Ameos steigt aus Bieterverfahren aus

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Jetzt sind es nur noch zwei Anbieter: Landrat Dr. Heiko Schmid kommt beim Kliniken-Bieterverfahren immer mehr unter Druck. (Foto: Klose)
Schwäbische Zeitung
Bruno Jungwirthund Roland Ray

Paukenschlag im Bieterverfahren um die Kreiskliniken: Die Ameos-Gruppe hat am Donnerstag den Unterhändlern des Landkreises mitgeteilt, dass sie kein verbindliches Angebot abgeben wird. Das bestätigten die Schweizer der SZ. Nach ihrem Rückzug waren gestern noch zwei Interessenten im Rennen: Sana und Helios. Die Frist, um ein endgültiges, notariell beglaubigtes Angebot einzureichen, endete heute Nacht um null Uhr.

Ameos begründet den Ausstieg aus dem Bieterverfahren, wie aus verlässlichen Quellen verlautet, mit neuen finanziellen Hürden, die gleichsam auf der Zielgeraden der Verhandlungen aufgetaucht seien und zusätzliche Kosten in Millionenhöhe verursachen würden. Damit sei das betriebswirtschaftliche Konzept, das dem bisherigen Angebot für ein Drei-Standorte-Modell Biberach-Laupheim-Riedlingen zugrunde lag, nicht mehr zu halten gewesen.

Plötzlicher Mehraufwand

Offiziell halten sich die Schweizer bedeckt. Nach SZ-Informationen forderten sie im Gefolge der Datenraumphase noch verschiedene Auskünfte und Präzisierungen vom Kreis ein. Jetzt hätten sie sich plötzlich unter anderem mit Kosten von acht Millionen Euro für Brandschutzmaßnahmen an den Kliniken konfrontiert gesehen, sowie mit einem Mehraufwand von jeweils mehreren hunderttausend Euro für Wartungsverträge und Servicekräfte. Letzteres deshalb, weil das Reinigungspersonal an den Kreiskliniken bisher unter Tarif bezahlt werde, was Ameos grundsätzlich anders handhabe und entsprechend korrigieren müsste.

Unter solchen Voraussetzungen wäre ein Betriebskostenzuschuss des Kreises unumgänglich gewesen, um das bisherige Konzept weiterverfolgen zu können, hat Ameos diese Woche gestreut. Genau das strebe man nicht an und ziehe deshalb aus unternehmerischen Erwägungen die Reißleine.

Weder das Landratsamt noch die Unternehmensberatung PwC, die im Auftrag des Kreises mit den Bietern verhandelt, wollten gestern den Rückzug von Ameos bestätigen. Rein theoretisch hätte das Unternehmen dennoch bis Mitternacht ein über-arbeitetes Angebot einreichen können.

Derweil wird im Umfeld über die Hintergründe des Rückzugs spekuliert. Wäre das Ameos-Angebot bei Zuhilfenahme eines Betriebskostenzuschusses aus Sicht der Kreisräte nicht mehr konkurrenzfähig gewesen? War es ohnehin zu vage formuliert, wie Kritiker behaupten? Hinter vorgehaltener Hand ist aus dem Unternehmen zu hören, man habe den Eindruck gewonnen, vom Landratsamt und von der Klinikleitung als Partner nicht unbedingt erwünscht zu sein.

Kolportiert wird überdies ein Eklat. Der Chefunterhändler von Ameos habe gegenüber Landrat Dr. Heiko Schmid das Thema Vertraulichkeit zur Sprache gebracht. Immer wieder waren in den vergangenen Wochen Details aus dem Bieterverfahren an die Öffentlichkeit gelangt. Wer hat sie lanciert? Für seine Verwaltung lege er die Hand ins Feuer, soll Schmid erklärt haben. Darauf der Klinikmanager sinngemäß: Dann passen Sie mal auf, dass Sie sich nicht die Finger verbrennen. An diesem Punkt der Unterhaltung soll der Landrat förmlich an die Decke gegangen sein. Sichtlich verärgert habe er den Raum verlassen.

Die Nerven liegen blank

Die Nerven, so viel scheint gewiss, liegen im Biberacher Landratsamt blank. Mitarbeiter der Kreisverwaltung mussten angeblich eidesstattliche Versicherungen unterschreiben, dass sie keine geheimen Informationen weitergegeben haben. Auf die Frage, ob das stimme, verwies Bernd Schwarzendorfer, für die Öffentlichkeitsarbeit zuständig, gestern wie für alle anderen Fragen auch an den PwC-Prokuristen Kai Drigalla in Frankfurt. Drigalla sagte, von eidesstattlichen Versicherungen sei ihm nichts bekannt.

Offene Zweifel, dass Ameos von den erforderlichen Investitionen in den Brandschutz der Kliniken kalt erwischt wurde, äußerte Laupheims Bürgermeister Rainer Kapellen. Das Thema falle nicht vom Himmel, „wir alle wussten davon“. Ameos‘ Begründung für den Ausstieg wirke in diesem Punkt „vorgeschoben“. Fakt ist: Bereits in einem Investitionsplan der Kreisverwaltung von 2011 zur „Fortentwicklung“ des Laupheimer Krankenhauses wurden zwei Millionen Euro veranschlagt, um den Brandschutz aktuellen Erfordernissen anzupassen.

Helios setzt nach Informationen der Schwäbischen Zeitung auf einen Klinikneubau in Biberach und ambulante Strukturen in Laupheim und Riedlingen. Sana hatte offeriert, an den beiden kleineren Häusern stationäre Angebote zu erhalten. In Laupheim und in Riedlingen wurde gestern die Sorge laut, dass Sana als einziger verbliebener Bieter für ein Drei-Standorte-Modell die Konditionen kurzfristig noch verändern und höhere Ausgleichszahlungen vom Kreis fordern könnte. Das wiederum könnte die Attraktivität des Sana-Angebots für die Kreisräte schmälern.

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