Auf den Spuren von Friedrich Adler

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Jutta Henrich

Vor 140 Jahren wurde der Lehrer und Künstler Friedrich Adler in Laupheim geboren, 50-jähriges Jubiläum feiert die nach ihm benannte Realschule. Ein willkommener Anlass für die Gesellschaft für Geschichte und Gedenken und deren Vorstandsmitglieder Elisabeth Lincke, Peter Schroeder und Daniela Barth, eine Themenfahrt vorzubereiten und mit 27 Frauen und Männern zur Spurensuche nach Hamburg zu fahren. Mit Daniela Barth, Lehrerin an der Friedrich-Adler-Realschule und ausgewiesene Adler-Expertin, hatte die Gruppe eine kundige Begleiterin, deren profundes Wissen mehr als einmal die Stadt- und Museumsführerinnen vor Ort verblüffte.

In der Hansestadt finden sich von Friedrich Adler zahlreiche Spuren, obwohl auch deutlich wurde, dass in den Jahren des Nazi-Terrors nicht nur Menschen physisch vernichtet wurden, sondern versucht wurde, ihr Werk und Andenken auszulöschen. Sichtbare gestalterische Spuren finden sich an der Fassade der ehemaligen Reformsynagoge an der Oberstraße, die ursprünglich Platz für 1200 Menschen bot. Diesen interessanten Kubenbau im frühen Bauhausstil hat Friedrich Adler gestaltet und geprägt. Das Gebäude wird heute vom NDR genutzt.

Auch in der Wirkungsstätte Friedrich Adlers, der Kunstgewerbeschule, heute Hochschule für bildende Künste, lässt sich sein Wirken und Arbeiten nachvollziehen. Werke Friedrich Adlers existieren im bedeutenden Museum für Kunst und Gewerbe. Aktuell ausgestellt in der bedeutenden Jugendstilabteilung des Hauses finden sich zwar keine seiner Arbeiten. Umso anrührender ist hier ein Gemälde im Obergeschoss, auf dem Adler mit anderen Lehrern der Kunstgewerbeschule abgebildet ist beim Planen eines der berühmten Jahresfeste. Berichte erzählen, dass Friedrich Adler das Unterrichten und der Kontakt mit den Studierenden sehr wichtig war und die Herstellung der kunstvollen Aufbauten und Dekorationen für das Jahresfest immer ein wichtiges kunstpädagogisches Projekt bildete.

Eine letzte Spur findet sich in den Deportationslisten des Hannoverschen Bahnhofs, von wo Friedrich Adler mit anderen jüdischen Bürgern Hamburgs nach Auschwitz deportiert wurde: Hier ist sein Name angegeben, als Beruf erscheint „Hauswart“. Als von Haus aus geschickter Handwerker hatte er sich nämlich an seinem letzten Wohnort, einer Zwangsunterkunft in der Innocentiastraße 37, in dieser Funktion betätigt, um der quälenden, erzwungenen Untätigkeit in der überfüllten Villa etwas entgegenzusetzen.

Die Gesellschaft für Geschichte und Gedenken ermöglichte den Teilnehmerinnen und Teilnehmern der Reise eindrücklichen und unter die Haut gehenden Geschichtsunterricht, aber auch eine anregende Beschäftigung mit der Kunst des Jugendstils, ganz zu schweigen von den vielen Attraktionen der schönen Stadt Hamburg.

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