Bund streicht Investitionen von rund 60 Millionen Euro

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Soll im September in Betrieb gehen: das neue Wirtschaftsgebäude der Kiesinger-Kaserne. (Foto: privat)
Schwäbische Zeitung
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Die Tafel am Kasernentor ist weg. Neun große Bauvorhaben auf dem Flugplatz Laupheim waren darauf dokumentiert, mit einem Investitionsvolumen von 124 Millionen Euro. Das Programm stammte aus dem Jahr 2010. Inzwischen ist es in Teilen überholt und um rund 60 Millionen geschrumpft. Das haben eine Anfrage des Biberacher SPD-Bundestagsabgeordneten Martin Gerster und Recherchen der Schwäbischen Zeitung ergeben.

Im März wurde das Heeresfliegerregiment 25 außer Dienst gestellt. Die Eingliederung in das Hubschraubergeschwader 64 der Luftwaffe, die den Laupheimer Flugplatz und den Transporthubschrauber CH-53 im Zuge der Bundeswehrreform übernommen hat, ist in vollem Gang. Das hat Gerster veranlasst, sich bei Verteidigungsminister Thomas de Maizière nach der baulichen Entwicklung zu erkundigen. Geantwortet hat der Parlamentarische Staatssekretär im Ministerium, Thomas Kossendey. Er schreibt: „Bedingt durch die Reduzierung der Waffensystemumfänge CH-53 und damit verbunden auch des Stationierungsauftrags am Standort Laupheim konnten einige geplante Baumaßnahmen noch im Vorfeld (…) zurückgezogen werden (…), da in der Zielstruktur hierfür kein entsprechender Bedarf mehr nachzuweisen war.“

Gestrichen sind nach Angaben des Laupheimer Kasernenkommandanten, Oberstleutnant Paul Altenhöfer, zwei Wartungshallen (veranschlagte Kosten: je 34 Millionen Euro) und eine Instandsetzungshalle (14 Millionen). Altenhöfer geht allerdings davon aus, dass eine der großen Hallen doch noch kommt, wenn auch in stark abgespeckter Form, als Abstellhalle für die Hubschrauber: „Die militärische Bedarfsfeststellung wird gerade geschrieben.“

Fertig sind das neue Flugausrüstungsgebäude (Kosten: 3,9 Millionen Euro) und eine Kfz-Instandsetzungshalle (4,2 Millionen). Und wie vorgesehen bekommt die Kiesinger-Kaserne ein modernes Wirtschaftsgebäude mit Truppenküche und Heimbereich für Mannschaften, Unteroffiziere und Offiziere (12 Millionen) – im September soll es in Betrieb gehen.

Laut Ministerium sind „zur Einnahme der Zielstruktur CH-53“ in Laupheim weitere Baumaßnahmen für etwa 51 Millionen Euro erforderlich. Sie wären „zu überwiegenden Teilen auch in der alten Struktur notwendig gewesen“. Dazu zählen moderne Unterkünfte und Investitionen in den Bereichen Betriebsstoffversorgung und Sonderfahrzeuge. In den 51 Millionen seien ferner die bereits 2010 vorgesehenen Elektronik- und Avionik-Werkstätten und ein Anbau an das Sanitätszentrum enthalten, verdeutlicht Paul Altenhöfer, ebenso wohl bereits die abgespeckte Hubschrauberhalle.

Unterm Strich investiert der Bund rund 60 Millionen Euro weniger als ursprünglich geplant. Damit gehen auch Baufirmen und Handwerkern aus der Region Aufträge verloren.

Die Soldaten in Laupheim könnten mit dem reduzierten Bauprogramm gut leben, sagt Altenhöfer. Die Luftwaffe verfolge ein anderes Wartungskonzept als bisher das Heer. Teile der Instandsetzung der CH-53 werden an ein neu aufgebautes Zentrum der Luftwaffe in Diepholz verlagert, das in fernerer Zukunft nach Holzdorf-Schönewalde, an den zweiten Sitz des Hubschraubergeschwaders 64 verlegt werden soll.

In seiner Anfrage hatte Martin Gerster auch um Angaben zur personellen Entwicklung am Standort Laupheim gebeten. Laut Ministerium wurde der weitaus größte Teil der Dienstposten des neu aufgestellten Hubschraubergeschwaders durch die Übernahme von Heerespersonal in die Luftwaffe besetzt. Bei den Piloten betrage die Quote 85, bei Unteroffizieren 73 Prozent. Insgesamt seien bisher 972 Heeressoldaten übernommen worden und „mit wenigen Ausnahmen“ das zivile Personal am Standort Laupheim. Aktuell arbeiten in der Kiesinger-Kaserne mehr als 1200 Soldaten und 150 Zivilisten.

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