es weitergehen kann. Es wäre jammerschade, wenn das Brunnenfest, das nach unserer Überzeugung in besonderer Weise erhaltenswert ist, sang- und klanglos aus dem Laupheimer Terminkalender verschwinden würde.

SZ: Was ist das Besondere an diesem Fest?

Beurer: Die Konzeption. Vereine und Gruppen können hier notwendige Einnahmen erwirtschaften und sich einer breiten Öffentlichkeit präsentieren. Ihre Einnahmemöglichkeiten werden dadurch verbessert, dass keine gewerblichen Anbieter von Speisen und Getränken zugelassen sind und der Förderverein die Standplatzgebühren mithilfe von Spenden, Werbeeinnahmen und städtischen Zuschüssen niedrig halten kann. Das wiederum trägt zu moderaten, familienfreundlichen Preisen bei. Auch die Verwaltungs- und Organisationskosten sind niedrig – der Vorstand des Fördervereins arbeitet ehrenamtlich. Die Kombination mit dem Flohmarkt des Verkehrs- und Verschönerungsvereins lockt zusätzliche Besucher an. Dazu kommt noch der Termin, genau am Übergang von der Ferienzeit in eine Zeit, in der wieder die Pflichten rufen. Man trifft auf dem Brunnenfest Bekannte und erzählt einander von seinen Urlaubserlebnissen.

SZ: Was passiert, wenn sich am 27. Februar weder Vorsitzende finden noch ein Auflösungsbeschluss zustande kommt?

Beurer: Dann rechne ich damit, dass der Förderverein zunächst „ruht“. Es steht freilich zu befürchten, dass das Engagement dann ganz zum Erliegen kommt.

SZ: Ist eine kommissarische Leitung denkbar?

Beurer: Auch dazu ist aktuell niemand bereit.

SZ: Wie ist denn das Anforderungsprofil an einen ersten und zweiten Vorsitzenden?

Beurer: Spezielle Fachkenntnisse braucht es nicht, die Zahl der Sitzungen hält sich in Grenzen. Wir haben das Brunnenfest präzise durchorganisiert, mit einem Jahresterminplan, auf den sich jeder langfristig einstellen kann.

SZ: Wackelt bereits das Brunnenfest 2018?

Beurer: Ja, schon. Die ersten Anfragen für das Rahmenprogramm liegen vor, unter anderem von Musikern. Wir können sie nicht ewig hinhalten. Mit jeder Woche, die verstreicht, geraten wir mehr unter Zeitdruck.

Die Fragen stellte Roland Ray.

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