Belebende Unruhe auf dem Markt

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Kai Schlichtermann

Samstagmorgen, 9.15 Uhr auf dem Laupheimer Marktplatz: Still spazieren Einkäufer an den Marktständen vorbei, als plötzlich junge Menschen in grünen T-Shirts auftauchen. Einer von ihnen, Dominik Kyas, zückt seine Trompete, stellt sich unter den Maibaum und spielt die „Ode an die Freude“ aus Ludwig van Beethovens 9. Sinfonie.

Die Menschen blicken überrascht auf, eine Verkäuferin am Stand beschwert sich über den Lärm. Derweil huschen die anderen jungen Aktivisten zu den Menschen und halten Plakate in die Höhe, auf denen Begriffe in großen Buchstaben stehen: „Meinungsfreiheit“, „Demokratie“, „70 Jahre Grundgesetz“. Andere laufen mit einer selbst gebastelteten Wahlurne umher und verteilen kleine Wahlzettel mit Fragen wie: „Was halten Sie von Meinungsfreiheit?“ Sie fordern die Laupheimer auf, zur Europa- und Kommunalwahl zu gehen und diskutieren darüber, wie wichtig die demokratischen Grundrechte sind.

Urheber dieser Spontanaktion mit rund 20 jungen Menschen war die 72-Stunden-Aktion des Bunds der Deutschen Katholischen Jugend (BDKJ) in Laupheim. Die Aktionsgruppe „Minis Laupheim“ sollte gemäß den Vorgaben des BDKJ mit Blick auf die Europa- und Kommunalwahl einen Aufruf zur Wahl organisieren sowie die Themen Demokratie unter das Volk bringen. Daher organisierten sie einen sogenannten „Flashmob“, einen Aufruf via soziale Medien zu einer Versammlung zu einer bestimmten Zeit an einem zuvor definierten Ort.

Johannes Mokosch, Koordinator des Projekts, sagte der „Schwäbischen Zeitung“: „Wir sind zufrieden, wie die Aktion abgelaufen ist. Aber es gab Vorbehalte im Rathaus angesichts unseres Flashmobs.“ Das Projekt der katholischen Jugend habe erst mit dem Ordnungsamt sprechen müssen, bevor die Aktion hätte beginnen dürfen. „Sie sagten uns, es dürften nicht viele Leute an der Versammlung teilnehmen, nur unsere Gruppe.“ Außerdem solle das Marktgeschehen nicht gestört werden. Diese Vorgaben fand ich nicht so toll, denn wir haben ja nicht protestiert, sondern haben überparteilich für die Werte unser Demokratie geworben“, sagt Johannes Mokosch. Und das wäre natürlich wirkungsvoller, wenn möglichst viele junge Leute auf dem Markt erschienen wären. So hatten es die „Minis Laupheim“ auch anfangs geplant.

„Akzeptables Miteinander“

Die Leiterin des Amts für öffentliche Ordnung der Stadt Laupheim, Dorothee Jerg, sagte der „Schwäbischen Zeitung“: „Wir haben die Aktion grundsätzlich begrüßt und gesagt, der Flashmob könne rund fünf Minuten lang stattfinden.“ Nach einer Besprechung mit den Verantwortlichen der 72-Stundenaktion am Freitag habe sie klar gemacht, es gebe eine Marktsatzung, und die Händler vor dem Rathaus wollten ungestört ihre Waren verkaufen. Ein akzeptables Miteinander sei so gewährleistet gewesen.

„Ich finde es gut, wenn die Jugend für unsere Grundrechte auf die Straße geht“, meint Martin Pischzan, Standbesitzer auf dem Samstagsmarkt. Der Händler für mediterrane Produkte fühlt sich dadurch nicht gestört. „Die Jungen leben noch länger auf dieser Welt als wir, deshalb ist so ein Aktion gerechtfertigt.“

Allerdings war die kleine soziale Bewegung genauso blitzartig beendet, wie sie begann. Immer weniger grüne T-Shirts waren nach 10 Uhr zu sehen. Was blieb, waren die Stände und Mitarbeiter der etablierten Parteien, die bis zum Marktende für ihre politischen Programme warben.

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