Als ob man Maria weinen hörte

Lesedauer: 5 Min
Angelika Gretzinger

Mit der Aufführung des Werkes „Stabat Mater“ von Karl Jenkins hat die Musikschule Gregorianum Laupheim die Zuhörer am Sonntagabend in der voll besetzten Pfarrkirche St. Peter und Paul auf den Leidensweg Jesu Christi mitgenommen. Über 80 Sängerinnen und Sänger des Jugend- und Projektchores der Musikschule und dazu über 40 Musiker eines Projektorchesters führten Jenkins gewaltiges Werk auf, welches auf dem Gebet „Stabat mater“ aus dem 13. Jahrhundert beruht und Maria unter dem Kreuz betrachtet.

„Sie werden heute die Passionsgeschichte ganz anders als gewohnt erleben“, versprach die hauptamtliche Kirchenmusikerin der Gemeinde St. Petrus und Paulus Naho Kobayashi in ihrer Begrüßung. Unter der Leitung von Dorothea Werner entführten Chor und Orchester die Zuhörer in den folgenden rund 60 Minuten in das Leid der Mutter Jesu. Als Solistin agierte Julia Werner. Die junge Altistin überzeugte mit klarer ausdrucksstarker Stimme, die auf eindrucksvolle Art und Weise das Leiden und Bitten der Maria wiedergab. Aber nicht nur ihr, sondern auch den vielen jungen Sängerinnen und Sängern des Jugend- und Projektchores gelang es, das Leiden der Mutter Christi spürbar zu machen.

Jenkins strukturierte seine Komposition aus den Jahren 2006 und 2007 in zwölf Sätze. Wie in vielen seiner Werke gibt es sowohl traditionelle westliche Musik als auch ethnische Einflüsse. Hier insbesondere aus dem Nahen Osten. Der zweite Satz „Incantitation“ (Beschwörung) wird normalerweise auf einen Text gesungen, der aramäische und altarabische Textpassagen beinhaltet und somit einen direkten Bezug zum Umfeld von Maria und Jesus Lebenswelt darstellt. In der Aufführung der Musikschule Laupheim übernahm an dieser Stelle am Sonntagabend Norbert Streit den Part des Solisten. Mit herausragendem Spiel auf dem Sopransaxophon entführte er die Zuhörer in den arabischen Raum. Seine Interpretation der „Incantitation“ war durchaus als Glanzpunkt der durchweg gelungenen Aufführung des „Stabat Mater“ anzusehen.

Feierlich ergriffene Stimmung

Bereits mit dem „Cantus lacrimosus“, dem ersten Satz des „Stabat Mater“, war Chor und Orchester ein glänzender Einstieg in das Werk gelungen. Wehleidige leise Klänge, abgelöst von gewaltigen, aber trotzdem nicht minder schmerzvoll klingenden Passagen im Forte versprachen eine hervorragende Aufführung. Eine feierlich ergriffene Stimmung erfüllte die Kirche im dritten Satz. Im fünften Satz zog wiederum der gewaltige Klang der mehr als 120 Akteure die Zuhörer in seinen Bann. Punktgenau agierten Chor und Orchester. Stimmungswechsel wurden scheinbar mühelos bewältigt. „And the mother did weep“ (Und die Mutter weinte), lautet der siebte Satz des „Stabat Mater“. Am Sonntagabend war es fast so, als ob man tatsächlich die Mutter Jesu in der Kirche St. Peter und Paul zu Laupheim weinen hören würde.

Unter dem gefühlvollen, aber bestimmten Dirigat von Dorothea Werner zeigten Chor und Orchester an diesem Abend eine beeindruckende Aufführung. Vielleicht waren es gerade die jungen Stimmen des Jugendchores, die dem Ganzen soviel Ausdruck verliehen. Aber auch Streicher, Schlagwerk und nicht zu vergessen die Bläser des Projektorchesters trugen eindrucksvoll zu einem harmonischen Gesamtwerk bei. Stehende Ovationen und ein nicht enden wollender Applaus belohnte die Akteure für ihr Arbeiten und ihr Können.

Ihr Kommentar wird nach einer kurzen Prüfung durch unsere Redaktion veröffentlicht.
Kommentare werden geladen
Mehr Themen