Abi - und dann? Vier Jugendliche berichten über ihre Ziele

Mehr als die Hälfte der Abiturienten entscheidet sich für ein Studium. Doch mit FSJ, BFD, Wehrdienst, Ausbildung oder Auslandsja
Mehr als die Hälfte der Abiturienten entscheidet sich für ein Studium. Doch mit FSJ, BFD, Wehrdienst, Ausbildung oder Auslandsjahr stehen ihnen zahlreiche weitere Möglichkeiten offen. Emma Mutschler, Florian Romer, Sofie Armbruster und Maja Thomas (von links oben) berichten von ihren Plänen. (Foto: Privat)
Frederic Schenkel

Nach dem Abitur stehen alle Jugendlichen vor der gleichen Frage: Was will ich jetzt machen? Mehr als die Hälfte der Abiturienten entscheidet sich für ein Studium nach der Schule. Doch mit FSJ, BFD, Wehrdienst, Ausbildung oder Auslandsjahr stehen ihnen zahlreiche weitere Möglichkeiten offen. Der „Schwäbische Zeitung“ berichten vier Schüler des Carl-Laemmle-Gymnasiums, welchen Weg sie seit ihrem Abschluss 2022 gegangen sind und was sie zur jeweiligen Entscheidung bewogen hat.

Biologielaborantin in Biberach

Ein kleinerer Teil der Abiturienten entscheidet sich für eine Ausbildung. Unter ihnen befindet sich Sofie Armbruster: Sie absolviert bei Boehringer Ingelheim Pharma in Biberach eine dreieinhalbjährige Ausbildung zur Biologielaborantin. Gerade das Kennenlernen des Berufsalltags hat die 18-jährige Laupheimerin davon überzeugt, den Weg weg von der Theorie in der Schule, hin zur Praxis im Beruf zu gehen.

 Sofie Armbruster
Sofie Armbruster (Foto: Frederic Schenkel)

Doch ganz weg ist sie von der Schule dennoch nicht: In regelmäßigen Abständen findet für die Auszubildenden Unterricht an der Karl-Arnold-Schule in Biberach statt. Die Arbeit im Labor ist laut Sofie vielfältig: Sie testet Medikamente an Organismen, untersucht Zellkulturen, schreibt Protokolle und macht Analysen. „Ich wollte immer etwas Richtung Chemie und Biologie machen“, sagt Sofie. „Nach einem eintägigen Praktikum habe ich dann festgestellt, dass mir die Themen der Biologielaborantin mehr liegen.“

Ausbildung trotz Abitur

Dass ihr, dank ihres hervorragenden Durchschnitts im Abitur, so gut wie alle Studiengänge offenstanden, habe sie nicht von ihrem Plan abbringen können, eine Ausbildung zu beginnen. „Nach der Ausbildung habe ich ja immer noch alle Möglichkeiten. Vielleicht schließe ich auch ein fachspezifisches Studium an“, erklärt Sofie. „Es studieren so viele heutzutage. Ich finde, dass man einfach unabhängig davon nach Interesse entscheiden sollte.“ Und umsonst seien die letzten zwei Schuljahre in keinen Fall gewesen: „Ich habe viel gelernt, was mir jetzt hilft.“

Viele ihrer Kollegen im Labor hätten ebenfalls Abitur gemacht, einige andere kämen bereits mit einem abgeschlossenem Studium. „Wir lernen auch voneinander“, sagt sie. Und im Hinblick aufs Finanzielle, so Sofie, rentiere sich in ihrem Beruf ein Studium ohnehin erst sehr spät. Für Praxisbegeisterte sei eine Ausbildung daher eine echte Alternative. Ob Sofie nach der Ausbildung doch noch an die Hochschule geht oder weiter im Berufsleben bleibt, lässt sie sich offen. Fest steht: Für die angehende Laborassistentin soll es in die Forschung und ins Controlling gehen.

Vorteile des dualen Studiums

Florian Romer hat sich für ein Studium in Stuttgart an der Dualen Hochschule Baden-Württemberg entschieden. Dort studiert er „Rechnungswesen, Steuern, Wirtschaftsrecht – Accounting und Controlling“ und arbeitet für Porsche. Die Praxis und das theoretische Studium wechseln sich in einem Zeitraum von drei Monaten ab, am Ende jedes Semesters steht eine Prüfung.

 Florian Romer
Florian Romer (Foto: Privat)

Ein Studientag dauert von neun bis 17 Uhr, Semesterferien gibt es nicht. „Es ist kein normales Studium“, sagt Florian, „die freie Studienzeit fehlt“, findet er. In drei Jahren will er den „Bachelor of Arts“ in der Tasche haben. Zudem wird er dann bereits deutlich mehr Praxiserfahrung haben. „Das ist der Vorteil am dualen Studium: Für den Betrieb hat man direkt Erfahrung und ist eingelernt“, erklärt Florian. „Dafür sind wir auch viel fleißiger als normale Studenten und arbeiten viel mehr“, fügt er hinzu und lacht.

Frühzeitige Bewerbungsgespräche lohnen sich

Zu seinen Themengebieten im Studium gehören beispielsweise Marketing, Kosten- und Leistungsabrechnungen, Jura oder Finanzbuchführung. Im Betrieb wird er die Abteilungen durchwechseln, von der Bilanzierung über Produktionscontrolling bis zu den Finanzen. „Ein weiterer Vorteil ist natürlich, dass man finanziell unabhängiger ist“, sagt Florian im Hinblick auf seinen Verdienst im Betrieb.

Dass er auch ohne sein sehr gutes Abitur an der Hochschule hätte studieren können, kümmert ihn dagegen wenig. Für ihn steht der Entschluss, dual zu studieren, schon länger fest. „Vor über einem Jahr habe ich meine Bewerbungsgespräche geführt“, erinnert er sich. „Es lohnt sich also früh dran zu sein, wenn man in Industrieunternehmen landen will.“ Die Immatrikulierung übernehme dann das Unternehmen, das einen anstelle, erklärt er. Nach dem abgeschlossenen dualen Studium erhofft sich Florian zudem eine Anstellung bei Porsche. Doch er ist zuversichtlich: „Wenn wir bestehen, werden wir von Porsche übernommen. Das ist von Unternehmen zu Unternehmen unterschiedlich“, sagt er.

Der Weg zur Obergefreiten

In eine ganz andere Richtung hat es Emma Mutschler verschlagen: zum Freiwilligen Wehrdienst (FWD). Sie absolviert derzeit ihre dreimonatige Grundausbildung im Sanitätsregiment der Bundeswehr in Rennerod in Rheinland-Pfalz. Danach wird sie bis Ende Juni im Bundeswehrkrankenhaus in Ulm Pflegeaufgaben nachkommen. Die 18-Jährige freut sich darüber, im FWD ihre Komfortzone verlassen zu müssen und neue Eindrücke sammeln zu können.

 Emma Mutschler
Emma Mutschler (Foto: Privat)

Die Grundausbildung bestehe aktuell aus viel Theorie, so Emma. Es gehe um die Rechte und Pflichten von Soldaten, wann zu gehorchen sei und wann nicht. Auch Kurse zur Ersten Hilfe würden einen Schwerpunkt darstellen. „Demnächst steht auch das Gelöbnis an“, sagt Emma. Hierbei geloben alle FWD-Leistenden, die Demokratie zu verteidigen. Gelegentliche Tests stünden den Freiwilligen zudem bevor: „Wir machen schriftliche Prüfungen aber auch Schießübungen oder sportliche Wettkämpfe. Zum Ende der Grundausbildung müssen wir zwei bis drei Tage draußen im Gelände übernachten“, erklärt Emma. Wenn alles glattlaufe, sei sie nach der Grundausbildung „Gefreite“ nach den sechs Monaten in der Klinik „Obergefreite“.

Leitspruch steht über allem

Dass die Bundeswehr eher männerlastig ist, hielt Emma nicht davon ab, ihren FWD zu beginnen. „Ich wollte das als Frau trotzdem schaffen. Beim Zentralen Sanitätsdienst ist die Frauenquote außerdem recht hoch“, erläutert sie. Aktuell wohne sie mit fünf anderen Frauen in einer Kaserne. Großer Wert werde auf Kameradschaft gelegt, so Emma. Egoisten seien nicht erwünscht, die Kameraden würden sich gegenseitig helfen.

Der Leitspruch sei: Eine Gruppe ist nur so stark, wie ihr schwächstes Glied. In dieses Denken würden keine rechtsradikalen Ansichten passen: „Es wird sehr darauf geachtet, dass man zu solchen Gruppen keinen Kontakt hat und nicht mit ihnen sympathisiert“, schildert die Abiturientin. Für die Zeit nach dem Krankenhausdienst schließt Emma eine Offizierslaufbahn und ein Studium bei der Bundeswehr nicht aus.

Die Arbeit mit Grundschülern

Wer noch nicht direkt ins Berufsleben starten will, sich aber sozial engagieren möchte, für den stellt einerseits das Freiwillige Soziale Jahr (FSJ) und andererseits der Bundesfreiwilligendienst (BFD) eine Option dar. Während das FSJ teilweise von den Bundesländern finanziert wird, übernimmt die Finanzierung des BFD der Bund. Maja Thomas hat den BFD an einer Grund- und Realschule in Munderkingen gewählt. Die 18-jährige Abiturientin aus Rißtissen hat den Plan gefasst, Lehrerin zu werden.

 Maja Thomas
Maja Thomas (Foto: Privat)

In ihrer Arbeit als unterstützende Lehrkraft und Betreuerin im Ganztagesangebot für Grundschüler hat Maja bereits innerhalb weniger Monaten festgestellt, dass der Lehrerberuf viel Geduld erfordert. Sie hätte im Vorfeld nicht gedacht, dass die Arbeit mit Grundschülern so anstrengend sein kann. „Ich hatte schon ganz vergessen, wie schwer es Kindern fällt, einen neuen Buchstaben richtig zu schreiben und zu lernen“, erklärt Maja. Freude bereitet ihr die Arbeit mit den jüngsten Schülern dennoch. „Einige sind auch sehr anhänglich und wollen die ganze Zeit kuscheln“, schildert die 18-Jährige und lacht. „Andere sind dagegen frech. Da muss man sich dann durchsetzen können.“

Keinen verpflichtenden Zivildienst

Ihre Entscheidung für das soziale Jahr bereut Maja nicht. „Ich finde das schwer, sich direkt nach der Schule für einen Studiengang für das ganze Leben zu entscheiden“, erklärt sie. Folglich sei ihr sozialer Dienst sowohl für sie von Vorteil, als auch für die Einrichtung, die auf Unterstützung angewiesen sei.

Eine Wiedereinführung eines verpflichtenden Zivildienstes hält Maja allerdings für nicht angemessen. „Ich denke, dass bei vielen die Einstellung negativ wäre, wenn sie unfreiwillig ein soziales Jahr absolvieren müssten“, erläutert Maja.. „Eine Möglichkeit wäre aber sicherlich, mehr an Schulen dafür zu werben, weil unterstützende Freiwillige definitiv gebraucht werden. Das habe ich auch hier an der Schule festgestellt.“

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