10 000 Euro für Steinewerfer-Opfer

Lesedauer: 5 Min
Roland Ray

10 163 Euro hat die Facebook-Gruppe „Laupheim ist wer/wenn...“ für die Familie Öztürk gesammelt, die im September wegen eines Steinewerfers auf der A7 bei Heidenheim schwer verunglückte. Am Mittwoch war Spendenübergabe.

Nelly Hecht und Celina Ramolla, beide elf Jahre alt, überreichen Serdal Öztürk ein Jutesäckchen. Es enthält Geld; ein weitaus höherer Betrag liegt auf dem Spendenkonto, das die Facebook-Gruppe für die vierköpfige, vom Schicksal geschlagene türkische Familie eingerichtet hat. 10 163 Euro stehen aktuell zu Buche; es kann mehr werden, denn hie und da wird in Laupheim noch gesammelt.

Serdal Öztürk ist sichtlich bewegt. „Das ist phänomenal“, sagt er. „Mir fehlen die Worte. Ich danke allen vielmals. Mit so was hätte ich nie gerechnet.“

Leander Baumgart lächelt. Im Juni 2013 hat der freiberufliche Handelsvertreter „Laupheim ist wer/wenn...“ gegründet. Anfänglich standen lokalgeschichtliche Themen im Vordergrund. Längst aber beschäftigen sich die Mitglieder, fast 4000 an der Zahl, mit allem, was das Leben bereit hält. „Wir tauschen Kochrezepte aus, suchen und finden entlaufene Hunde, haben schon Jobs vermittelt und Einbrüche verhindert und diskutieren natürlich das Stadtgeschehen“, erzählt Alexander Hansen, einer von sechs Administratoren. Und wenn jemand in Not ist, dann wird geholfen.

Für die Familie Öztürk haben nach einem Aufruf Hunderte Menschen gespendet. Nelly und Celina haben Flyer in den Geschäften ausgelegt und mit der Sparbüchse bei ihren Mitschülern an der Friedrich-Adler-Realschule gesammelt. Im Netz wurden Gutscheine, Waren und Dienstleistungen heimischer Firmen versteigert, vom Candlelight-Dinner über Kleidung bis zur Autoinspektion. „Die Leute haben zum Teil das Doppelte gegeben, um unsere Aktion zu unterstützen“, sagt Leander Baumgart. „Das Ergebnis hat alle Erwartungen deutlich übertroffen.“

Die Öztürks können das Geld gut gebrauchen. „Wir müssen das komplette Haus umbauen, falls es möglich ist, hier zu bleiben“, sagt er. Die Treppen in dem Altbau sind steil; Serdals Frau Deniz, der nach dem Unfall ein Teil des rechten Beins amputiert wurde, wird einen Lift benötigen. Türen müssen verbreitert und das Bad umgestaltet werden. Dabei hatten sie gerade alles frisch renoviert.

Deniz Öztürk ist jetzt in einer Reha-Klinik. Mindestens bis Februar wird sie dort sein, sagt ihr Mann. Er besucht sie jeden Tag. Zumindest das linke Bein kann Deniz wieder bewegen; das nährt die Zuversicht, dass sie keine dauerhafte Lähmung davontragen wird. Serdals Beckenbruch heilt. Vor einigen Tagen wurde jedoch nachträglich eine Verletzung im linken Knie diagnostiziert; eine OP droht. Die Kinder – die sechsjährige Nisa und der fünfjährige Yusuf – wurden bei dem Unfall auf der A7 zum Glück nur leicht verletzt.

Die seelischen Wunden schwären. Mit jeder Straßenbrücke, die Serdal passiert, kehren die schlimmen Bilder jener Nacht zurück. „Doch wir dürfen ja auch viel Gutes erleben.“ Seine Kfz-Versicherung hat die Abschleppkosten übernommen. Neulich klingelte ein ihm unbekannter Mann an der Tür, erkundigte sich, wie es der Familie gehe, wünschte gute Besserung, drückte ihm ein Kuvert in die Hand und war im nächsten Moment schon wieder weg. Der Inhalt: 2000 Euro.

Lorem ipsum dolor sit amet...
Mehr zum Thema
Ihr Kommentar wird nach einer kurzen Prüfung durch unsere Redaktion veröffentlicht.
Kommentare werden geladen
Mehr Themen