Außergewöhnliches Konzert zum Jubiläum

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 Der Laupheimer Singkreis mit seiner Dirigentin Andrea Schöttler hat sein Publikum beim Jubiläumskonzert begeistert.
Der Laupheimer Singkreis mit seiner Dirigentin Andrea Schöttler hat sein Publikum beim Jubiläumskonzert begeistert. (Foto: Sonja Niederer)
Sonja Niederer

Mit einem außergewöhnlichen Konzert am Sonntagabend hat der Laupheimer Singkreis sich selbst zum 50. Geburtstag gratuliert und seinen rund 200 Zuhörern im Lichthof der Friedrich-Adler-Realschule eine große Freude bereitet. Zwischen den Beiträgen steuerten einzelne Sängerinnen und Sänger Wissenswertes über die Entstehung des Laupheimer Singkreises und sein Wirken bei.

Für die gesangliche Umrahmung einer Hochzeit wurde das Vokalensemble von Ludwig Schwedes 1969 ins Leben gerufen, erzählte Fidel Braig. „Anfänglich wurde im kleinen Kreis gesungen, und der Chor hat sich musikalische Nischen angenommen.“ Benefizkonzerte mit geistlicher und weltlicher Chormusik wurden gegeben. Im Zusammenhang mit dem Gedenken an die ehemalige jüdische Gemeinde in Laupheim beschäftigte sich das Ensemble besonders mit der christlich-jüdischen Musiktradition.

Nach dem Tod von Ludwig Schwedes im Jahr 2016 hätten sich die Chormitglieder gefragt: Wie wird es wohl mit uns weitergehen, erinnert sich Braig. Dann habe Andrea Schöttler die Leitung des Singkreises übernommen: „Was für ein Glücksfall für uns. Wir sind dankbar für das, was in den 50 Jahren war und für das, was noch kommen wird.“

Der erste Teil des Konzertabends war geprägt von Frühlingsliedern wie „Nun strahlt der Mai den Herzen“ von Thomas Morley oder den Werken „Lerchengesang“ und „Die Nachtigall“ von Felix Mendelssohn-Bartholdy. Der Laupheimer Singkreis sang sich mit seinem lieblichen und reinen Gesang in die Herzen seiner Zuhörer, die in fast atemloser Stille den Beiträgen lauschten.

Aber die Gäste durften sich auch selber als Sängerinnen und Sänger bewähren, wie bei dem Kanon „Es tönen die Lieder“ oder dem Lied „Alle Vögel sind schon da“. Durch die sehr gute Akustik im Lichthof war das ein prächtiges Klangerlebnis.

Nach dem ersten Liedblock ließ es sich Laupheims Oberbürgermeister Gerold Rechle nicht nehmen, seine Glückwünsche auszusprechen und ein Geschenk zu überreichen. Als langjähriger Chorsänger sei es ihm eine besondere Freude, dem Laupheimer Singkreis zu gratulieren. Der Chor zeichne sich durch seinen feinen Gesang und seine sehr gute Intonation aus. „Singen ist die eigentliche Muttersprache des Menschen“, zitierte das Stadtoberhaupt Yehudi Menuhin, den berühmten Violinvirtuosen. Dahinter stehe der Gedanke, dass Musik, speziell das Singen, nicht einfach nur ein Kulturgut sei, sondern ein Beitrag für eine bessere Gesellschaft und ein friedvolles Miteinander.

Auch der Laupheimer Singkreis sei ein Brückenbauer in der Welt geworden. „Auf zahlreichen Reisen durch Europa und nach Israel treten die Chormitglieder als musikalische Botschafter der Stadt Laupheim auf. Ihr Engagement zur deutsch-jüdischen Versöhnung ist nicht mit Gold aufzuwiegen. Sie waren der erste deutsche Chor, der im ehemaligen Konzentrationslager Theresienstadt auftreten durfte.“ In Laupheim begleite der Chor die Schalomtage. „Chöre wie der Laupheimer Singkreis, die internationale Freundschaften und den Geist der Völkerverständigung pflegen, stellen einen wichtigen Gegenpol zu spaltenden Kräften dar. Musizieren verbindet über alle Grenzen hinweg, und gegen die geballte stimmliche Kraft eines Chores haben vereinzelte Schreihälse keine Chance.“

Lieder, welche die fröhliche Seite der jüdischen Mentalität zeigten, präsentierte der Laupheimer Singkreis im Anschluss mit zwei auf Jiddisch gesungenen Beiträgen.

Seit den 1980er-Jahren gehört die Sopranistin Annerose Wanner zum Laupheimer Singkreis. Immer wieder verzaubert sie die Konzertbesucher mit ihrer klaren und weichen Stimme. So auch beim Jubiläumskonzert, bei dem sie, begleitet von Andrea Schöttler am Flügel, mit drei Liedern aus Jucunde op. 23, komponiert von Clara Schumann, die Gäste in ihren Bann zog. Diese lauschten ergriffen.

Ludwig Schwedes habe zu seinen Lebzeiten Kontakte über Grenzen hinweg gepflegt und viele Lieder aus anderen Ländern ins Repertoire mit aufgenommen, sagte Fidel Braig. Mit dem Laupheimer Singkreis habe er diese meist in Originalsprache einstudiert, um so die Authentizität und ihre besondere Wirkung zu erhalten. 47 Jahre habe Schwedes den Chor geleitet. Im Gedenken an ihren früheren Chorleiter präsentierte der Laupheimer Singkreis noch einige Lieder aus Argentinien, Frankreich, Lettland, Gotland oder Ungarn.

Publikum ist hingerissen

Ein ganz besonderer Akzent für die neue Chorleiterin Andrea Schöttler wurde am Ende gesetzt. Mit der mehrsätzigen Chorpartita „Die Vogelhochzeit“ von Dieter Wellmann, der jeden Satz in einem eigenen Epochen- oder Komponisten-Stil – angefangen vom 15. Jahrhundert bis in die Schlagerzeit von 1966 – verfasst hatte. Bei einigen Auszügen daraus wurde der Chor von Carolin Schöttler auf der Querflöte, Verena Schöttler auf der Violine und Marius Schöttler am Flügel begleitet. Das Publikum war hingerissen und spendete dem Chor, der Solistin Annerose Wanner und den Instrumentalisten begeisterten Beifall.

Den Jubiläumskonzertabend nahm Elisabeth Lincke auch zum Anlass, drei Chormitglieder der ersten Stunde zu ehren. Bereits die ganzen 50 Jahre dabei sind Brigitte Klöden und Gerlinde und Gerhard Fuoß.

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