Wegen des geschützten Rotmilans werden die Windräder in Kettenacker nicht gebaut.
Wegen des geschützten Rotmilans werden die Windräder in Kettenacker nicht gebaut. (Foto: Patrick Pleul)

Paukenschlag am Donnerstagmorgen: Der im Gammertinger Ortsteil Kettenacker geplante Windpark ist gestoppt. Grund ist ein neu zugezogenes Milanpaar. Deswegen sehen die Antragsteller keine Chance mehr auf eine Genehmigung des Windparks, teilen sie in einer Pressemitteilung mit. Ein Konsortium aus vier Energieversorgern hat seinen Antrag auf Genehmigung des Projekts beim Landratsamt Sigmaringen deshalb am Donnerstag zurückgezogen. Erst kürzlich wurde der Teilflächennutzungsplan „Windkraft 2022“ des Gemeindeverwaltungsverbands Laucherttal genehmigt und damit die drei Gebiete östlich von Veringenstadt, östlich von Inneringen und südlich von Kettenacker als Konzentrationszonen für Windkraft ausgewiesen.

Wie der Energieversorger EnBW in einer Pressemitteilung schreibt, brütet etwa 300 Meter vom geplanten Windpark entfernt ein Rotmilanpaar. Da bei den bisherigen Untersuchungen die unter Artenschutz stehenden Greifvögel nicht entdeckt wurden, vermutet Projektleiter Michael Hubmann, dass das Paar zugezogen ist. Es war im Frühjahr dieses Jahres von einem Gutachter entdeckt worden. Aufgrund dieser neuen Entwicklung erscheint den Energieversorgern eine Genehmigung aktuell chancenlos. Das umstrittene Projekt, gegen das sich eine Bürgerinitiative zur Wehr gesetzt hatte, werde deshalb auf Eis gelegt, heißt es in der Mitteilung.

Vor rund drei Jahren haben die EnBW das Projekt zusammen mit drei regional tätigen Stadtwerken angestoßen. Die EnBW und die Technischen Werke Schussental wollten an dem Windpark jeweils ein Drittel der Anteile halten. Die Stadtwerke Sigmaringen (zwei Neuntel) und die Gammertinger Energie- und Wasserversorgung (ein Neuntel) wären die jeweils kleineren Partner gewesen.

Ein Windmessmast förderte einen aus Sicht der Investoren wirtschaftlichen Betrieb der Windräder zutage. Die Windgeschwindigkeit wurde mit 5,9 Meter/Sekunde angegeben. Zwischenzeitlich denken Investoren auch über den Bau von Anlagen nach, wenn die Windgeschwindigkeiten unter der Schwelle von sechs Metern liegen. Laut der Pressemitteilung rechneten die Betreiber durch die drei Windkraftanlagen mit einem Ertrag von jährlich 25 Millionen Kilowattstunden Strom. Die Windräder waren mit einer Nabenhöhe von 164 Metern geplant.

Zum weiteren Vorgehen sagt der Pressesprecher des Energieversorgers EnBW: Wenn in einem Gebiet der Rotmilan zuhause sei, sehe das Gesetz vor, das Gebiet drei Jahre lang in Ruhe zu lassen. „In drei Jahren müssen wir also überlegen, ob ein Neustart für das Projekt Sinn macht“, so Ulrich Stark. Die Investoren wollen das Projekt also nicht endgültig ad acta legen, sondern lassen sich noch ein Hintertürchen offen.

Ittenhauser verfolgen Geschehen

Mit Interesse verfolgen die Ittenhauser Bürger, was im Nachbarlandkreis vor sich geht. Denn auch sie sind von den Windkraftplänen des Gemeindeverwaltungsverbands tangiert. Während der Kettenacker Windpark 1,6 Kilometer von Ittenhausen entfernt wäre, ist der östlich von Inneringen geplante Park nur etwa einen Kilometer weit weg.

Deshalb engagieren sich auch Ittenhauser Bürger im Verein für Mensch und Natur Kettenacker. Der hatte sein Unverständnis gegenüber der Genehmigung des Teilflächennutzngsplanes durch das Landratsamt deutlich gemacht. „Trotz zweier Milanbruthorste im 1000-Meter-Radius zu den geplanten Windkraftanlagen wird der Teilflächennutzungsplan genehmigt. Damit setzt das Landratsamt eine Politik der Linientreue gegenüber den politischen Taktgebern der grün geführten Landesregierung fort“, schrieb der Verein an die „Schwäbische Zeitung“. Aus Sicht des Vereins hätte die Planung verworfen werden müssen.

Dass die Energieversorger nun ihre Pläne für Kettenacker auf Eis legen, wertet Thomas Haag von der Ittenhauser Bürgerinitiative „als Zeichen, dass es in die richtige Richtung geht“. Es habe sich gelohnt sich hinzustellen und sich zu wehren. Das bekräftigt auch Sabine Reiser. „Das Gebiet ist nicht geeignet“, sagt sie. Das hätten sie von Anfang an gesagt. „Wir sind nicht gegen Windkraft“, sagt Reiser. Sie solle genutzt werden. „Allerdings nur da, wo es Sinn macht.“

Dass mit einem genehmigten Flächennutzungsplan noch kein Windrad gebaut ist, stellt das Landratsamt dar. Mit einem solchen Flächennutzungsplan würden zunächst einmal lediglich Flächen ausgewiesen, die der Windkraft grundsätzlich zugedacht seien – einer etwaigen Baugenehmigung komme das keineswegs gleich, sagt Pressesprecherin Sabine Stark auf Nachfrage. „Mit einem solchen Plan kann eine Standortwahl für Windenergieanlagen nicht mehr frei erfolgen, sondern grenzt diese ein. Damit können auf den ausgewiesenen Flächen grundsätzlich Windenergieanlagen geplant werden. Dies bedeutet aber nicht, dass Anlagen dort automatisch genehmigt werden. Auch auf solchen Flächen kann ein Genehmigungsverfahren negativ ausfallen“, sagt sie.

Wenn Projektierer Anlagen auf solchen Flächen planen – wie in diesem Fall die EnBW –, müssten sie wie in allen anderen Fällen auch ein konkretes einzelfallbezogenes immissionsschutzrechtliches Genehmigungsverfahren durchlaufen. „Es ist durchaus möglich, dass Anlagen auch an solchen Orten nicht genehmigungsfähig sein können“, macht sie deutlich.

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