Kritik an Pflegeheimschließung: Bewohner werden kurz vor Weihnachten vor die Tür gesetzt

 Im Zentrum für Älterenmedizin ist auch das Pflegeheim St. Elisabeth Laupheim untergebracht. Beide Einrichtungen schließen zum J
Im Zentrum für Älterenmedizin ist auch das Pflegeheim St. Elisabeth Laupheim untergebracht. Beide Einrichtungen schließen zum Jahresende. (Foto: Frederic Schenkel)
Redakteur

Die Folgen der für das Jahresende vorgesehenen Schließung des Zentrums für Älterenmedizin in Laupheim sind noch nicht absehbar. Kritiker sehen die Gesundheitsvorsorge am Scheideweg. Vor allem für ältere Menschen könnte sich die Situation verschlechtern. Eine unmittelbare Folge: Auch das Pflegeheim St. Elisabeth Laupheim, das eigentlich erst nach Fertigstellung des Pflegeheims der Iller-Senio auf dem Gelände des Dreifaltigkeitskloster Ende 2023 schließen wollte, macht nun zum Jahresende dicht und begründet dies mit der Entscheidung der Sana-Kliniken. Im Gespräch kritisiert Bewohnerfürsprecher Rudolf Hartmann den rücksichtslosen Umgang mit den Pflegeheimbewohnern und dem Personal.

 Nach der Entscheidung das Pflegeheim St. Elisabeth zum Jahresende zu schließen, kritisiert Rudolf Hartmann den Umgang mit den P
Nach der Entscheidung das Pflegeheim St. Elisabeth zum Jahresende zu schließen, kritisiert Rudolf Hartmann den Umgang mit den Pflegeheimbewohner. (Foto: Privat)

Herr Hartmann, wie bewerten Sie die Entscheidung der St.-Elisabeth-Stiftung, das Pflegeheim Laupheim zum Jahresende zu schließen?

Hartmann: Wir haben damit nicht gerechnet. Denn wir sind davon ausgegangen, dass das Pflegeheim bis zur Eröffnung der Iller-Senio Ende 2023 fortbesteht. Lange ruhten die Hoffnungen auf der St.-Elisabeth-Stiftung, die von sich in ihrem Leitbild sagt: „Wir sind da und helfen, wenn Menschen uns brauchen“. Doch die Bewohnerschaft fühlt sich zweifach im Stich gelassen, letztes Jahr mit dem Ausstieg aus dem Pflegeheimneubau und dieses Jahr mit der geplanten Schließung zum Jahresende. Die Absprache sah vor, dass erst mit Eröffnung der Iller-Senio die Bewohner umziehen müssen. Das galt bis unmittelbar vor der Bekanntgabe der Schließung Anfang November. Von heute auf morgen war das mit der Entscheidung der Sana-Kliniken obsolet. Die Bewohner haben eine Kündigung zum 31. Dezember bekommen.

Was bedeutet die Entscheidung für die Bewohner des Pflegeheims Laupheim konkret?

Die Pflegeheimbewohner wurden von der Entscheidung nicht nur überrascht, sondern tief getroffen und stark emotional bewegt. Sie müssen bis Jahresende ihre Zimmer räumen und schauen, dass sie woanders unterkommen. Doch einen Pflegeplatz zu finden, ist schwierig. In Laupheim gibt es nur noch das Seniorenzentrum „Hospital zum Heiligen Geist“ und das ASB-Seniorenzentrum „An der Rottum“. Aber nur im Ersten gibt es überhaupt noch freie Plätze. Das Einzige, was noch etwas hilft: Die St. Elisabeth möchte die Bewohner in eigenen Heimen unterbringen. Die nächstgelegenen Häuser der Stiftung sind in Ehingen, Ochsenhausen und Schemmerhofen. Da wird versucht, primär den Bewohnern aus Laupheim Plätze zur Verfügung zu stellen. Aber für ältere Menschen ist Umziehen in der Regel schwierig, weil viele dement sind. Jetzt müssen sie sich neu orientieren. Außerdem: Je weiter die Angehörigen weg wohnen, desto weniger Besuch bekommen die Bewohner.

Hat sich die Pflegeheimschließung zum Jahresende aus Ihrer Sicht abgezeichnet, was waren die Gründe und hätte die frühere Schließung noch vermieden werden können?

Das Problem war, dass das Pflegeheim Ende 2023 schließen sollte. Deshalb war es schwer, noch Personal zu rekrutieren. Es wollte keiner mehr dort arbeiten. So mussten Zeitarbeitskräfte angeworben werden, aber die kosten etwa das Dreifache als festangestellte Pflegekräfte. Man hätte aber erwarten können, dass die Sana ihre Partner vor einer Entscheidung ins Boot holt. „Wir stehen im verlässlichen Dialog mit anderen regional Verantwortlichen und entwickeln mit ihnen gemeinsam die Gesundheitslandschaft“ heißt es im Leitbild der Sana-Kliniken AG.

Analysiert man die Entscheidungen der Sana in den letzten Jahren und aktuell, so komme ich zu dem ernüchternden Ergebnis, dass die wichtigsten Partner wie der Kreisrat Biberach, der Stadtrat Laupheim, die St.-Elisabeth-Stiftung und sonstige Partner der Mitbestimmungsorgane der Bewohner und Mitarbeiter bei wesentlichen Entscheidungsprozessen völlig ignoriert wurden. Das Grundproblem ist, es spielen nur finanzielle Faktoren eine Rolle. Soziale Faktoren spielen keine Rolle! Den Leuten wird kurz vor Weihnachten die Pistole auf die Brust gesetzt.

Wurden im Umgang mit den Sana-Kliniken Fehler gemacht; wenn ja, welche?

Der politischen Seite muss ich zum Vorwurf machen, dass sich niemand erkennbar dagegengestellt hat, weder Stadt- noch Kreisrat. Da wird sich rausgeredet, man sei nicht für die Gesundheitsvorsorge zuständig. Wozu gibt es dann beim Kreisrat einen Sozial- und Gesundheitsausschuss? Der Kreis ist mit 25 Prozent an der Sana beteiligt. Das bedeutet für mich, dass es doch eine Sperrminorität geben müsste. Der Kardinalfehler war allerdings, die Gesundheitsvorsorge völlig aus der Hand zugegeben. Andere Kreise haben das damals besser gemacht und können Wichtiges mitentscheiden. Wenn es also in anderen Kommunen geht, warum nicht in Biberach oder Laupheim?

Welche Hoffnungen und Wünsche haben Sie für die künftige Gestaltung der Gesundheitspolitik im Landkreis?

Ich hoffe, dass der Kreis sich besinnt. Möglicherweise sich eigene Kapazitäten schafft, bei denen er bestimmt, wo es lang geht. Für Laupheim gab es Konzepte, aber immer unter der Federführung von Sana. Umgesetzt wurde nichts. Die Frage, die sich mir stellt: Hätte das Zentrum für Älterenmedizin unter deren Führung sein müssen? Mein Eindruck ist, dass man sich immer hinter der Sana versteckt hat. Dabei war doch völlig klar, dass hier andere Interessen bestehen als bei einer Kommune.

Jetzt zahlt der Kreis nur noch und zu sagen hat er nichts mehr. Wir müssen jetzt in Laupheim noch einmal über das Konzept Zentrum für Älterenmedizin unter kommunaler Leitung, mit einer Geriatrie, einer Tagespflege und einem Pflegeheim, das ans Ärztezentrum gekoppelt ist, diskutieren. Das wäre eine gute Lösung und würde auch helfen, das Problem des Übergangs von einem Krankenhausaufenthalt in eine Pflegesituation zu reduzieren.

Was ist Ihnen nach Ihrer langjährigen ehrenamtlichen Tätigkeit noch wichtig?

Als langjähriger Bewohnerfürsprecher und Vorsitzender des Fördervereins „Spätes Glück“ bleibt mir nur, mich beim Pflegeheimpersonal für die sehr gute Zusammenarbeit zu bedanken. Ich kann nur den Hut ziehen vor dessen unermüdlichem Einsatz, der liebevollen Pflege und Betreuung sowie der Geduld und Zuverlässigkeit bei all den vielen administrativen Auflagen der letzten Jahre. Diese Verlässlichkeit und einen wertschätzenden Dialog hätte ich mir auch bei allen für die Gesundheitsversorgung Verantwortlichen gewünscht.

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