Bürgerprotest: So viele Saatkrähen im Grundgraben „nicht hinnehmbar“

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Seit Mitte Februar haben Daniel Heine und andere Falkner hunderte Saatkrähen aus dem Schlosspark in den Grundgraben vertrieben.
Seit Mitte Februar haben Daniel Heine und andere Falkner hunderte Saatkrähen aus dem Schlosspark in den Grundgraben vertrieben. (Foto: Roland Ray)
Schwäbische Zeitung
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Etwa 600 Saatkrähen, die bisher den Schlosspark bevölkerten, haben der Falkner Leo Mandlsperger und sein Team seit Mitte Februar mithilfe von Greifvögeln in den Grundgraben vertrieben. Das stößt vor allem im Wohngebiet „Zwischen den Wegen“ auf Bedenken.

„Es ist positiv, dass die Vergrämungsaktion im stadtnahen Schlosspark durchaus Erfolge vorweisen kann“, heißt es in einem von 80 Bürgern unterstützten Schreiben, das Anfang April an den OB und die Mitglieder des Gemeinderats ging. „Dieser Erfolg ist allerdings teuer erkauft, betrachtet man die inflationäre Zunahme der Krähenhorste im äußeren Schlosspark.“ In diesem Gebiet, zu dem die Unterzeichner Grundgraben, Ringelhauser Park, Viadukt und VVL-Lehrpfad zählen, nehme die Krähenpopulation „nicht hinnehmbare Ausmaße“ an.

Der äußere Schlosspark sei ein wertvoller Freizeitbereich, betonen die Verfasser des Briefs. Inzwischen aber fühlten sich Spaziergänger und Sportler sehr unwohl unter den vielen Nestern, „ganz abgesehen von dem nervtötenden Dauergeschrei“ der Schwarzgefiederten. Bei einer solch explosionsartigen Zunahme der Krähen seien die Menschen „Zwischen den Wegen“ und in Ringelhausen schon jetzt einer unzumutbaren Dauerbelastung durch Lärm und Kot ausgesetzt. „Kaum vorstellbar ist der Zustand, wenn die Jungvögel noch dazukommen.“

Die Briefschreiber zeigen sich überrascht, dass die Ansiedlung der Saatkrähen im Grundgraben von der Stadt gewollt sei und 2019 weiter in Richtung Viadukt betrieben werden soll: „Bisher wurde als potenzielles Ansiedlungsgebiet das Risstal und/oder Osterried kommuniziert“. Es stehe zu befürchten, dass die Saatkrähen in den vorderen Schlosspark zurückkehren, „wenn die Ansiedlung im ,Grund’ toleriert wird“. Der äußere Schlosspark müsse auch deshalb unbedingt in die Vergrämung einbezogen werden, möglichst noch in der Zeit bis zum 15. April. Längstens bis zu diesem Tag hatte das Landratsamt heuer die Vergrämung der streng geschützten Saatkrähen genehmigt, mit der Auflage, die Aktion sofort abzubrechen, sollten die Vögel vorher mit der Eiablage beginnen.

Vergrämung ist gestoppt

Genau das sei nun geschehen, informierte das Rathaus am Montag die Briefschreiber und die Öffentlichkeit. Nur an bereits krähenfreien Standorten wie den Friedhöfen und beim Gregorianum dürfe jetzt noch im Rahmen der Bestandssicherung vorgegangen werden; „alle weiteren Umsiedlungs- und Vergrämungsaktionen mussten beendet werden“. Das bedeutet, die Falkner dürfen vor-erst im Grundgraben keine Greifvögel einsetzen. Auch akustische Geräte, die Warnschreie von Krähen wiedergeben und eine Bedrohung suggerieren, sind jetzt dort tabu.

Der äußere Schlosspark sei im Vergrämungskonzept berücksichtigt; das Gebiet solle den Bürgern „weiterhin als Freizeitbereich ohne Krähen zur Verfügung stehen“, erklärte die Stadtverwaltung am Montag. Jedoch: „2018 war es leider nicht möglich, die Krähen aus der Innenstadt weiter als an den Grundgraben zu bekommen. Sehr zu unserem Bedauern wird die Brutphase in diesem Jahr nun im Grundgraben stattfinden.“ Die Nestphase dauere zwei Wochen; es folge eine vierwöchige Aufzuchtphase, dann kehre wieder Ruhe ein.

In einer Pressemitteilung versichert die Stadt, man werde 2019 alles daran setzen, die Krähen noch weiter aus der Stadt heraus und hinter das Viadukt zu bekommen. Das Ziel laute, langfristig „für alle Laupheimer eine krähenfreie Stadt zu schaffen“.

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