Wo es fröhlich quiekt: Diese Initiative verspricht artgerechte Schweinezucht

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 Den Schweinen von Joachim Unger geht es bestens: Der Landwirt aus Wilflingen ist ständig dabei, die Qualität seiner Haltung und
Den Schweinen von Joachim Unger geht es bestens: Der Landwirt aus Wilflingen ist ständig dabei, die Qualität seiner Haltung und seiner Futterproduktion zu verbessern. Aus Liebe zum Tier und aus der Überzeugung, dass der Endverbraucher dies immer mehr erwartet. (Foto: Thomas Kapitel)
Schwäbische Zeitung

Buchmann’s Landschweine“ leben wie im Paradies – was es damit auf sich hat, erklärt Geschäftsführer Ralf Buchmann im Zuge einer Infoveranstaltung.

Alle der Initiative angegliederten Landwirte – dazu gehört auch Joachim Unger aus Wilflingen – bereiten ihren Schweinen ein artgerechtes Leben. Die zugehörigen Metzgereien, Gastronomen und Kantinen legen Wert auf kulinarische Nachhaltigkeit. Geschäftsführer Ralf Buchmann blickte in Bad Waldsee auf die Entwicklung des regionalen Konzeptes zurück.

Das Prinzip klingt einfach: Regionale Landwirte schließen sich vertraglich der Initiative „Buchmann’s Landschweine“ an und verpflichten sich damit zur artgerechten Schweinezucht nach vorgegebenen Richtlinien.

Im Gegenzug entrichtet Buchmann den Bauern Abnahmepreise, die den Landwirten eine entsprechende Tierhaltung und gentechnikfreie Fütterung ermöglichen. „Verbraucher wünschen mehr Tierwohl, dazu betreiben bewusste Landwirte enormen Aufwand. Das soll im Wert geschätzt und sichtbar gemacht werden, ebenso wie die gläserne Produktion den Interessenten Transparenz verspricht“, so Buchmann.

Joachim Unger betreibt seinen Hof in Wilflingen als GbR zusammen mit seinen Eltern Robert und Johanna Unger. Neben klassischem Ackerbau haben sich Ungers schon vor Jahren auf hochklassige Ferkelerzeugung spezialisiert.

1997 bauten sie ihre neue Stallanlage auf einer Anhöhe außerhalb des Dorfes. Mit über 50 Prozent mehr Platz pro Tier als damals vorgeschrieben. Den Stall hat Joachim Unger nach dem „Nürtinger System“ gebaut: „Entwickelt hat es Gerhard Schwarting, Professor an der Fachhochschule für Landwirtschaft in Nürtingen, bei dem ich gelernt habe.“

Viel Platz mit Auslauf

Der Wilflinger Landwirt hatte die Qualitätskriterien für Buchmann’s LandSchwein bereits erfüllt, als er 2015 den Kontakt zu Ralf Buchmann aufnahm: Viel Platz mit Auslauf ins Freie, Stroh als Beschäftigungsmaterial und Gentechnik-freies Futter vom eigenen Hof. Und die Nähe zum Schlachthof: Nur 20 Minuten sind es nach Mengen; Ungers transportieren die Tiere mit ihrem eigenen Anhänger. 40 bis 45 Stück sind es pro Woche. „Ich wollte immer meine gesamte Erzeugung an einen Abnehmer liefern.

Damit kam nur ein Großmetzger mit entsprechende Marktbedeutung in Frage“, erzählt Joachim Unger. „Ralf Buchmann kann das langfristig bieten und unterstützt durch sein Marketing auch meine Zielrichtung, meine Tierproduktion in Richtung Qualität immer weiter zu entwickeln.“ Das geht bei ihm weit über den modernen Stall hinaus: „Der Endverbraucher will heute auch wissen, welche Futtermittel eingesetzt werden, ob die Pflanzen auf dem eigenen Acker wachsen und wie transparent letztendlich das ganze System ist.“

Wie innovativ Joachim Unger denkt und handelt, zeigt seine Zusammenarbeit mit staatlichen Programmen wie „FAKT“ oder „Tierwohl“. Und er arbeitet mit der BayWa an der Erprobung von „Smart Farming“-Lösungen für bäuerliche Familienbetriebe: Pflanzenscanner und entsprechende Software sorgen für eine bedarfsgerechte Düngung und damit für eine umweltschonende Landwirtschaft. Auch dies, so Unger, werde im Verbraucher-Bewusstsein immer wichtiger.

Qualität bedeutet für Joachim Unger auch das „geschlossene System“: Die Tiere stammen komplett aus eigener Aufzucht. Rund 200 Muttersauen hält er dazu; einen Teil der Ferkel verkauft er sogar weiter an einen Mäster. Zumindest noch: Wie viele seiner Kollegen bei Buchmann’s Landschwein plant auch Joachim Unger nun den Bau eines weiteren Maststalls: „Wieder nach dem Nürtinger System. Dann würde ich meine Kapazität deutlich erhöhen.“

Die Transparenz seiner Produktion hat Joachim Unger zuletzt ganz wörtlich genommen: Am Auslauf des Maststalls hat er ein Fenster eingebaut, mit einem Betonsockel zum Draufstehen. So kann jeder, der auf dem Weg nach Heiligkreuztal am Stall vorbeikommt, hineinsehen, wie es den Schweinen geht. „Und das tun sehr viele“, freut sich Joachim Unger.

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