Begegnungstag steht ganz unter dem Motto „Weniger ist mehr“

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 Schuldekanin Renate Dietrich erinnerte in ihrem Vortrag an Zeiten, in denen Verzicht normal war, und forderte zum Umdenken auf.
Schuldekanin Renate Dietrich erinnerte in ihrem Vortrag an Zeiten, in denen Verzicht normal war, und forderte zum Umdenken auf. (Foto: Sonja Niederer)
Sonja Niederer

Gut besucht ist der „Begegnungstag für Frauen in Stadt und Land“ am vergangenen Mittwoch im Katholischen Gemeindehaus gewesen.

Das diesjährige Motto lautete: „Weniger ist mehr.“ Einen Vortrag hielt die Schuldekanin Renate Dietrich, aber auch die anderen Redner nahmen zu diesem Thema Bezug.

Wie etwa Brigitte Angele, die Vorsitzende des Katholischen Frauenbunds Laupheim, welche die Veranstaltung leitete. So antworte man bei der Frage der Verkäuferin in der Metzgerei, „Darf es ein bisschen mehr sein“, oft schon spontan mit „Ja“ und nicht mit „Nein“.

Verzicht auch für Klimaschutz

Gerade zum neuen Jahr nähmen sich einige Menschen vor, zu fasten, weniger zu konsumieren und weniger zu verbrauchen, sagte Oberbürgermeister Gerold Rechle. Das betreffe mittlerweile nicht nur Genussmittel, sondern auch den Bereich Klimaschutz – zum Beispiel dadurch, weniger Auto zu fahren oder weniger zu fliegen.

Doch es gebe genauso eine andere Form des Verzichtes, der einem selbst und dem direkten Umfeld zu Gute komme. „So würden sowohl dem Einzelnen als auch der Gesellschaft weniger Egoismus, weniger Ellenbogen und weniger Konkurrenzdenken gut tun“, so Rechle. In diesem Zusammenhang sei allerdings nicht immer weniger mehr, viel öfter brauche es im sozialen Miteinander mehr. „Das heutige Zusammenkommen und der daraus entstehende Austausch sind der beste Beleg dafür, was richtig Gutes dabei herauskommen kann, wenn mehr ,wir’ und weniger ,ich’ gelebt wird“, sagte der OB.

„Weniger ist mehr, was ist das eigentlich für ein Thema?“ Diese Frage stellte Renate Dietrich in den Raum. Die Nachkriegsgeneration, die von allem zu wenig hatte, hätte diesen Satz als absoluten Blödsinn empfunden, meinte sie. Genügend Lebensmittel, Kleidung und ein Dach über dem Kopf zu haben, sei vielen wie ein Wunder erschienen. Erst in der Wirtschaftswunderzeit sei das Bedürfnis aufgekommen, mehr haben zu wollen, als man braucht, wenn nicht sogar gierig zu sein.

Umdenken und anders handeln

„Man kann in allen Bereichen gierig sein“, so Dietrich. Der positive Effekt dabei sei der Wille etwas zu erreichen und zu schaffen, aber die Gier könne auch ins Negative umschlagen. „Ein Zuviel von was auch immer tut den Menschen, der Gesellschaft und unserer Schöpfung nicht gut, “ so Dietrich. „ Wir müssen umdenken und anders handeln.“

Auch Jesus habe in einigen seiner Aussagen darauf hingewiesen, so Renate Dietrich, wie etwa: „Selig die arm sind vor Gott, denn diesen gehört das Himmelreich,“ oder „Es ist leichter, dass ein Kamel durchs Nadelöhr geht, als dass ein Reicher in den Himmel kommt.“

„Was du Gutes von einem Menschen erwartest, das tue ihm bevor,“ riet sie. Auch die Regeln des heiligen Benedikt „Halte in allem Maß“ können als Lösungsmodell für die heutigen Probleme gelten, so Dietrich. „Halten sie ein gutes Maß in allen Bereichen, auch im Urteil über andere.“

Rita Braunger sagt „Ade“

26 Mal wurde der „ Begegnungstag für Frauen in Stadt und Land“ schon von Rita Braunger (im Bild links) organisiert und geleitet. Auf eigenen Wunsch hat sie diese Aufgabe nun abgegeben. Brigitte Angele nutzte den Rahmen der Veranstaltung, um Rita Braunger für ihren langjährigen Einsatz zu danken und zitierte dabei ein Gedicht von Wilhelm Busch. „ Liebe Rita, nichts wurde dir zu viel in den vergangenen Jahren. Der Begegnungstag war dein Kind und trägt deine Handschrift“, sagte Brigitte Angele. „Wir danken dir für 26 harmonische und schöne Begegnungstage.“

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