Verstorbene länger im Blickpunkt behalten

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 Berthold Rieger (von lins), Diakon Klaus-Jürgen Krauß und Pfarrer Klaus Sanke bei der Segnung der Symbole für die Langenslinger
Berthold Rieger (von lins), Diakon Klaus-Jürgen Krauß und Pfarrer Klaus Sanke bei der Segnung der Symbole für die Langenslinger Friedhöfe. (Foto: Kurt Zieger)
Kurt Zieger

Unter dem Leitgedanken „Trauerarbeit liegt uns am Herzen“ haben sich verschiedene Projektgruppen der Seelsorgeeinheit Langenenslingen intensiv und kreativ mit diesem Thema beschäftigt. Neben einem neuen Flyer für alle Haushalte sollen die Symbole Alpha und Omega auf allen acht Friedhöfen Stätten sein, an denen Verstorbene länger im Blickpunkt bleiben.

„Vor meinem Tod ist mir nicht bang, doch mit dem Tod der Anderen muss man leben“, zitierte Pfarrer Klaus Sanke bei einem Treffen der Projektgruppen aus der Seelsorgeeinheit Langenenslingen, die sich mit Themen rund um Tod und Trauer aus verschiedenen Blickwinkeln befasst haben. Leben und Tod existiere in der ganzen Menschheit als Tatsache, führte er aus, doch nach der Überzeugung des Apostels Paulus sei der Tod nicht das Ende, sondern die Wandlung in ein anderes Leben. Den Tod müsse man ernst nehmen, aber nicht bei ihm stehen bleiben. Tod könne auch Erlösung sein. „Mit dem Sterben stoßen Menschen an die Grenzen aller Machbarkeit“, führte Sanke aus. Früher habe es in vielen Häusern Sterbezimmer als spezielle Nischen gegeben, in denen Verstorbene bis zu 36 Stunden im Hause aufgebahrt werden durften, damit Angehörige und Freude ganz persönlich Abschied nehmen konnten. Dies gelte auch heute noch.

In der oft festzustellenden Hilfslosigkeit, Trauernde zu trösten, sie zu begleiten und ihnen Perspektiven aufzuzeigen, damit beschäftigte sich eine Projektgruppe im einzelnen. Als Kirche vor Ort und an vielen Orten befasste sie sich mit dem Schwerpunkt „Trauerarbeit liegt uns am Herzen“. In einem übersichtlich und ansprechend gestalteten Flyer werden zunächst die ersten Schritte für Angehörige dargestellt, die sich mit einem Todesfall befassen müssen. Arzt, Bestatter, Seelsorger und liebgewonnene, oftmals vergessene Traditionen sollen zusammenwirken, damit der Verstorbene für die Trauernden im Mittelpunkt stehen kann.

„Hilfe kann man nur anbieten, machen muss es jeder selbst“, unterstrich Cornelia Metzger für dieses Projektteam. Auch im Blick auf die Beerdigung spielten Überlegungen wie Abschiedsgebet oder Abschiedsrosenkranz ebenso eine Rolle wie reine Trauerfeier oder traditionelles Totenrequiem. Bestattungsunternehmen, die in der Gemeinde Langenenslingen tätig sind, bieten spezielle Hilfen auch in organisatorischen Fragen an. Unter dem Hinweis „Bitte holen Sie sich Hilfe, wenn Sie uns brauchen“ werden Adressen und Ansprechpartner der Seelsorgeeinheit Langenenslingen aufgeführt. In alle Haushalte soll der Flyer verteilt werden als Hilfe, wenn ein Todesfall eintritt.

Den Tod nicht einfach im Raum stehen zu lassen, sondern ihm einen würdigen Rahmen zu geben, rückte Diakon Klaus-Jürgen Kauß in den Mittelpunkt seiner Überlegungen. Die Gemeinschaft solle in würdiger Form einen Dienst an den Toten leisten, das sei auch der Auftrag Jesu. Mit zwei Liedern – „Du wirst den Tod in uns wandeln“ von Kathi Stimmer-Salzeder und „Mögen Engel uns begleiten“ – band er an der Gitarre die Anwesenden in eine singende Gemeinschaft ein. Auch hier kam die veränderte Bestattungskultur von der Erd-.zur Urnenbestattung zur Sprache wie auch die Verabschiedung von einem Toten am Sarg oder an der Urne, ob in der Kirche oder gleich beim Grab.

Für Berthold Rieger und seine Projektgruppe standen die beiden ersten und letzten Buchstaben des griechischen Alphabets im Mittelpunkt ihrer Überlegungen: Alpha als Symbol für die Taufe, Omega als sichtbares Zeichen für den Tod. In vielfacher Weise von Schreinerei Anke in Andelfingen gesponsert, fertigte er mit seinem Team diese beiden Buchstaben eng aneinander geschmiegt als große Symbole aus Holz. An ihnen sollen die Sterbebildchen jedes Verstorbenen befestigt werden, damit die Toten länger im Blickpunkt bleiben. Auf jedem der acht Friedhöfe der Seelsorgeeinheit Langenenslingen wird je nach Zahl der Katholiken ein derartiges Symbol in verschiedener Größe aufgestellt. Von Allerheiligen an sollen ein Jahr lang die Sterbebildchen deutlich sichtbar an Todesfälle im Ort erinnern: „So bleibt auch ein Verstorbener im Mittelpunkt, denn Beerdigungen sind nicht für die Toten, sie sind als Dank, Mahnung und Erinnerung für die Lebenden.“ Auch solche Symbole könnten Trost spenden und Schritte zur Trauerbewältigung darstellen.

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