Baustetter Musiker reißen das Publikum von den Sitzen

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Der Solist Christian Bertsch sorgte an der Tuba für einen besonderen Konzert-Höhepunkt.
Der Solist Christian Bertsch sorgte an der Tuba für einen besonderen Konzert-Höhepunkt. (Foto: Kurt Kiechle)
Kurt Kiechle

2020 kann der traditionsreiche Musikverein „Harmonie“ Baustetten sein 100-jähriges Bestehen feiern. Den Auftakt zu diesem runden Geburtstag bildet bereits am 10. Januar ein Festabend. Doch vor den Jubiläumsfeierlichkeiten hatte der Verein am Samstagabend in die Mehrzweckhalle zum jährlichen Herbstkonzert eingeladen.

Die 350 Besucher in der restlos gefüllten Halle – es musste sogar nachgestuhlt werden – hatten ihre helle Freude an dem abwechslungsreichen und anspruchsvollen Programm, gestaltet von der glänzend disponierten Jugendkapelle unter dem Dirigat von Niklas Sontheimer und vom ebenso begeisternd auftrumpfenden Blasorchester mit Dirigent Stefan Birk-Braun.

Der Ortsvorsteher Dietmar Kögel schwärmte in höchsten Tönen ob der überzeugenden Qualität beider Ensembles: „Ich kann mich nicht erinnern, je ein solch faszinierndes Konzert der Baustetter erlebt zu haben.“

Mit freundlichen Worten hieß Christoph Hettich auch im Namen des dreiköpfigen Vorstandsteams die vielen Blasmusikfreunde aus der Gemeinde und der Umgebung willkommen. Es sei ein tolles Bild, das der restlos besetzte Saal biete. Ohne weitere Vorrede des Vorsitzenden hatte sogleich die Jugendkapelle ihren exzellenten Auftritt. Der erst 16-jährige Niklas Sontheimer, Eigengewächs der „Harmonie“ Baustetten, hat in seiner noch relativ kurzen Zeit als musikalischer Leiter ein Ensemble geformt, auf das der Verein richtig stolz sein kann. Nachwuchssorgen dürften den Baustetter Musikverein im Jubiläumsjahr 2020 nicht plagen, sowohl quantitativ als auch qualitativ ist der Musikernachwuchs auf einem sehr guten Weg.

Den Beweis dafür lieferten die 25 jungen Musikerinnen und Musiker am Samstag in überzeugender Manier. Schon das Auftaktstück „Propulsion“ von Robert Buckley deutete an, zu welcher Leistung die jungen Leute imstande sind.

Mit spürbarer Spielfreude interpretierte das Ensemble auch die weiteren Konzertbeiträge, so auch das Stück „Tales from Scotland“ von Ennio Salvere, das mit einschmeichelnden Passagen, wechselnden Rhythmen und Klarinettensoli zu gefallen wusste. Viel Beifall fand gleichermaßen „Das Beste von James Bond“. Paul Murtha hat mit einigen der bekanntesten Melodien des wohl berühmtesten Spions aller Zeiten ein gut spielbares Medley zusammengestellt.

Eine Zugabe war fällig, und „zufällig“ hatten die Jungmusiker und ihr musikalischer Leiter eine Dreingabe im Gepäck. „Ich bin richtig stolz auf Niklas Sontheimer und alle anderen Orchestermitglieder, die allesamt bei mir in die Schule gegangen sind“, freute sich die Rektorin der Baustetter Grundschule, Annegret Thomiczek-Keul.

Mit rhythmischem Händeklatschen empfing das bestens gelaunte Publikum die 59 Musikerinnen und Musiker und ihren Dirigenten Stefan Birk-Braun. Das Orchester intonierte zunächst das Stück „Encanto“ von Robert W. Smith, das mit einer imposanten Blechbläserfolge eingeläutet wurde.

Nach einem kräftigen Paukenschlag kündigte die charmante Moderatorin Anja Jedelhauser die nächste Programmnummer „Goddess of Fire“ an. Der amerikanische Komponist Steven Reineke bezog seine Tondichtung aus einer Göttersage des Inselstaates Hawaii. Die Insulaner verehren viele Gottheiten, die wichtigste ist „Pele“, die Göttin des Feuers und der Vulkane. Packend, dramatisch und ausgezeichnet instrumentiert brachte das Blasorchester dieses opulente Werk zu Gehör. Dem fügte sich in gleichbleibend beachtlicher Qualität die Komposition „El camino real“ an. Alfred Reed (Arrangeur: Robert Langfield) schuf eine außergewöhnliche Fantasie mit lateinamerikanischen Elementen.

Solo und Show

Mit nicht nachlassender Kraft und Spiellust knüpfte das Blasorchester nach einer Konzertpause mit der Marschmusik „Jubelklänge“ von Ernst Übel an die bislang gezeigten Leistungen auf hohem Niveau an. Was dann der Solist Christian Bertsch an seiner Tuba im Stück „Fnugg Blue“ zu bieten hatte, war schlichtweg spitze. Das Publikum applaudierte im Stehen. Vollends aus dem Häuschen war es dann bei einer in Baustetten bislang noch nie dagewesenen Shownummer der Aktiven Florian Romer und Niklas Sontheimer. Da bebte der Hallenboden, da wackelten die Wände; die Besucher, die es längst nicht mehr auf den Stühlen hielt, pfiffen, jubelten und klatschten minutenlang. Auch das Vorstandsmitglied Christoph Hettich war in seinem Schlusswort hin und weg vom „hammerstarken“ Auftritt seiner Jungs.

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