Nach Schlaganfall im Pflegeheim: Sponsorenlauf bringt fast 29.000 Euro für betroffene Familie

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Waltraud Wolf

28 713 Euro an Sponsorengeld listete die Katholische Landjugendbewegung in Wilflingen am Ende eines ereignisreichen Tages für sie, das ganze Dorf und vor allem Tatjana Metzler und ihre Familie mit den beiden Jungen auf.

Denn dieser Betrag steht auf den Spendenzetteln, welche die 44 Jungen und Mädchen und die 228 erwachsenen Läufer abgegeben haben. Die Kinder erliefen davon stolze 3629,50.

Es ist toll, wie ein ganzes Dorf hinter einem steht.

Tatjana Metzler

Tatjana Metzler, deren 41-jähriger Ehemann Ende vergangenen Jahres einen Schlaganfall erlitten hat und seither in einem Pflegeheim versorgt werden muss, zeigte sich von der Initiative der jungen Leute und der großen Resonanz darauf überwältigt.

„Es ist toll, wie ein ganzes Dorf hinter einem steht“, erklärt sie gerührt von den Menschen in Wilflingen, wo sie aufgewachsen ist und mit ihrer Familie lebt. Das war zu einem Zeitpunkt, als sie noch nicht erahnen konnte, welche Summe erlaufen wurde. Danach brachte sie nur noch ein „Danke“ für alle über die Lippen.

Eltern als Sponsoren

Dass der Aufruf „so große Kreise zieht, hätten wir nicht gedacht“, sagt die KLJB-Vorsitzende Raphaela König. Voll des Lobes über das Engagement der jungen Leute und die „tolle Idee“ des Sponsorenlaufs ist auch Ortsvorsteher Werner Späth, der um die Unterstützung im Dorf weiß. Und das macht den Sponsorenlauf zu einem kleinen Fest zwischen Bürgerhaus und Sportplatz, wo die Runden gedreht werden und wo auch bewirtet wird. Der Erlös daraus geht ebenfalls an die Familie.

Läufer
Frohen Mutes und hochmotiviert absolvierten 228 Jugendliche und Frauen und Männer den Sponsorenlauf in Wilflingen. (Foto: Waltraud Wolf)

Die Kinder haben ihren Lauf schon absolviert. 20 Minuten war ihnen eingeräumt worden, in denen sie Runden von 250 Metern unter die Füße nahmen. Vier haben 17 Runden geschafft. Am meisten Geld unter den Kindern erlaufen hat Hendrik Gandeon mit 357,50 Euro. Auf 300 Euro brachte es der neunjährige Nino Birk aus Waldhausen, der 15 Runden unterwegs war. Er spielt Fußball in Altheim und gewann seine Eltern als Sponsoren.

Jede Runde ist 100 Euro wert

Jeweils 280 Euro konnten Moritz und Emil Buck spenden, ihr Opa hat die zwölf und neun Jahre alten Buben gesponsert und eine Geldspritze gab’s noch von einer Wilflinger Firma. „Ich hätte das nicht gedacht“, sagt Mama Katrin, die später bei den Erwachsenen drei Runden absolviert, bezahlt von ihrem Bruder und ihrem Mann, der selber unterwegs ist und es auf 13 Runden bringt. Bei Familie und Nachbarn hatte er nicht vergeblich angefragt.

„Es spricht für unseren Ort, dass wir füreinander da sind“, so der Familienvater. Zum Lauf animiert hat ihn Harald Reck, der bei der Zollern GmbH arbeitet, wo auch der Erkrankte tätig war. 100 Euro ist jede seiner Runden wert, von denen er zehn absolvieren will. Auch er ist voll des Lobes über die Verantwortung, die von den Ausrichtern übernommen wird.

Unsere Chefs sponsern uns.

Nicole Dreher und Petra Reiser

Auf den Weg nach Wilflingen gemacht haben sich 13 Angehörige der Zollern-Betriebs-Feuerwehr. 1300 Euro können wir erlaufen, verrät Kommandant Markus Neuburger zum Ansporn für die Männer. Die Firma selber und Zulieferer stehen dafür ein. Ebenfalls bei der Zollern GmbH beschäftigt sind Sonja Rothmund aus Ostrach und Bettina Sauter aus Langenenslingen.

Mit Nordic- Walking-Stöcken ausgerüstet, machen sie sich auf den Weg. Beide kennen den Patienten als Kollegen und sind gerne dabei – die eine geübter, die andere nicht weniger motiviert. Ebenfalls mit Nordic-Walkling-Stöcken unterwegs sind Nicole Dreher aus Langenenslingen und Petra Reiser aus Andelfingen. „Unsere Chefs sponsern uns“, lassen sie wissen.

Beeindruckt von dem Riesen-Event

Sogar Rollstühle sind auf der Strecke zu sehen. In einem davon sitzt Vincent. Er ist mit seinen Eltern aus Gemmringhein bei Ludwigsburg gekommen. Sie sind mit Reiner Sigg aus Wilflingen befreundet. Der schiebt denn auch in Begleitung seiner Frau Heike den Rollstuhl, während Sabine und Alexander Springer Runde um Runde drehen.

Sie sieben, er 14 – kein Wunder, in zwei Wochen läuft er einen Halbmarathon und hat neben der guten Tat damit ein Training absolviert. „Beeindruckt“ zeigt sich das Ehepaar von dem „Riesen-Event“. Als Eltern eines behinderten Kindes wüssten sie um Belastungen im medizinischen Bereich und vor allem wie langsam behördliche Mühlen mahlen, wenn man Unterstützung brauche, sagen sie.

Markus Schnur erläuft den höchsten Betrag

Mit einer Runde dabei waren als Älteste, doch nicht weniger angefeuert wie die anderen, die 83-Jährigen Siglinde Ebert aus Wilflingen und Maria Werkmann aus Uttenweiler.

Mit dem Kinderwagen und Tochter Luisa flott unterwegs ist Julia Hein. Neun Gummibänder hat sie am Arm, ihr Mann Christian elf. Und obwohl sie schon morgens gelaufen sind, haben sich die Töchter Mia und Ina mit Freundin Elli eingereiht und zusammen 20 Gummibändel eingeheimst. Familie, Freunde und Nachbarn löhnen die Runden der Familie aus Veringenstadt, die sonst vor allem Fahrradtouren macht. Auch Christian Hein arbeitet bei Zollern.

Am Ende des Laufs steht fest, dass Markus Schnur aus Altheim dank großzügiger Sponsoren stolze 2150 Euro erlaufen hat und damit den höchsten Betrag. Die meisten Runden absolvierte bei den Erwachsenen mit 16 Philipp Sugg aus Ölkofen, dem Herkunftsort des Mannes, dessen Familie an diesem Tag die ganze Zuwendung gilt: „Schritt für Schritt“.

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