Professor Dr. Christl Reisenauer referierte auf Einladung der Landfrauen vom Sprengel Alb über den Beckenboden und seine Schwäc
Professor Dr. Christl Reisenauer referierte auf Einladung der Landfrauen vom Sprengel Alb über den Beckenboden und seine Schwächen. (Foto: Laetitia Barnick)
Laetitia Barnick

Positiv überrascht über den starken Besucherinnen-Andrang in der alten Schule in Langenenslingen zeigte sich nicht nur die Vorsitzende des Landfrauen-Sprengels Alb, Silvia Käppeler. Auch die Referentin Professor Dr. Christl Reisenauer selbst, die zum Thema „Die Angst vor dem Malheur – der Beckenboden und seine Schwächen“ referierte und zahlreiche Hilfsangebote aufzeigte, freute sich über die zahlreichen Teilnehmerinnen.

Als Leitende Ärztin des Beckenbodenzentrums der Universitäts-Frauenklinik Tübingen ist Professor Dr. Reisenauer eine international anerkannte Kapazität auf dem bis heute oftmals noch tabuisierten Gebiet der tief im Beckenboden verankerten weiblichen Organe. Drei Bruchstellen gebe es hier, deren eventuell völlig marodes Bindegewebe nur durch eine Operation reparabel sei, begann die Professorin ihren Vortrag und ergänzte, dass jede dritte Frau vor und jede zweite Frau nach den Wechseljahren davon betroffen sei: „Etwa zehn Prozent aller Frauen haben einmal im Leben eine Operation, manche sogar mehrere.“

Häufige Erkrankung

Somit sei die meistens damit verbundene Blasenschwäche eine recht häufige Erkrankung, die man jedoch aus Scham meistens ungern zugebe – die häufigsten Ursachen dafür wie Bluthochdruck und Diabetes allerdings schon. „Wenn eine Senkung der Beckenbodenorgane aber bereits stattgefunden hat, dann hilft ein Beckenbodentraining auch nicht mehr viel“, betont die seit 2015 tätige Chefärztin der Sektion Urogynäkologie an der Universitäts-Frauenklinik Tübingen.

Anhand einer Bildschirm-Präsentation zeigte die Wissenschaftlerin, die zahlreiche Vorträge im In- und Ausland hält, unter anderem auch Einblicke in ihre eigene Tätigkeit im Operationssaal in der Tübinger Frauenklinik. Mittels eines Röhrchens operiere man minimalinvasiv durch den Rücken, wobei – ohne die Gebärmutter zu entfernen – ein Netz eingesetzt werde wie bei einem Leistenbruch. Da eine Senkung der weiblichen Organe mit vielerlei Beschwerden wie Druck- und Fremdkörpergefühlen sowie Rückenschmerzen verbunden sei, führe eine Operation meist zu einer enormen Gesamtverbesserung der Lebensqualität.

Doch nicht nur Frauen, die Kinder zur Welt brachten, sind von dem Leiden betroffen, so Professor Dr. Reisenauer, sondern auch junge Frauen, und Sportlerinnen. Mehrere Formen der Blasenschwäche gebe es, berichtet Dr. Reisenauer, wie die häufige Belastungsinkontinenz, die Dranginkontinenz und eine Mischinkontinenz mit beiden Erkrankungen. Mit einer seit 20 Jahren erprobten Methode, der TVT-Operation, in der der Patientin ein Kunststoffband zur Festigung der Senkung eingesetzt werde, sei bereits unzähligen Frauen geholfen worden.

Die Operation sei aber nicht die einzige Methode zur Behebung der Blasenschwäche. So werden die Betroffenen auch mit Botox, Blasenschrittmachern und Medikamenten behandelt. Ein Auslöser für das verbreitete Leiden sei jedoch auch das Übergewicht. So führe bereits eine fünfprozentige Gewichtsreduzierung zu einer 50-prozentigen Verbesserung des Leidens. Viele praktische Tipps nannte außerdem die Professorin, um den Alltag mit einer Unterleibsschwäche zu erleichtern: „Häufig wird statt zu wenig, zu viel getrunken. 20 bis 30 Milliliter pro Kilogramm Körpergewicht reichen durchaus.“ Und natürlich solle man abends weniger trinken, um nachts besser durchschlafen zu können. „Die häufigste Ursache von Knochenbrüchen ist übrigens die Blasenschwäche, wenn man eiligst über den Teppich stolpert!“

Im Tübinger Beckenboden-Zentrum werden etwa 1000 Frauen jährlich operiert. Hier arbeitet man auch mit Neurologen, Ernährungsberatern, Physiotherapeuten, Sanitätshäusern, Kinderchirurgen, Sportmedizinern und Internisten zusammen. Vorbeugend könne aber jede Frau auch selbst tätig werden, weist die Professorin auf prophylaktische Maßnahmen hin: „Nicht zu schwer tragen, nicht extra wenig trinken und Trampolinspringen muss auch nicht sein!“ Und vor allem solle man sich rechtzeitig in der Sprechstunde im Beckenbodenzentrum melden, denn bis auf die Laserbehandlung übernehmen die Krankenkassen alle Kosten.

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