Berlin-Mission mit Baby-Pause

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Zurück in Laupheim: der 2012 ausgemustere Planetariumsprojektor.
Zurück in Laupheim: der 2012 ausgemustere Planetariumsprojektor. (Foto: Barbara Braig)
Schwäbische Zeitung
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Er ist zurück! 21 Monate dauerte die Berlin-Mission des 2012 im Laup-heimer Planetarium ausgemusterten Sternenprojektors, jetzt steht er wieder am gewohnten Platz in der Kundenhalle der Kreissparkasse.

Vom Altenteil zu neuen Sternstunden – genau das war dem Projektor, der 22 Jahre die Planetariumskuppel illuminierte, ehe er durch einen digitalen Kollegen ersetzt wurde, vergönnt. Am Deutschen Theater Berlin war er wichtige Requisite, wirkte im Juni 2016 mit bei der Uraufführung des Schauspiels „Gespräch wegen der Kürbisse“ von Jakob Nolte.

Der Autor zeichnet in dem Stück die Miniatur einer neurotischen Gesellschaft. Zwei Freundinnen, mitten in einer Lebenskrise, treffen sich auf einen Kaffee. Schon bald kippt die Unterhaltung in einen absurd-grotesken Schlagabtausch. Die „metaphysische Dimension des Gesprächs“, so der Dramaturg Ulrich Beck, sollte durch den Projektor betont und sichtbar gemacht werden. Auf einer kreisrunden Bühne, die sich fast unentwegt drehte, zog er planetengleich seine Bahn und projizierte den Sternhimmel in den Raum, selbstredend mit den korrekten Positionen der Gestirne.

Auf zwölf ausverkaufte Vorstellungen hat es der Projektor in der Bundeshauptstadt gebracht. Nur zwölf? Das habe zum Teil wirtschaftliche Gründe, erklärt Ulrich Beck. Wegen des speziellen Bühnenbilds und der „relativ kleinen Zielgruppe“ beim Theaterpublikum wurde das Stück auf der Hinterbühne gezeigt, wenn die Blockbuster pausierten.

Apropos: Eine längere Warteschleife kam noch dazu. Maren Eggert, eine der beiden Schauspielerinnen, gebar ein Kind und trat deshalb geraume Zeit nicht auf. Was auch dem Projektor eine Baby-Pause bescherte. Seit Oktober 2017 stand das „Gespräch wegen der Kürbisse“ dann wieder auf dem Spielplan; ein paar Mal noch durfte die Leihgabe aus Oberschwaben die Glühlampen anwerfen. „Sie hat geglänzt in ihrer Rolle“, lobt der Dramaturg. Und ist vor Ostern nun aus der Berliner Umlaufbahn ausgeschert. Der Wiedereintritt in die Laupheim-Atmosphäre verlief ohne Komplikationen.

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