Pensionär Gebele: „Der Tag ist viel zu kurz“

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Der langjährige Langenenslinger Bürgermeister Werner Gebele feiert heute seinen 70. Geburtstag.
Der langjährige Langenenslinger Bürgermeister Werner Gebele feiert heute seinen 70. Geburtstag. (Foto: Waltraud Wolf)
Schwäbische Zeitung
Waltraud Wolf

Werner Gebele sitzt in seinem Wohnzimmer entspannt auf dem Sofa. Die Wand hinter ihm ziert die Ehrenbürger-Urkunde, Zeichen der Würde, die ihm nach 40-jähriger Amtszeit als Bürgermeister im Mai 2015 zuteil wurde. Am 31. März feierte er – in kleinem Kreise – seinen 70. Geburtstag und schenkt Einblick in sein Leben als Pensionär.

Nein, Tagebuch schreiben, wie Ernst Jünger es ab 70 tat, will er nicht. „Das ist nicht meine Mentalität.“ Es bleibt auch gar keine Zeit dafür. „Der Tag ist viel zu kurz“, bekennt Gebele, der nach wie vor um 6.30 Uhr aufsteht, sich mit seiner Frau Hildegard jetzt aber mehr Ruhe zum Frühstücken und der Zeitungslektüre gönnt. Der Gesundheit wegen geht’s eine halbe Stunde auf den Heimtrainer. Für geplante Fahrradtouren draußen in der schönen Landschaft der Gemeinde blieb bisher keine Zeit, dabei hat er sich sogar schon ein E-Bike gekauft.

Mit solchen Ausflügen verbinden könnte er ein weiteres Hobby: das Fotografieren. Doch es soll profimäßig und etwas Besonderes sein, stimmungsvolle Landschaftsaufnahmen und Porträts etwa. Auch dies steht noch auf der Wunschliste. Auf jeden Fall will er seine Zauberkünste wieder aufleben lassen und den einen oder anderen neuen Trick einüben, schon der wertvollen Utensilien wegen. „120 muss ich werden, sonst schaffe ich es nicht mehr“, beschreibt er seine Liebhabereien, zu denen – wie berichtet - auch der Krippenbau gehört.

Seinen zerlegten Dampftraktor wieder in Funktion zu bringen, ist eine davon. Seit fast zwei Jahren wartet er auf den neuen Dampfkessel, wenn der da ist, will er das Gefährt zusammen bauen und danach lernen, wie man einen solchen Traktor fährt und danach durch die Gegend tuckern, zu Oldtimer-Treffen zum Beispiel. Dampfmaschinen haben ihn schon als Kind begeistert, gesteht er, doch damals konnte er sich eine solche nicht leisten. „Mich fasziniert die Technik“, sagt er. Das Fahren – vielleicht auch mit Anhänger und Gästen – sei lediglich das Sahnehäubchen. Auch ein geerbter kleiner Traktor wartet noch auf seine Instandsetzung.

Handwerklich geschickt

Handwerklich geschickt war er schon als Junge und hat zum Beispiel aus drei alten Fahrrädern eines gebastelt. Seine Fähigkeit hat er früh im Malergeschäft seines Vaters eingebracht und in den Ferien „auf dem Bau“ geschafft. Elektro-Ingenieur wollte er eigentlich werden, doch ein Nachbarsjunge machte ihm die Verwaltungslaufbahn schmackhaft und wie erfolgreich diese verlief, ist bekannt. Technische Interessen und Fähigkeiten waren nicht nur im Verwandten- und Bekanntenkreis bei der Reparatur von Haushaltsgeräten geschätzt, sondern kamen ihm auch als Bürgermeister zugute. Er konnte mitreden und beurteilen.

Doch nicht genug. Auch in Sachen Obstbau ist Werner Gebele gewiefter Fachmann. Dabei schneidet er die Bäume nicht nur selber, sondern ist gerade dabei, die geschätzte Apfel-Sorte eines dem Straßenbau zum Opfer gefallenen Baumes auf einen anderen aufzupfropfen. Und weil er es nicht mag, wenn Wühlmäuse ihm die Frucht seiner Arbeit zerstören, hat er sich per Kurs im Mäuse-Fangen schlau gemacht. Die ersten Nager mussten schon ihr Leben lassen.

Ohne Rückschau geht’s freilich nicht, auf Ernst Jünger zum Beispiel und die Prominenz, die er nach Wilflingen brachte. Bundeskanzler Helmut Kohl war darunter und ihm legte Gebele das Goldene Buch der Gemeinde vor. Einen „Verschreiber“ kommentierte dieser mit der Bemerkung, dass der Eintrag damit wertvoller werde.

Unvergessen geblieben ist Gebele eine Begegnung mit dem damaligen spanischen Ministerpräsidenten Felipe González. Nur das Ehepaar Jünger, Landrat Dr. Wilfried Steuer und er saßen zusammen, als Jünger eine Bitte an González aussprach. Bei seinem nächsten Spanienbesuch wolle er wieder die „kleinen weißen Würmle“ essen.

In Erinnerung geblieben ist dem Bürgermeister a. D. auch ein Aufreger um Gerhard Mayer-Vorfelder als Minister. Wohl zu einer Wahlveranstaltung seines Freundes Wilfried Steuer war er nach Egelfingen gekommen, ohne dass die Polizei Bescheid wusste. Dort herrschte helle Aufregung, so Gebele, denn den Minister müsse man doch beschützen. Kommentar Steuers: „Bei ons do hoba braucht ma koi Polizei“.

Wette mit Petermann

Seine Mitgliedschaft im Biberacher Kreistag sei ein Vorteil für die Gemeinde gewesen, betont Gebele, der zusätzlichen Informationen wegen sowie des damit gewonnenen Bekanntheitsgrades. Dass er auf jeden Fall mit dem Fahrrad noch einen Bergpass fahren will, hat auch etwas mit dieser Mitgliedschaft zu tun. Als der Kreistag einst zur Besichtigung von Müllverbrennungsanlagen ins schweizerische Maggiatal fuhr und man in froher Runde zusammensaß, behauptete sein damaliger Amts- und Kreistagkollege Hans Petermann, er bewältige den Pass per Rad in zwei Tagen. Gebele hielt dagegen und verlor 50 Flaschen Wein. Deshalb will er sich dieser Herausforderung stellen, allerdings mit dem E-Bike. Aber: „Nauf gfahra, isch nauf gfahra“.

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