Damit das Lesen spannend bleibt

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„Es ist sehr wichtig, ein aktuelles Medienangebot zu haben“: Jutta Henrich (links) und Irmgard Melzer sichten regelmäßig Neuersc
„Es ist sehr wichtig, ein aktuelles Medienangebot zu haben“: Jutta Henrich (links) und Irmgard Melzer sichten regelmäßig Neuerscheinungen. (Foto: Christiane Huynh)
Christiane Huynh

Wenn man Vorurteilen Glauben schenkt, sterben in Zeiten des Internets und Smartphones die Bücher allmählich aus. Aber stimmt das? Die Stadtbibliothek Laupheim zeigt Zweiflern, dass sie mit der technischen Entwicklung mithalten kann. Die Leser- und Ausleihzahlen sind in den vergangenen Jahren stabil geblieben – verändert hat sich das Angebot.

Als die Stadtbibliothek 1976 eröffnet wurde, hatte sie 7000 Bücher – Romane, Kinder-, Jugend- und Sachbücher – sowie 20 Zeitungen und Zeitschriften. Heute sind elektronische Medien wie CDs, DVDs und Hörbücher nicht mehr wegzudenken. Seit 2013 bietet die Bücherei auch eine Online-Ausleihe im Verbund der „Onleihe Bodensee-Oberschwaben“ an. Die Bibliothekarinnen Irmgard Melzer und Jutta Henrich erzählen, wie sich die Bibliothek entwickelt hat.

„Dem Gemeinderat war es wichtig, dass besonders bei Kindern und Jugendlichen Leseförderung betrieben wird, und dass allen der Zugang offen steht“, sagt Irmgard Melzer. Die Bücherei fand ihren Platz im damals neu gebauten Rathaus und fungiert bis heute als Treffpunkt. Den unscheinbaren Nebeneingang verdankt sie dem Standort des Ratscafés und dem Zeitungsraum mit den Glasfenstern der Bibliothek, der unbedingt nach außen gerichtet sein sollte.

Von der Lochkarte zur EDV

Seither haben sich die Räumlichkeiten und das Aussehen kaum verändert. Das Mobiliar wurde mal erneuert oder die ein oder andere Wand neu gestrichen, jedoch kann man keinen wirklichen Unterschied zu damals sehen. Doch die Dienstleistungen der Bücherei haben sich erheblich erweitert. Im Zuge der technischen Entwicklung wurde 1995 vom Lochkartensystem auf ein EDV-gestütztes System umgestellt. Heutzutage wird alles mit dem Leseausweis eingescannt.

Wenn man etwas Bestimmtes suchte, blätterte man früher in dem von Hand geschriebenen Zettelkatalog nach Buchtitel, Autor und Standort. Das war eine mühsame Angelegenheit, wie sie nicht mehr denkbar ist mit dem 2003 eingeführtem OPAC-System, bei dem die Leser auch von zu Hause aus selbst den Online-Katalog durchsuchen und entliehene Medien verlängern können.

Doch nicht nur die technische Ausstattung veränderte sich, sondern auch der Bestand der Medien. Es blieb nicht bei Büchern und Zeitungen. 1978 hielten die ersten Tonkassetten mit Hörspielen Einzug, Anfang der 90er-Jahre CDs. Auch die CD-ROM schaffte es noch vor der Jahrtausendwende in die Stadtbibliothek, die DVD erst relativ spät im Jahr 2010.

Mutig aussortieren

„Es ist sehr wichtig, ein aktuelles Medienangebot zu haben. Wir müssen den Bestand ständig erneuern“, erklärt Irmgard Melzer. „Früher war ein Buch langlebiger. Aber heutzu-tage gibt es mehr Wellen.“ Jährlich werden etwa 2100 neue Medien angeschafft. Momentan steht das Genre „Science-Fiction“ in der Beliebtheitsskala ganz oben. „Man muss aber auch mutig aussortieren können“, wirft Jutta Henrich ein. Bücher, die nicht mehr nachgefragt oder nicht mehr aktuell sind, werden weggeworfen oder verkauft.

Bei der Entscheidung, welche Medien neu angeschafft werden, stützt sich das Büchereiteam auf Empfehlungen und Buchrezensionen des zentralen Lektoratsdienstes der Bibliotheken. Die verschiedenen Bereiche sind aufgeteilt und jeder Bibliothekar ist für etwas Anderes zuständig. Außerdem werden Leserwünsche berücksichtigt. „Wir prü- fen wohlwollend die Anfragen und schauen auch, ob sich mehrere Personen dasselbe wünschen“, erklärt Jutta Henrich. Die Neuanschaffungen werden mit dem bereits vorhandenen Bestand abgeglichen, bevor die endgültige Kaufentscheidung fällt. „Heutzutage können wir präziser bedarfsgerecht einkaufen als früher“, erzählt Irmgard Melzer. „Mithilfe von Statistiken können wir einsehen, wie stark ein Buch oder ein Genre ausgeliehen wird.“ Früher konnte man nur auf die Erfahrung zurückgreifen.

Die Jugend liest

Am beliebtesten sind die Kinder- und Jugendbücher, sie machen in Laup-heim 37 Prozent an der Gesamtausleihe aus. Das ist kein Wunder, da 58 Prozent der Nutzer Kinder und Jugendliche sind. „Um das Angebot attraktiv zu halten, muss man aktiv daran arbeiten“, sagt Irmgard Melzer. Es wird intensiv Kinder- und Jugendarbeit geleistet: Klassenführungen, Vorleseaktionen, Bilderbuchkino und anderes mehr. „Vor allem in den Sommerferien ist die Bibliothek stark besucht, und die Kinder decken sich mit Lesestoff ein“, sagt Melzer stolz. „Am besten gefällt mir der Samstag: Da ist Familientag, es kommen auch die Väter mit ihren Kindern und lesen ihnen vor.“

Mit 23 Prozent Anteil an der Gesamtausleihe folgen CDs und DVDs, die sowohl von Groß als auch von Klein ausgeliehen werden. „Wir sprechen alle Altersgruppen an“, betont Irmgard Melzer. Die Romane erreichen zwölf Prozent, im Verhältnis zu ihrer Anzahl werden sie aber am intensivsten ausgeliehen. Den kleinsten Anteil an der Gesamtausleihe haben bisher die seit 2013 im Verbund „Onleihe Bodensee-Oberschwaben“ angebotenen e-Medien.

Es gibt nach wie vor viele Leute, die lieber im Buch blättern als online zu lesen. „Aber wir können nicht alle Leser über einen Kamm scheren“, betont Irmgard Melzer. Die Onleihe wurde jedoch nicht erst auf Nachfrage zur Verfügung gestellt, sondern weil es den Bibliothekarinnen wichtig war, mit den technischen Entwicklungen Schritt zu halten. „Es ist uns nicht schwergefallen, es war uns ein Bedürfnis.“ Die Attraktivität der Onleihe steigt und lockt jährlich 150 neue Leser an. Sie ist praktisch, wenn man zum Beispiel in den Urlaub geht und nicht einen ganzen Stapel Bücher mitschleppen will. „Man erreicht neue Leser und gewinnt auch alte zurück“, sagt Irmgard Melzer.

Häufig verwaist ist inzwischen der Internetplatz. Früher standen die Menschen Schlange, um den Netzanschluss zu nutzen – die Zeit war auf 15 Minuten begrenzt. Längst nicht jeder Haushalt hatte damals einen Computer und alle wollten etwas von der neuen Technik haben. Heute ist das anders, das kostenlose WLAN und die Drucker in der Bücherei erfreuen sich aber einiger Beliebtheit.

Ein „Upgrade“ verdient

Was die Leser an der Stadtbibliothek vermissen, sind gemütliche Sessel in einer angenehmeren Atmosphäre, weiß Irmgard Melzer. Dies konnte bislang aufgrund der Raumnot nicht umgesetzt werden. Die Bücherei stellt 30 000 Medien zur Verfügung, in Räumlichkeiten, die für 15 000 konzipiert wurden. „Die Bibliothek ist viel zu beengt und braucht mehr Platz“, kritisiert Irmgard Melzer. „Sie sollte ansprechender und schöner gestaltet werden, sodass sie auch zum längeren Aufenthalt einlädt.“ „Die Bücherei hat ein Upgrade verdient“, findet Jutta Henrich.

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