Musiker stellen ihre Bandbreite unter Beweis

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Elmar Springer

Die Gemeindejugendkapelle und der Musikverein aus Andelfingen haben beim Jahreskonzert anspruchsvolle Stücke präsentiert. Vom Publikum gab es viel Applaus für die Vorträge, die von Theresa Munz und Eugen Stöhr mit dem Musikern einstudiert worden waren.

Die Gemeindejugendkapelle „Music4LA“ eröffnete den Konzertabend unter der neuen Leitung von Theresa Munz. Sie verstand es bestens die jugendlichen Musikanten zu einem homogenen Klang verschmelzen zu lassen, was sich in der Aboca Overture von Lopez gut zeigte. Verschiedene Tempi, rhythmisch differenziert, unterschiedliche Dynamik, Wechsel von Blech- und Holzblasinstrumenten sowie Percussionsgruppen und unterschiedliche melodischen Teile wurden bestens gemeistert, also die ganze orchestrale Bandbreite der 41 jungen Leute. Mit der schottischen Ballade Auld Lang Syne gelang ein sehr schönes Stück, wobei das Thema in verschieden Registern, sauber intoniert und ausdrucksstark in einem interessanten Arrangement vorgetragen wurde. Die Dirigentin hatte ihre Truppe in Griff und man kann gespannt sein, wie sie sich weiterentwickeln wird.

Der Leiter des Musikvereins Andelfingen, Eugen Föhr, hat hier Fuß gefasst, denn er hat mit seiner Auswahl interessante und anspruchsvolle Stücke ausgewählt, die er in monatelanger Arbeit mit den Musikern einstudiert hat. So stand zu Beginn Scharnagls Monumentum, eine Komposition mit einem erhabenen, majestätischen Thema, das von einem sich stetig wiederholenden, schreitenden Begleitrhythmus umrahmt wird und in einem feierlichen Choral endet. Ganz im Kontrast erklingt danach ein tänzerisches Allegro mit der Wiederkehr des Anfangsthemas. Das volle Orchester , präzise artikuliert, zeigt die Bandbreite seines musikalischen Könnens und die kontinuierliche Begleitung der Percussionisten verlieh dem Stück einen besonderen Akzent. Mit der Tondichtung Finlandia von Jean Sibelius wagte sich der Verein an ein klassisches Stück , das als inoffizielle Freiheitshymne von Finnland galt. Dunkles Blech in der Einleitung, fast unheimlich, im schreitenden 4/4-Takt, große Steigerung bis zum Fortissimo im Mittelteil, bei dem immer wieder die Klarinetten dominierten. Sinfonische Blasmusik in Vollendung. Mit dem Stück Dragon Fight wurde ein erster musikalischer Höhepunkt erreicht. Der Kampf eines Drachen mit einem Riesen beschäftigte den Komponisten und er machte daraus ein gelungenes Stück der Programmmusik, das von rhythmischen Akzentuierungen mit langen Melodiebögen in großem Tempo, technisch problemlos bewältigt, geprägt war. Ein beruhigender Mittelteil zeigte, dass die Aktiven auch sehr gefühlvoll spielen können ,wenngleich sie in einem abschließenden Teil nicht nur harmonische, sondern auch dissonante Klänge erzeugten. Eine gemäßigt moderne Tonsprache, die in einer versöhnlichen Melodie endet.

Die sich anschließende Marschkomposition Euphoria gehört zu den Lieblingsstücken des Vereins. In dem deftigen Marschrhythmus, aber auch das Hineinversetzen in die Melodie, sehr leidenschaftlich gespielt, fühlten sich die Musiker äußerst wohl. Gesteigert in der Ausdruckskraft und im Charakter erklang eine weitere Komposition der Programmmusik: Stockholm Waterfestival. Die sinfonische Rockouvertüre beschreibt den Spaziergang durch die schwedische Hauptstadt mit ihren verschiedenen Attraktionen. So wurden die Musiker bei ausgefallener Harmonik, bei jagendem Rhythmus, bei fast elegischen Passagen an ihre Grenzen geführt .Dabei konnten die Schlagzeuger mit ihrem Können brillieren, denn was wäre eine Rockouvertüre ohne Drums?

Wer kennt sie nicht – die legendäre Popgruppe Abba aus den 70ern? Mit fünf einstigen Hits wie S.O.S. , „I have a dream“ und „Thank you for the music“ bot der Verein eine Hommage an die schwedische Gruppe, bei der die einzelnen Register sich quasi vorstellten und wieder ergänzten, mit Soli gespickt, die Stimmungen der einzelnen Songs eingefangen und leidenschaftlich interpretiert. Hier kamen besonders die Anhänger der Rock- und Popmusik auf ihre Kosten. Der zweite Höhepunkt gelang mit dem Gesangsduett „I know him so well“ aus dem Musical Chess. Anna-Lena und Leonie Goldammer traten in gekonnter Weise vor das Publikum und sangen zweistimmig den gefühlvollen Song, von Blasorchester und Keyboard einfühlsam begleitet. Mit ihren sicheren und starken Stimmen, ausdrucksstark und wunderbar interpretiert, zeigten sie sich absolut sicher in der Intonation.

Viel Applaus war der Lohn des Publikums für das prima gelungene Konzert. Der Dirigent wusste geschickt, sein Orchester zu führen, in musikalischer wie auch menschlicher Hinsicht. Mit der Zugabe „Pink Panther“ verabschiedetet sich der Verein und hob noch einmal sein Können und die Bandbreite seiner Möglichkeiten hervor.

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