Abschied von Herzblut und Idealismus

Lesedauer: 6 Min
Milena Hänisch

„Wer geht denn freiwillig ins Polizeipräsidium?“, fragt Polizeipräsident Christian Nill provokativ. „Das ist doch eigentlich eine abstruse Idee.“ Aber in der Laupheimer Wache Galerie ist diese Idee längst Realität, wenngleich nicht mehr lange. Am Samstag wurde dort die vorerst letzte, aber durchaus krönende Vernissage gefeiert: Gertrud Schneider stellte ihre beeindruckenden Malereien unter dem Titel „Realität & Fantasie“ vor.

Nach der stimmungsvollen musikalischen Einleitung von Leon Burkhard am Stage-Piano dankte Christian Nill zunächst Margit Ruepp, die als Organisatorin das Ausstellungskonzept in den vergangenen Jahren stark geprägt hat. Er überreicht der sichtlich gerührten Margit Ruepp einen weinroten Miniatur-Mini mit dem Schriftzug der Galerie, eine Kopie ihres echten „Harry“, Blumen und eine Urkunde – „wenn Sie noch irgendwo einen alten Rahmen haben, können Sie sie ja aufhängen“. Er lobte ihr „herausragendes Engagement“ und scherzte: . „Wir Schwaben gehen ja normalerweise mit Lob sehr sparsam um, da können Sie es ruhig annehmen“, befand Nill. Margit Ruepp gibt sich jedoch ganz bescheiden: „Das war doch einfach ein anderer Teil meines Arbeitslebens.“ Auf Nachfrage kommt dann aber doch: „Ja, es steckt viel Herzblut drin und viel Idealismus. Das lässt einen ja auch gar nicht mehr los, selbst wenn ich im Urlaub bin, haben mich Ausstellungen immer magisch angezogen und ich habe immer meine Augen offen.“ Und manchmal habe so eine Ausstellung auch heilende Wirkung. „Wenn mal was war, hab ich mir oft einfach nochmal ganz in Ruhe die Ausstellung angeschaut und wenn ich zurück im Büro war, sah die Welt schon wieder ganz anders aus.“ Als Zeichen der Verbundenheit und Wertschätzung sind an diesem Abend viele Ehemalige und Kollegen gekommen, unter anderem auch Fritz Nägele, Vorsitzender des Fördervereins der Polizei, der die Galerie unterstützt.

Christian Nill ist sichtlich angetan von der neuen Ausstellung, begrüßt die Stuttgarter Künstlerin Gertrud Schneider, die zunächst nur „zum Ausgleich“ begonnen hatte zu fotografieren und später zu malen. „Wir freuen uns, jetzt ihre Bilder genießen zu dürfen und sind dankbar, dass sie in dieser Form den künstlerischen Ausgleich gesucht haben.“ Interessanterweise erhofft sie sich von dieser Ausstellung auch „einen Impuls, dass die Wache Galerie nicht verloren geht“.

Die Malerin hat bereits an vielen Orten ausgestellt. Nill scherzt: „Es ehrt uns, dass sie zur Krönung nun in der Wache Galerie ausstellen.“ Das, was früher nur Ausgleich war, ist inzwischen der größere Teil ihres Lebens geworden: In ihrem Stuttgarter Atelier arbeitet sie inzwischen fast nur noch künstlerisch. „Es ist eine sehr intensive Arbeit“, so Schneider. Ihr Lieblingsbild „barn storming“ entstand in einem langen Prozess, so wie viele ihrer Bilder. Sie legt mehrere Schichten übereinander: Asche, Nordseesand, Strukturpaste, Bitumen. „Ich fange an, dann steht das Bild eine Weile im Atelier und dann kann es Wochen oder auch Monate dauern, bis die nächste Schicht kommt“, beschreibt sie ihr Vorgehen. Ihr Thema sind fast immer abstrakte Landschaften, weil sie die Natur so sehr liebe. „Wann ein Bild fertig ist, sagt mir mein Gefühl. Wirklich zufrieden ist man nie“, so die ganz unprätentiöse Künstlerin. „Aber ich kann sagen: es passt für mich.“

Einige der Besucher sind hellauf begeistert. „Ich war mit meinem Mann in Urlaub, da gab es einen See, der hatte ganz genau diesen blau-türkisen Farbton“, meint eine Dame entzückt beim Anblick von „by the see“. Anderen fallen solche Assoziationen etwas schwerer, aber sie bemerken immerhin „bunt und schöne Farben“. Nill empfiehlt: Lassen Sie es zu, dass sich die Bilder in Ihrem Inneren erschließen und sie inspirieren.

Ihr Kommentar wird nach einer kurzen Prüfung durch unsere Redaktion veröffentlicht.
Kommentare werden geladen
Mehr Themen