Baustetterin beklagt schlechte Verbindung nach Biberach

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Baustetterin beklagt schlechte Verbindung nach Biberach
Baustetterin beklagt schlechte Verbindung nach Biberach (Foto: Felix Kästle)
Schwäbische Zeitung

Eine „mehr als unerfreuliche Situation“ im Schüler-Nahverkehr zwischen Baustetten und Biberach beklagt Christine Brenner aus Baustetten. Ihre in der Kreisstadt zur Schule gehenden Töchter leiden unter Zugausfällen und einer grundsätzlich schlechten Anbindung, vor allem wenn sie erst zur zweiten Stunde Unterricht oder eine Stunde früher Schluss haben. Letzteres sei nicht optimal, aber zumutbar, heißt es dazu aus dem Biberacher Landratsamt. Verantwortlich für Unzuverlässigkeiten seien Probleme auf der Schiene.

Christine Brenners Töchter besuchen die achte und zwölfte Klasse des Pestalozzi-Gymnasiums in Biberach. Die kürzeste und damit günstigste, weil bezuschusste Verbindung führt von Baustetten mit dem Bus nach Schemmerberg und von dort mit dem Zug nach Biberach. Die Strecke führt im Tarifsystem über zwei Waben, Brenners würde das im Monat 35 Euro für die jüngere und 45 Euro für die ältere Tochter kosten. Weil der morgendliche Zug aus Laupheim oft schon überfüllt in Schemmerberg ankommt, können die Schüler dort oft gar nicht zusteigen und müssen an der nicht überdachten Haltestelle auf den nächsten Zug warten, womit sie zu spät zur Schule kommen. Auch auf dem Rückweg am Mittag seien die Waggons häufig überfüllt oder entfallen mitunter komplett, klagt Christine Brenner.

20 Euro mehr im Monat

Aus diesem Grund haben sie sich entschieden, ihre Töchter morgens über den Laupheimer Stadtbahnhof (ZOB) fahren zu lassen, weil dort der Zug noch nicht überfüllt ankomme. Da diese Strecke von Baustetten aus aber über drei Tarifwaben führt, kostet das monatlich zehn Euro mehr pro Kind, was die Brenners notgedrungen in Kauf nehmen. Zumal auch die Rückfahrt über Laupheim-Stadt in der Regel besser funktioniere als mit dem Bus von Schemmerberg nach Baustetten. Haben die Töchter zum Beispiel eine Stunde früher Schluss, können sie über Laup-heim-Stadt heimfahren, einen Bus ab Schemmerberg gibt es nicht. „Und mit der Zwei-Waben-Karte dürften sie nicht über Laupheim fahren, weil das Ticket erst ab 13.15 Uhr im gesamten DING-Gebiet gilt“, erklärt Christine Brenner.

Fair sei diese Preisgestaltung nicht. Kinder aus Laupheim bezahlen für die Verbindung über den ZOB, weil diese vom Stadtgebiet aus nur zwei Tarifwaben durchquert, zehn Euro monatlich weniger. „Nur weil wir in Baustetten knapp über der Wabengrenze wohnen, bezahlen wir mehr“, klagt Brenner.

Kein Bus zur zweiten Stunde

Unbefriedigend sei außerdem, dass die Töchter morgens, wenn sie erst zur zweiten Schulstunde Unterricht haben, keine passende Busverbindung zum Bahnhof nach Laupheim oder Schemmerberg existiert. Sie müssten also auch an diesen Tagen so früh los wie zur ersten Stunde – es sei denn, Christine Brenner fährt die Beiden mit dem Auto zum ZOB. Sie macht das immer wieder, weil sie es sich und den Töchtern auch mal gönnen will, ein wenig länger zu schlafen. „Viele Mütter aus Baustetten sieht man um diese Zeit mit dem Auto am ZOB“, sagt sie. Sie habe die Probleme auch schon Ministerpräsident Kretschmann in einem Brief geschildert – vergeblich. Und bei der Stadt Laupheim habe man sie an das Landratsamt verwiesen. Auch dort habe sie keine befriedigende Antwort erhalten.

„Suboptimal“, aber „zumutbar“

Peter Hirsch, Leiter des Kreisverkehrsamt, nahm gegenüber der SZ zu der Problematik Stellung. „Es ist richtig, dass das Angebot für Familie Brenner nur suboptimal ist“, räumt er ein. Allerdings seien die Verbindungen zumutbar, zumal auch bis zu 45-minütige Wartezeiten laut Schülerbeförderungssatzung als zumutbar gälten. Ein Anspruch auf Beförderung zur zweiten Schulstunde bestehe nicht. „Es gab seitens der Eltern bisher auch keine echten Klagen.“

Hirsch verweist auch auf die Tatsache, dass die Töchter ein Gymnasium in Biberach besuchen, obwohl es eines in Laupheim gibt. Bis vor ein paar Jahren seien die Schulwegkosten nur bis zur nächstgelegenen Schule gefördert worden, ehe der Landkreis Biberach seine Satzung der freien Schulwahl angepasst habe. „Viele andere Schulwegkostenträger haben die alte Regelung noch, um Mehrkosten zu vermeiden.“

Als Aufgabenträger für den Öffentlichen Personennahverkehr (ÖPNV) definiere der Landkreis die Anforderungen für eine ausreichende Bedienung der Bevölkerung im Nahverkehrsplan. Hirsch schreibt: „Die Linien 226 und 229 (nach Baustetten, die Red.) sind Nebenverbindungen. Laut neuem Nahverkehrsplan werden in der Hauptverkehrszeit zwischen 6 und 9 Uhr vier Verbindungen gefordert. Dieses bedeutet, dass es bei der nächsten Ausschreibung (ab 1. Juli 2025) zu einer Verbesserung kommen sollte. Dauert noch, ist aber auf dem Schirm.“

Hirsch weiß, dass dies der Familie Brenner und anderen aktuell betroffenen Baustettern herzlich wenig nützt. Deshalb verspricht er: „Wir werden auf die Verkehrsunternehmen zugehen und mit ihnen besprechen, ob eine Verbesserung zeitnah (wirtschaftlich) darstellbar und damit möglich ist.“

Was die Unzuverlässigkeit bei der Beförderung von Schülern und Pendlern betrifft, stellt Peter Hirsch aber auch klar: „Erst, seit die Schiene im Regionalverkehr nicht mehr die vom Land geforderte Leistung erbringt, gibt es auch im Busbereich Probleme, da viele bahnfahrende Kunden auf den Bus umsteigen. Wenn die Schiene wieder ihren Beförderungsauftrag erfüllt, dann wird sich die Situation auch sicher wieder entspannen.“

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